molily: die alte geschichte mit winopen (2)

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Ich benutze Frames und eine feste Fenstergroesse und meine Seite sieht in jedem getesteten Browser gleich aus [...]

Dies allein lässt keine Rückschlüsse auf die tatsächliche Kompatibilität zu.

Natuerlich funktioniert sie nicht, wenn der User in z.b. Mozilla das Javascript ausschaltet, doch mit der Standardkonfiguration ist die Seite wunderbar funktionstuechtig,

Die Idee hinter einem "Web für alle" ist schlicht und ergreifend, dass es so etwas wie eine "Standardkonfiguration" abstrahiert gesehen nicht gibt. Die Liste der Techniken, die du beim Benutzer mit annehmbarer Sicherheit voraussetzen kannst, ist so kurz, dass du gezwungen bist, deine Seite in einer Weise zu entwickeln, welche es ermöglicht, dass der Benutzer die Seite auch ohne diese und andere Techniken betrachten kann.
Bei manchen Seiten, dessen Hauptbestandteil der Werks die Anwendung der Technik foo ist (beispielsweise eine DHTML-Präsentation, Stempelgeheimnis oder Pipolinos Seiten sind gute Beispiele), ist es ohne Frage gerechtfertigt, Technik foo als obligat vorauszusetzen, aber da foo in diesem Falle nicht transformiertbar ist, besteht die Gefahr, dass Benutzer komplett ausgeschlossen werden. Wenn der Autor diese Fälle einigermaßen auffangen kann, wird zumindest das Risiko gemindert,

nervt den User in meinen Augen nicht und ist immer zu schliessen.

All deine Bemühungen schlagen bei einem integrativen Fensterkonzept fehl, siehe Opera.

Warum also generalisieren, Websites sind nicht immer riesige Portale mit hunderten oder gar tausenden von Usern am Tag, sondern manchmal auch eigenwillige Interpretationen, eigene Kunstformen usw.

Da stimme ich dir vollkommen zu, was auf der einen Webseite beim regulären Gebrauch die Usability niederstrecken würde, kann auf einer anderen Seite ein legitimes Audrucksmittel sein, welches die Benutzbarkeit nicht sonderlich einschränkt.
Dennoch bleiben Popupfenster Popupfenster, mit all ihren Problemen, egal für was sie verwendet werden.

Ich weiss, dass dieses Forum hauptsaechlich von Programmieren gelesen wird, aber ich spreche hier aus der Perspektive eines Designers der den Code nur als Mittel zum Zweck benutzt, naemlich um die Seite graphisch interesanter zu machen.

Das ist vielleicht dein Hauptziel, dennoch wirst du realisiert haben, dass du nur mit den dir vom Hypertext (plus Zusätze) gegebenen Mitteln agieren kannst - diese Mittel sind rein technischen Regeln unterworfen. Irgendwo triffst du auf die Grenze, wo du dich trotz deines Ziels, den Code nur als Mittel zum Zweck zu benutzen, auf andere, klassisch hypertextrelevante Kriterien zurückbesinnen musst - ist die Seite nicht nur schön anzusehen und effektreich, sondern glänzt auch in Sachen Benutzbarkeit? Ist sie vielleicht schon zu experimentell, funktioniert die Interaktion mit dem Rezipient nicht? Wurde unter dem Dogma des Screendesigns vergessen, dass es sich um das Medium Web handelt, mit allen Einschränkungen und Eigentümlichkeiten?

Ist es nicht in gewissem Masse engstirnig immer nur von der einen Seite an die Sache heranzugehen, naemlich die des Coders,

Das sehe ich nicht so. Ich bin froh darüber, dass dieses Forum zwar recht unterschiedliche Fraktionen beherbert, aber die Ansprüche an eine Seite doch recht vielfältig sind.
Dass Standardverstöße im Code unnötig sind beziehungsweise höchstens als direkter Workaround duldbar sind und dies entsprechend konsensuell kritisiert wird, bedeutet nicht, dass die Sichtweise der Forumsteilnehmer einseitig ist. Eine egal wie geartete Seite muss natürlich erst auf der technischen Ebene durchdacht sein, bevor sie ein wie auch immer gearteten Inhalt kommunizieren[tm] kann.

der 99,5% aller User erreichen will und vorallem die, die Mozilla oder Opera benutzen und das halbe Programm selber umgeshcrieben haben?

Wenn eine Webseite erfolgreich sein soll, müssen auch diese Eventualitäten in Betracht gezogen werden.

Deine Seite ty3k.com verwendet ein 955 Pixel breites Popup, leider kann angenommen werden, dass 50 Prozent der Benutzer mit aktiviertem JavaScript und ohne entsprechende Sperrmechanismen beider Abfrage des screen-Objektes nur eine Bildschirmauflösung von maximal 800 mal 600 Pixeln verwenden, http://www.thecounter.com/stats/2002/October/res.php, deshalb ist es eine simple Rechnung, wenn man der Statistik vertraut, welche schlappe 370 Millionen Besucher pro Monat getestet hat: Angenommen, mindestens zehn Prozent aller Benutzer haben JavaScript deaktiviert und mindestens fünfzig Prozent von neunzig Prozent haben eine Bildschirmauflösung kleiner als 1024 mal 768, dann kannst du damit rechnen, dass du gerade einmal fünfundvierzig Prozent aller Besucher überhaupt auf deine Seite lässt. Weiterhin setzt deine Site laut Frontseite den Real Player, Quicktime und Flash voraus, wobei ich nur Quicktime-Videos und MP3-Sounddateien ausmachen kann, nichtsdestoweniger bedeutet dies eine erneute Selektion. Es ist eine verhängnisvolle Staffelung von Wahrscheinlichkeiten...

Ist es nicht legitim eine Website fuer eine gewisse Interessengruppe/Usergruppe zu entwerfen?

Eine (gedanklich konstruierte, in ihren inhaltlichen Erwartungen homogene) Interessengruppe definiert sich nicht dadurch, dass deren Angehörige gleiche Systeme, gleiche Software, gleiche Browser und gleiche Browsereinstellungen verwenden. *Thematisch* werden tagtäglich ohne Probleme Seiten für bestimmte *Interessensgruppen* entworfen, aber es lässt sich keine Verbindung zwischen einer Interessensgruppe und spezifischen technischen, nicht transformierbaren Gestaltungsmitteln nachweisen (wenn das Thema nicht das Gestaltungsmittel selbst ist). (Zugegeben, ich nehme mir das auch nicht uneingeschränkt ab, ;) ich meine es auch nicht uneingeschränkt.) Wohingegen sicherlich die Akzeptanz zu multimediellen Inhalten bei manchen Zielgruppen höher ist, dies wird leider zuoft als simple Argumentation benutzt, mit der Flashkönige und DHTML-Helden rechtfertigen, eine Seite für den Rest der Welt[tm] komplett unzugänglich zu machen. Glücklicherweise offenbart dies oft den inhaltlichen Gehalt beziehungsweise Unverhältnismäßigkeit, welche die Seite tatsächlich hat ("wieso soll ich mir die Mühe machen" et cetera wird in solchen Diskussionen oft angeführt). Das multimedielle Aufwerten einer Seite sollte punktuell und nachvollziehbar geschehen, damit die Barrieren auch nur punktuell auftreten und die Inhalte durch einen Alternativinhalt trotzdem zugänglich gemacht werden können. Meines Erachtens ist es nicht verantwortbar, eine Barriere zu schaffen, welche nicht zwingend notwendig und vernachlässigbar ist, das heißt selbst nicht sich selbst zum Gegenstand hat. Ein Popupfenster mit fester Größe zähle ich zu den Barrieren, welche nicht nur nicht interoperable Workarounds und eine Vergewaltigung des Hypertextes darstellen, sondern auch optional und vermeidbar sind.

Wollte das alles mal los werden und bin gespannt wer von euch mir
gleich an den Hals springt, oder gar mir zustimmen wird (ganz vorsichtig, natuerlich)

Ich will nicht behaupten, dass du dir über die grundlegenden Probleme von Popupfenstern nicht bewusst bist, aber wieso gestaltest du sie dann auf deiner Netzseite unzugänglich? Deshalb muss ich dir an den Hals springen beziehungsweise http://home.t-online.de/home/dj5nu/js-popup.html um die Ohren hauen. ;) (Verzeihe es mir. ;))

Grüße,
Mathias

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