Michael Schröpl: "Hier klicken" und ähnliche Linktexte

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Hi Mathias,

Ich zerbreche mir oft den Kopf darüber, wie ich einen kontextungebundenen Linktext finde, denn wenn man den Seitentitel als Linktext verwendet, kann man ihn meist nicht in einen lesbaren Satz einbinden, welcher den Link umschreibt (auch wörtlich gemeint, "um ihn herum"). Heraus kommen Stakkatosätze oder syntaktisch abartig verbogene Konstrukte, die ich nicht Satz nennen möchte.

diese Erfahrung teile ich nicht. Ich kann mich nicht erinnern, jemals irgendwelche Sätze so umgeschrieben zu haben, daß ein Link besser passen würde. Allerdings hätte ich durchaus eine Vorstellung davon, wie ich das tun würde, wenn ich mußte (weil z. B. der Original-Text nicht von mir wäre). Aber normalerweise schreibe ich meine Sätze IMHO so, daß Links an den relevanten Stellen ganz automatisch hin passen.

Ich setzte den Link auf "interviewte"

Das hätte ich hier auch gemacht - allerdings hätte ich den Satz nicht so geschrieben. Die Aussage, daß jemand einen anderen interviewte, ist mir unabhängig von einem zu setzenden Link zu "leer" für einen Hauptsatz. Ich hätte den Satz sicherlich so formuliert, daß er eine Aussage über den Inhalt des Interviews geliefert hätte - wenigstens über dessen zentrale Aussage. Oder über den Anlaß des Interviews. Oder ... jedenfalls keinen Subjekt-Prädikat-Objekt-Satz über so etwas Belangloses. Einfach schon, weil das nicht mein Sprachstil ist. Dann jedoch wäre das Wort "Interview" nicht mehr das zentrale Subjekt gewesen, sondern eben diese Aussage oder dieser Anlaß. Und um so besser eignet sich dann das Wort "Interview" irgendwo in einem Nebensatz für einen darauf zu setzenden Link.

"Zu Beginn der Pre-Release-Tour ... ein <a>Interview mit den Sternen</a>" ...wäre das genauso blöd, ich verlinke zahlreiche Interviews.

Eben. Der Satz sagt in dieser Form immer noch zu wenig aus. Die Existenz des Interviews ist immer noch die wichtige Aussage dieses Satzes - nicht aber der Inhalt des Interviews. Und das ist zu wenig. Mach mir das Interview schmackhaft! Bewirf mich mit Attributen! Biete mir einen Nebensatz an, der den Hauptsatz verstärkt, erklärt oder relativiert! Gib mir einen Grund, auf den Link zu klicken! Wegen einfach nur 'irgend einem' Interview verlasse ich Deine Dokument-Ebene nicht.

"In einem <a>Interview mit mit dem Musikmagazin bloom</a> ..." Wirkt meist gezwungen und verdreht, ist aber wohl das Naheliegendste.

Ich setze den Link auf "Interview". Was für ein Interview das ist, muß der Leser in diesem Falle bereits gelesen haben (er hört nicht mitten im Satz zu lesen auf, nur weil da ein Link ist) - diese Information brauche ich also nicht auch noch als Bestandteil der Link-Position.

Es sei denn, ich habe innerhalb desselben Satzes (!) mehrere Interviews mit den Zeitschriften A, B und C zu verlinken - dann ist das Wort "Interview" als Link-Position nicht mehr signifikant genug (und auch zu wenig für drei Links ;-). Dann allerdings ist auch die Existenz dieser Interviews immer noch keine ausreichende Rechtfertigung für einen Satz, der die entsprechenden Links enthalten soll - dieser Satz muß auch ohne die Link eine Existenzberechtigung haben, sonst ist er 'öde'. In diesem Falle setze ich die Links auf die Namen der Zeitschriften - denn daß in jedem Falle eines der drei Interview gemeint sein muß, geht aus dem Kontext des Satzes hervor (Beispiel folgt weiter unten). Eventuell kann ich dies durch das title-Attribut: "Interview mit X in der Zeitschrift A" auf dem jeweiligen Link noch verstärken.

"Des weiteren gibt es ein <a>Interview mit mit dem Musikmagazin </a>."

Wie bereit oben erwähnt: Das ist kein 'Satz'. Das ist ein Versuch, einen Link in das Dokument zu mogeln. Setzen, 6. ;-)

Ich setze Link auf "diskutierte" - und habe Magenschmerzen dabei.

Ich nicht. Das ist schon das beste Wort in diesem Fall. Obwohl auch hier wieder der Satz daran krankt, daß der Leser überhaupt nicht erfährt, worum es in dieser Diskussion ging! Der Satz an sich ist "uninteressant" - ein Füller. Er hat nicht genug Substanz, um die Zeit zu rechtfertigen, die ich brauche, um ihn zu lesen. Und eben deshalb bietet er auch keine attraktiven Link-Punkte.

Schreibe interessante Sätze, dann findest Du in den Nebensätzen die guten Link-Punkte. Und das sind nach meiner Erfahrung fast immer Substantive - aber eher Objekte als Subjekte. Dem Subjekt gehört die Aufmerksamkeit meines Artikels - darum muß ich mich als Autor selbst kümmern, das darf ich nicht irgendwelchen anderen Dokumenten überlassen, auf die ich nur verweise. Es sei denn, ich selbst habe einen besseren Artikel über genau dieses Subjekt, und der Satz war nur ein <a title="so wie in diesem Satz hier das Worte 'Bindeglied' - das ist ein guter Link-Punkt für eine detailliertere Beschreibung oder ein PopUp mit einem Beispiel-Satz wie diesem hier">Bindeglied</a>, eine Überleitung in meinem roten Faden, eine "übrigens"-Aussage. Dann kann auch mal das Subjekt ein guter Link-Punkt sein. Wenn man das allerdings überstrapaziert, dann wird der gesamte Artikel belanglos. (Pausen und Tempowechsel sind wichtig in der Musik, aber ein Stück, was nur aus einer einzigen langen Pause besteht ... ;-)

Der Link sollte gar nicht auf dem wichtigsten Wort Deines Satzes liegen, wenn es sich sinnvoll vermeiden läßt. Denn der Link ist eine Abschweifung - er wird nur für denjenigen interessant sein, der an dieser Stelle dem roten Faden Deines Textes nicht folgen will. Wenn Du die wichtigste Aussage Deines Satzes mit einem Link belegen mußt, dann solltest Du überlegen, ob an Deiner Textstruktur nicht etwas faul ist, weil Du in Deinem Text nicht diejenigen Informationen (ggf. stark verkürzt) lieferst, auf die Du verlinkst. Denn wenn die wichtige Information Deines Satzes gar nicht in Deinem Artikel steht, sondern irgendwo anders genauer, wieso soll ich dann Deinen Artikel überhaupt weiter lesen? ;-)

Bei tabellarischen Daten ist es sehr problematisch: | Name            | Wohnort               | Detailinfos     | | Regina Regenbogen | Regenbogenland          | <a>Ansehen...</a> | | Benjamin Blümchen | Neustadt                | <a>Ansehen...</a> | | Jan Tenner        | Westland                | <a>Ansehen...</a> | | Hui Bui           | Schloss Burgeck         | <a>Ansehen...</a> | | Hexe Schrumpeldei | Schwarze-Peter-Gasse 13 | <a>Ansehen...</a> |

Finde ich nicht. Aber ich finde auch diese Konstruktion nicht gut. Ich kann nämlich nicht erkennen, was ich mir da 'ansehen' soll:

  • Ein Foto von Regina Regenbogen?
  • Ein Foto vom Regenbogenland?
  • Eine ausführliche Text-Beschreibung des Regenbogenlandes?
  • Ein Schulzeugnis von Regina? Meine Erwartungshaltung bezüglich des Links ist heftig undefiniert - ich fühle mich schlecht vorbereitet auf den nächsten Mausklick. Ja, ich könnte jetzt meine Hand ausstrecken, die Maus über den Link bewegen und hoffen, daß da wenigstens ein guter Tooltip kommt ... aber das hättest Du mir ersparen können. Und ich merke so etwas.

Auch inhaltlich bin ich von dieser Tabelle enttäuscht. Ich hätte nämlich möglicherweise zwei Links pro Zeile erwartet - einen mit näheren Informationen über Regina, den anderen mit näheren Informationen über das Regenbogenland. Du verweigerst mir also nicht nur einen Teil der Informationen, die ich gerade suche - Du zwingst mich sogar dazu, auszuprobieren, welchen Teil, und das Frust-Erlebnis zu riskieren, wenn ich Deinen obskuren Link anklicke und es 'der falsche' war. Aua.

Bei einer Linearisierung wäre es vielleicht zu verschmerzen, wenn der Spaltenkopf jeweils mitgelesen wird: "Name: Hui Buh, Wohnort: Schloss Burgeck, Detailinfos: Ansehen",

Besser, aber immer noch zu ungenau. Detail-Infos über Hui Buh (Lebenslauf) oder über Schloß Burgeck (Landschaftsfotos)? Das ist die entscheidende Frage - und die ist weiterhin unbeantwortet.

Bei so etwas kann man nur mit einem title-Attributtext aushelfen, denn der Linktext müsste sonst klobigerweise lauten "Detailinformationen über [Name]".

Aha - also doch über die Person! Wieso setzt Du dann den Link nicht auf ihren Namen? Dort hätte ich ihn ohne weitere Erklärungen verstanden!

Wenn man es konsequent auf die Spitze treiben würde müsste eine Linkliste folgendermaßen aussehen (verändertes Bsp. aus o.g. Seite): <a>Bericht des Konzertes im Berliner Columbia Fritz auf entertainment-house.de</a> <a>Bericht des Konzertes im Berliner Columbia Fritz der tageszeitung (taz)</a> <a>Bericht des Konzertes im Berliner Columbia Fritz eines Lesers von dem Musikmagazin VISIONS</a>

Ich würde einen schönen langen Satz daraus machen, in dem der Satzteil (!) "... mit Berichten der <a href="...">taz</a>, des Musikmagazins <a href="...">VISIONS</a> sowie der Website <a href="...">entertainmenthouse.de</a> über das ... (passende Attribute hier einsetzen) ... Konzert ... (welches?) ... im Berliner Columbia Fritz (das könnte übrigens auch einen Link wert sein!) ..." vorkommen könnte. Aber dieser Satzteil ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ein Nebensatz. Denn der gesamte Satz darf nicht alleine für die Links vorhanden sein - er muß selbst etwas über das Konzert aussagen! Er muß dem Leser klar machen, warum Du dieses Konzert für gut, wichtig, etc. genug hältst, um darüber zu berichten und noch dazu drei andere Quellen zu verlinken. Die Links und die damit markierten Worte dürfen nicht 'wichtig' sein - jedenfalls nicht für die Aussage Deines Satzes.

Ich glaube, so etwas nennt man Hirnwichserei... ;-)

Die Problemstellung kommt mir so ähnlich vor wie die Suche nach optimalen Variablennamen in einem Programm. Damit kann man auch viel Zeit verbringen. Aber ich habe am Ende immer das Gefühl, daß es sich gelohnt hat.

Natürlich sind Linktexte, welche den kompletten Titel der Zielseite beinhalten gut für das Ranking der Zielseite.

Also das finde ich nun überhaupt kein wichtiges Kriterium.

Ich würde niemals meine Sprache verstümmeln, um einem blöden robot ein besseres Ranking abzuringen! Denn es besteht ja jederzeit die 'Gefahr', daß der Robot schlauer wird - und dann habe ich weder ein gutes Ranking noch einen gut geschriebenen Artikel. :-(

Mir ging es auch unter anderem darum, dass überhaupt alles mit "Klicken" auf einer Webseite nicht wirklich etwas zu suchen hat,

Jep. Denn der Leser meiner Seiten beschäftigt sich gerade mit dem Inhalt, den ich ihm anbiete - nicht mit der Bedienung seines Browsers! "Klicken Sie hier" bedeutet für den Leser, daß ich ihm "ins Wort falle" und ihn aus seinem schönen Lesefluß, dem "flow", reiße.

Woher will ich denn denn wissen, ob der Leser gerade lieber meinem roten Faden folgen will (weil er das Gefühl hat, meine Aussage verstanden zu haben und von ihr gefesselt ist) oder lieber die Seitenwege meines Artikels traversieren möchte, also meinen Links folgen will (weil ihn mein Artikel entweder nicht so sehr reizt oder er ohnehin auf der Suche nach etwas Anderem ist, beispielsweise nach den von mir verlinkten genaueren Informationen)? Das soll seine Entscheidung als Leser sein - nicht meine als Autor.

(Irgendwie erscheint mir dieses Posting chaotisch... 'tschuldige.)

Mir nicht. Das Problem ist durchaus ein solches - aber ich finde, je sicherer man sich im Umgang mit der Sprache an sich fühlt, um so leichter lassen sich Sekundärprobleme wie die optimale Platzierung eines Links lösen.

Viele Grüße       Michael