Hallo,
Einfache Erklaerung: Die Jury ist inkompetent.
Wieso? Hast du dir überhaupt einmal die Kriterien angesehen, nach denen die Seite geprüft wurde?
Das ist sekundaer.
Die Auszeichnung bezieht sich lediglich auf diese Kriterien (hier http://www.bbs-ahaus.de/medien/zeitalter/aktuell_entscheidung_innovationsgrad.html), mehr nicht. Wie ich bereits sagte, kann die Bewertung hinsichtlich dieses Kriteriums zutreffen. Die Aussage, dass unter den untersuchten Webseiten die Seite X hinsichtlich Kriterium am überzeugendsten war, ist zunächst einmal zulässig. Dass dieselbe Seite X hinsichtlich anderer, eventuell grundlegender und essentieller Kriterien als schlichtweg mies empfunden wurde, sollte der Aussage hinzugefügt werden, damit sie nicht einseitig wirkt. Die ursprüngliche Aussage wird durch ihre Einseitigkeit aber nicht in ihrer Folgerichtigkeit im Frage gestellt, da sie bereits hinreichend einschränkend war.
Wenn eine Jury eine Website beurteilen soll, sollte sie vom Medium Web eine Ahnung haben.
Und eben auch von der Technik.
Sonst ist die Jury eben nicht qualifiziert dafuer.
Die Seite wurde aus einem ganz bestimmten Grund ausgezeichnet. Dabei können zwar viel wichtigere Kriterien nicht berücksichtigt worden sein, über die Jury und deren Wissen und Fähigkeiten hinsichtlich des bestimmten Themas sagt es aber nichts aus. Dass die Merkmale miteinander verzahnt sind und aufeinander aufbauen, hätte natürlich berücksichtigt werden müssen.
Natuerlich koennte man einen sogenannten Architektur-Wettbewerb ausschreiben und die Bewertung durch Kleinkinder durchfuehren lassen nach dem Kriterium: "Welches dieser Gebaeude hat die schoenste Fassade?"
Und die Ergebnisse werden einfach genau eine Aussage haben:
"Den befragten Kindern gefiel die Fassade von Gebaeude Nr. 4 am besten."
Eine solche Aussage waere aber ziemlich irrelevant,
Ja, das mag durchaus sein, ändert aber nichts daran, dass die Fassade tatsächlich die schönste sein mag. Die Kinder sollten die Fassade beurteilen und haben dies mit ihrem Sachverstand getan. Den Kindergarten also aufgrund seiner schönen Fassade auszuzeichnen und herauszustellen, dass der Bewertung nur diese Erhebung von Meinungen der Kinder zugrundliegt, ist vollkommen legitim. Die Ergebnisse wären in sich methodisch korrekt, denn sie behaupten nicht, dass die Kriterien umfassend und ganzheitlich waren.
solange es nicht gerade und ausschliesslich um die Fassaden von Kindergaerten geht.
Du übersiehst, dass es bei der fraglichen Auszeichnung tatsächlich nur um - im übertragenden Sinne - die Fassade ging, also ein spezielles Kriterium. Der Missbrauch der Auszeichnung durch den Ausgezeichneten ist nicht der Jury anzulasten.
Der Gewinner des Wettbewerbs koennte sich zwar ruehmen:
"Mein Gebaeude hat einen Wettbewerb gewonnen!"
Aber das waere serioesen Architekten - und auch einer serioesen Presse - voellig egal.
Ja, wo ist also das Problem? Ein Leser der Webseite darf sich nicht medienkompent nennen, wenn er sich von solchen Auszeichnungen beeindrucken lässt, ohne ihnen auf den Grund zu gehen bzw. ohne den Grund der Auszeichnung zu recherchieren. Auch ihm sollte es im Beispielfall egal sein.
Ob das Gebaeude aber seine Funktion erfuellt, ob man darin gut arbeiten/wohnen kann, und ob es rollstuhlgaengig ist, das koennen eben nur Leute beurteilen, die etwas vom Fach verstehen, und die auch ins Gebaeude rein kommen.
Das ist doch hinsichtlich der Kompetenz der Kinder, welche einzig und allein die Fassade beurteilen sollten, gleichgültig. Wenn man den Kindern glauben schenkt, haben sie mit ihrer Bewertung zunächst einmal Recht. Sie sind hinsichtlich der Frage, was den Kindern gefällt, unzweifelhaft Experten. Sie haben ferner ihre Aufgabe nach bestem Wissen erfüllt.
Welche Bedeutung diesen Meinungen im Bezug auf eine ausgewogene, ganzheitliche Bewertung der Architektur zugesprochen wird, ist eine andere Frage. Aber du hast die Fachkompetenz der Bewertenden im Speziellen angezweifelt, nicht die Kompetenz derjenigen, die den Wettbewerb organisieren, die Kriterien festlegen und entsprechend Befragungen durchführen und das Ergebnis berechnen.
Mathias
--
»The Web is the minimal concession to hypertext that a sequence-and-hierarchy chauvinist could possibly make.« (Ted Nelson)