Moin!
ich darf einen Kunden ein Angebot legen.
Äh, wie meinen? Der Satz ist kein verständliches Deutsch für mich. Und da es hier um Feinheiten geht, ist es schon sehr wichtig, welche Aussage du da triffst.
Also: "Ich darf einem Kunden ein Angebot vorlegen." Wäre das richtig formuliert?
In diesem Angebot definiere ich meine Leistungen (und auch seine Leistungen) sehr genau.
Unter einem Angebot - auch mit sehr genau definierten Leistungen - verstehe ich, dass aufgelistet wird, welche Arbeiten auszuführen sind, wieviel Zeit das in etwa braucht und wieviel Geld das kostet.
So ein Angebot auszuarbeiten beruht in der Regel auf einem Informationsgespräch mit dem Kunden, in dem er erzählt hat, was er genau haben will.
Da hier sehr viel Arbeit drinnen steckt, habe ich die Angst, dass er mein Angebot her nimmt, mit diesem zur Konkurrenz geht, und diese dann das gleiche anbietet.
Die Frage ist: Was schreibst du denn so aufwendiges in dein Angebot rein? Wenn ein Hausbesitzer eine neue Heizung haben will, wird der Handwerker ja auch ungefähr kalkulieren müssen, wieviele Meter Rohr, wieviele Abzweigstücke etc. er benötigt - und wie lange seine Arbeitszeit daran dauert.
Wenn dem Besitzer das Angebot zu teuer ist, kann er weitere Angebote einholen. Das vorliegende Angebot dann als Vergleichsmittel bzw. sogar als Preissenkungsmittel zu verwenden ist für den Besitzer legitim.
Deshalb ist eben die Frage: Was schreibst du in dein Angebot denn alles wahnsinnig wichtiges rein? Immerhin: Es ist ein _Angebot_! Das dein potentieller Kunde den Preis drücken will, ist klar. Dass er mit deinem Angebot zur Konkurrenz geht und die mit deinem Angebot für den Kunden genau dasselbe anbietet, nur billiger - ist auch möglich. Allerdings: Genausogut kann der Kunde ohne dein Angebot zur Konkurrenz gehen, der auch erzählen, was er dir erzählt hat, und dann ein anderes Angebot erhalten.
Ich denke mir mal, dass meine "Gedanken" unters Urheberrecht fallen - es ist aber natürlich schwer zu beweisen, dass die Konkurrenz aufgrund dieses detaillierten Angebotes abgekupfert hat.
Du machst dir da zuviele Gedanken. Entweder schreibst du aktuell gerade Dinge ins Angebot, die dort nicht hineingehören - eben genau deswegen, weil der Kunde dafür nichts bezahlen muß, oder du hast irgendwie eine falsche Vorstellung von einem Angebot.
Ein Angebot ist in meinen Augen nur die schriftliche Fixierung einer Daumenpeilungs-Schätzung für den Aufwand, basierend auf der Schilderung des Kundenwunsches. Mit ein wenig Erfahrung und genügend gleichartig geschriebenen Angeboten der Vergangenheit ist sowas relativ schnell erstellt und tritt typischerweise auch recht gut den tatsächlichen Aufwand. Zumindest wenn man noch gewisse Sicherheitsfaktoren einrechnet.
Wenn du aber in dem Angebot schon die gesamte zu liefernde Leistung konzipierst und aufschreibst, dann leistest du in der Tat schon Arbeit, für die du noch keinen Auftrag hast - und die dann eben nicht zwingend bezahlt werden kann.
Habt ihr für mich Tipps (wie zB einen einschüchternden Satz am Anfang "Urheberrecht, böse wenn abkupfern, ...") wie ich es anstelle, dass alles "fair" abläuft und ich nicht die Arbeit für andere mache?
Wenn du deinen Kunden einschüchtern mußt, damit er sich so verhält, wie du möchtest, dann ist entweder der Kunde nicht der richtige für dich, oder du bist nicht der richtige Dienstleister für den Kunden. Ihr paßt dann einfach nicht zusammen.
- Sven Rautenberg
"Beim Stuff für's Web gibts kein Material, was sonst das Zeugs ist, aus dem die Sachen sind."
(fastix®, 13. Oktober 2003, 02:26 Uhr -> </archiv/2003/10/60137/#m338340>)