Der Martin: ICM unter Windows

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Hallo Yogi,

Nein. Windows 98 und Windows 2000: sRGB als Standard-Farbraum für Files ohne ICC-Profil.

dass Windows (AFAIK sogar seit Win95) ICM prinzipiell unterstützt, ist richtig, und das wusste ich auch schon. Tatsache ist aber, dass bei einer Defaultinstallation keine Farbprofile eingerichtet werden, ergo sämtliche Farbangaben unkorrigiert von der Applikation bis in den Speicher der Grafikkarte durchgereicht werden (von einer eventuell notwendigen Reduzierung der Farbtiefe mal abgesehen).

Und ich persönlich finde das auch richtig so. Wenn ich eine Farbangabe wie #000080 im Stylesheet schreibe, dann erwarte ich, dass auch der Wert 0x00000080 im Grafikspeicher steht, der Blaukanal des VGA-Signals zu 50% seines Nennpegels ausgesteuert wird und der Bildschirm den Blauanteil dieses Pixels zu 50% (bezogen auf die eingestellte Helligkeit) ansteuert. Die Sache ist komplizierter, wenn zwischen verschiedenen Farbräumen umgerechnet werden muss, etwa für den Ausdruck auf Papier, wo meistens das CMYK-Farbmodell zum Einsatz kommt.

Dass der dadurch erzeugte Farbeindruck bei jedem Bildschirm ein wenig anders aussieht, liegt in der Natur der Sache und ist für mich selbstverständlich, zumal für die Wahrnehmung der Farbe nicht nur der Bildschirm selbst eine wichtige Rolle spielt, sondern auch die Lichtverhältnisse in der Umgebung, die durch Farbprofile auch wieder nicht erfasst würden (beim Drucker wären noch die Papiersorte, die Alterung der Druckertinte, die Sauberkeit des Druckkopfs etc. als Einflussfaktoren zu nennen). Deswegen halte ich diese Art der Farbkorrektur oder Kalibrierung durch Farbprofile wohl akademisch gesehen für eine interessante Idee, aber für die Praxis völlig irrelevant und daher überflüssig. Unter Windows wird die Sache noch dadurch verkompliziert, dass das GUI diese Korrektur bei der Abbildung von Bitmapgrafiken anders anwendet (oder gar nicht?) als beim Zeichnen von Linien oder Flächen. Dadurch wirken Übergänge zwischen Bild und Hintergrund auf einigen Systemen unsauber, während es auf anderen exakt passt.

Ich plädiere deshalb dafür, die Farbinformationen wenigstens innerhalb der technisch kontrollierbaren Wege (Anwendung, GUI, Treiber, Grafikkarte) ohne jegliche Manipulation durchzuleiten. Falls ein Anwender eine bestimmte Farbkorrektur für richtig oder erforderlich hält, möge er die bitte am Ein/Ausgabegerät realisieren und nicht in der Übertragungsstrecke.

So long,
 Martin

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F: Was macht ein Offizier, der in der Nase bohrt?
A: Er holt das Letzte aus sich heraus.