Sven Rautenberg: Laptop als Werbungskosten absetzen

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Moin!

»» Allerdings gibt es ohnehin die Werbungskostenpauschale, die dir komplett angerechnet würde. Nur wenn du mit Einzelbelegen diese Summe schon komplett ausgeschöpft hast, und sie inklusive Laptop überschritten wird, würde sich bei dir etwas ändern. Denn wenn du mit Einzelbelegen insgesamt weniger als die Pauschale belegen kannst, kriegst du sie trotzdem insgesamt.

sorry, wenn ich dich falsch verstehen sollte: Das heißt doch konkret, dass ich den kompletten Laptoppreis erstattet bekomme (naja reden wir mal so von 600€), da ich ja sonst nichts geltend mache

Folgendes Beispielszenario:

Du hast 1000 Euro steuerpflichtiges Einkommen, und zahlst 10% Steuern = 100 Euro. Kriegst also 900 Euro als Nettoeinkommen raus.

Wenn du jetzt noch einen Laptop für 100 Euro von der Steuer absetzen könntest, würdest du anstelle der 1000 Euro steuerpflichtigem Einkommen nur 900 Euro angerechnet werden. Von den 900 Euro zahlst du wieder 10% Steuern, also 90 Euro. Hast unter dem Strich also noch 810 Euro Nettoeinkommen, sowie einen Laptop von 100 Euro Rechnungswert. In der Summe also 910 Euro. Hast also 10 Euro mehr, als wenn du von den 900 Euro Nettoeinkommen oben den Laptop für 100 Euro kaufst. Toll!

Allerdings ist die Ausgabe für deinen Laptop Bestandteil einer sowieso schon eingerechneten Pauschalsumme.

Dein steuerpflichtiges Einkommen von 1000 Euro wird grundsätzlich gemindert um eine Summe, die pauschal angenommen wird für allgemein die Kosten, die dir entstehen, um das Einkommen überhaupt zu erzielen.

Nehmen wir für die Pauschale mal an, dass 200 Euro "Werbungskosten" veranschlagt werden. Dann ist dein Bruttoeinkommen also 1000 Euro, versteuert werden davon aber nur 800 Euro. Du zahlst also 80 Euro Steuern, kriegst 920 Euro am Ende heraus.

Dein Laptop mindert die Steuerpflicht nur dann noch weiter, wenn du zusätzlich zu dem Laptop noch weitere einzeln belegbare Ausgaben hast, die insgesamt mehr als 200 Euro ausmachen. Der Laptop steht bei 100 Euro, fehlen also noch weitere 100 Euro, die du belegbar ausgeben musst, damit du die Höhe der Pauschale erreichst - damit hast du außer Verwaltungsaufwand aber noch keinerlei Gewinn, denn anstelle der pauschalen Annahme von 200 Euro hast du jetzt eben konkrete 200 Euro belegt, die dein Einkommen mindern - von 1000 auf 800 Euro, mit 80 Euro Steuern. Erst wenn du so viele Belege hast, dass du mehr als die 200 Euro Pauschale belegen kannst, sparst du mehr Steuern. Allerdings auch nur in einem sehr geringen Anteil. Denn angenommen, du hast tatsächlich 200 Euro andere belegbare Ausgaben, und zusätzlich noch den Laptop für 100 Euro, dann beträgt dein zu versteuerndes Einkommen eben nur 700 Euro, und du zahlst nur noch 70 Euro Steuern. Du sparst also 10 Euro Steuern, und das sind im Bezug auf den Kaufpreis des Laptops auch tatsächlich 10%, nämlich genau dein Steuersatz - aber du hast ziemlich viel Verwaltungsaufwand, überhaupt die ganzen Belege erstmal zusammenzusammeln und in der Steuererklärung zusammenzurechnen.

Ausserdem kann es natürlich sein, dass das Finanzamt den Laptop erstmal nicht anerkennt, du dich also mit dem Amt auch noch auseinandersetzen musst.

Unter dem Strich: Wenn du bislang sowieso keinerlei Steuererklärung abgegeben hast, ist sehr zweifelhaft, ob du überhaupt soviele Einzelbelege für die Werbungskosten zusammensammeln kannst, dass du mit dem Laptop dann noch vollständig über die Pauschale drüberkommst. Nur dann spartst du deinen persönlichen Steuersatz auf den vollen Kaufpreis, hast aber den vollen Aufwand bei der Steuererklärung.

»» Die Frage ist halt, ob du den Aufwand treiben willst, für eher zweifelhaften Erfolg.

mmh.. was genau wäre denn so aufwändig? Das Einreichen der Laptoprechnung?
(ist jetzt nicht ironisch gemeint, ich habe so etwas noch nie gemacht)

Steuererklärungen sind nicht so wahnsinnig aufwendig, wenn man nur den Standard macht. Kompliziert wird's eigentlich erst dann, wenn es darum geht, zu wissen, welche Arten von Ausgaben man wo in die Formulare eintragen kann, und welche Effekte das dann hat. Du kannst dir ja testweise einfach mal das Programm "Elsterformular" vom Finanzamt herunterladen. Das ist von all den verfügbaren Steuererklärungsprogrammen zwar das allerschlechteste, weil's nur dazu da ist, elektronisch die Steuererklärung zu machen, aber es gibt dir einen Vorgeschmack auf das, was dich erwarten könnte. Da kannst du ja mal deine Zahlen des Jahres 2008 eintragen und dir (ohne die Daten zu übermitteln) deine Steuer ausrechnen lassen. Und dann mal rumspielen und den Laptop als reale Werbungskosten zusätzlich eintragen, und vergleichen.

Wenn dir die eingesparte Steuersumme gefällt, kannst du diesen Aufwand dann natürlich treiben. Ich vermute aber, dass du absolut nichts einsparen wirst.

Ich persönlich würde es eher so halten: Wenn ich irgendeine Hardware für mein Leben benötige, dann kaufe ich sie, wobei ich natürlich recherchiere, welches Modell bzw. welcher angebotene Preis mir behagt.

Sollte sich hinterher herausstellen, dass sich durch die Anschaffung auch noch irgendeine Steuerersparnis ergibt, ist das zwar nett, aber keine Motivation für die Anschaffung. Und wenn nicht - dann eben nicht, ich rechne nicht damit.

- Sven Rautenberg