Matthias Scharwies: Wie lange benötigt man noch Programmierer?

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Guten Abend,

Haftungsprobleme (... sind) nicht das Hauptproblem bei Softwareerstellung

Sobald deine Software nicht tut, was sie soll, und der Kunde Geld oder Reputation verliert, sind Haftungsfragen ganz schnell das Hauptproblem.

Mag sein. Natürlich gibt es Bereiche, wo das eine Rolle spielt, aber der Normalfall ist es sicherlich nicht und mit dem Thema selbst hat es ohnehin absolut nichts zu tun...

Jetzt muss ich vom Thema abschweifen und hoffe schlussendlich die Kurve zu kratzen.

1987 gab es einen Zivildienst-Kollegen, der den nächtlichen Pfortendienst mit Programmieren verbrachte. Er hatte ein Buchhaltungsprogramm für eine Tankstelle erstellt, durch deren Spaghetti-Code er nicht mehr durchblickte und den er in DBase3 und Clipper neu erstellen wollte.

Solch ein Programm wird heute wsl. vom Tankstellenkonzern bereitgestellt und (hoffentlich) auf Sicherheit geprüft sein.

Ich glaube, dass es heute auch einfach nicht mehr den Markt für „selbstgestrickte“ Programme gibt.

Webseiten werden durch Accounts bei social media ersetzt. Ich kenne einige Handwerker, die keine Webseite mehr haben.

Es gibt noch Web-Shops, dominieren tun aber die großen Plattformen. (Bei uns gab es dafür die „Alles“, bzw. „Kurz und Fündig“ heute Quoka - gegen die Bucht kommen die nicht an. Früher gab's noch einzelne, die die Ebay-Seiten individuell stylen wollten.

Wer hat denn wirklich sein eigenes Programm?
Wer ändert das Theme bei Wordpress oder frickelt in Hubzilla in den Eingeweiden rum?

Firmen, die Massenware für den Markt produzieren, müssen Sicherheit und Haftung berücksichtigen und schnell neue Versionen raushauen.

Hier schlägt das wohl durch, dass dann Funktionen und Widgets von der KI erstellt und von einem Tech Lead, Senior Engineer oder wie auch immer zusammenkopiert werden.

Ich hab's aus dem Büro gehört, dass neue Projekte, die früher 10 BWLer 3 Monate beschäftigt haben, heute von einem Praktikanten in 2 Wochen rausgehauen werden. Der erstellt dann die Order mit den Sicherheitsvorschriften, Compliance bla bla mithilfe der LLMs.

Bei der eigenen Software geht es dagegen nicht nur darum, dass sie funktioniert. Da will man manchmal auch wissen, warum sie funktioniert – und frickelt eben selbst daran herum. Vielleicht ist das der Teil des Programmierens, bei dem man noch Herzblut entwickeln kann.

Ob sich das finanziell lohnt, steht auf einem anderen Blatt.

Herzliche Grüße
Matthias Scharwies