Marcus Schätzle: Die Macht der Worte

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Hallo,

entschuldigung fuer das unverstaendliche Zeug das ich jetzt schreibe, aber ich arbeite im Zentrum fuer
Turmvonbabylonistik, dem Sprachcaffe. Ausserdem ist Anfang dieser Woche unser Schulserver von uns
gegangen.

Nicht alle Worte sind gleich, nicht alle Worte bewirken etwas.

Ein JEDES Wort meiner "Zweitsprache" Afrikaans bewirkt in mir etwas. Ich habe diese Sprache aus
nicht naeher nachvollziehbaren Gruenden gelernt und war noch nie in Suedafrika. Jedes mal, wenn ich
ein Wort sehe oder gar hoere (sehr gefaehrlich! und naturgemaess auch sehr selten) werden in mir
unbestimmte Gefuehle geweckt und setzen Ihre eigenen Assoziationen und einen unbestimmten Tatendrang
frei, diese Sprache irgendwie umzusetzen, auch wenn das hier in Deutschland naturgemaess etwas
schwer faellt (meine beiden maltesischen Kollegen wuerden sich freuen).
Jedenfalls, wenn ich in Afikaans denke, so fuehle ich mich (absichtlich?) ganz anders als in "Deutsch" und die
Worte sprudeln in mir ganz anders, weil sie keinen geographisch-familiaeren-sonstwas Bezug haben.

Andere Worte leben alleine vom Kontext

Weil es diesen Kontext nicht gibt, muss sich diese arme Sprache selbst einen suchen und konfrontiert
sich mit der ersten (zufaellig Deutsch). Aus dem inneren Identitaetskrieg zweier Sprachen (in mir)  kann Chaos
entstehen, aber wenn Du in "den anderen Worten denkst", kommst Du auch in einen anderen Kontext als
den des Alltags, was Einen auf andere Gedanken und Wege bringen kann.

Bekomme ich jetzt die Thomas J.S. Gedaechtnis Medaille mit Silberstreifen fuer schlechtes Deutsch?

Marcus