Moin!
tja, wenn es nur so wäre!
Es ist aber m. E. offensichtlich anders: M$ arbeitet nach Erwartungswert des Gesamtnutzens für die Anwender.
Was ist der Gesamtnutzen, wenn ein Browser schlicht Informationen, die gewollt sein könnten, ignoriert?
Es gibt viel mehr falsch konfigurierte Server als Anwendungen, die darauf _angewiesen_ sind, ein Bild mit der Endung ".txt" anbieten zu können.
Öhm, das Problem ist, daß Microsoft durch dieses zwar publizierte, aber nicht bekannte Verhalten seines Browsers extrem viel Schaden anrichtet. Fehlerhafte Konfigurationen (so es sie denn für so grundlegende Dinge wie text/plain wirklich gibt) von Webservern werden mit dem IE eben nicht erkannt, weil beispielsweise HTML-Quelltext, der mit der Dateiendung .txt gespeichert wurde und vom Server wunschgemäß (dem Ersteller ist hierbei _nicht_ bewußt, was er da macht!) mit Mime-Typ text/plain ausgeliefert wird - der IE zeigt die HTML-Seite, alle anderen, standardkonformen Browser zeigen den Quelltext.
Konsequenterweise nimmt M$ an, daß es sich auf die Endung .txt (die dem Ersteller der Datei zweifellos bewußt ist) eher verlassen kann als auf die Konfiguration der MIME-Typen des Webservers (welche dem Seitenbastler praktisch nie zu Gesicht bekommen - oder, Chräcker? ;-).
Da kann sich der IE nicht drauf verlassen, denn wie oben dargelegt: Manche DAUs kriegen es eben hin, HTML-Dateien mit .txt-Endung abzuspeichern und hochzuladen - und dank IE sieht alles in Ordnung aus.
Meiner Meinung nach arbeitet der M$ _absichtlich_ fehlerhaft (d. h. im Widerspruch zum gültigen Standard), weil der Hersteller davon ausgeht, daß er damit mehr Fehler von Ahnungslosen repariert, als korrekte Anwendungen von Experten zu beschädigen.
Wenn etwas fehlerhaft arbeitet, ist es kaputt. Dabei ist egal, ob es absichtlich oder unabsichtlich geschehen ist: Kaputt ist kaputt und gehört repariert.
(Bei der Interpretation von kaputtem HTML-Code ist es ja genauso.)
Richtig, aber doch etwas anderes: Würden alle Browser sich streng nach Standard richten, gäbe es auch keinerlei fehlerhafte HTML-Seiten - weil die Ersteller die Probleme sofort sehen würden und korrigieren könnten. Statt irgendwas darzustellen könnte im Debug-Modus lieber eine Fehlermeldung ausgegeben werden - alle Programmiersprachen, egal ob Interpretersprache oder Compilersprache, kriegen das doch auch hin. Oder kannst du dir vorstellen, daß z.B. der Perl-Interpreter plötzlich fehlertolerant wird und nicht abgeschlossene Zeichenketten automatisch irgendwie repariert? Böse Fallen würden sich auftun, wenn aus Versehen Quellcode im Browser zu sehen wäre, weil keine Fehlermeldung kommt, sondern ruminterpretiert wird.
- Sven Rautenberg