Erinnerungen an Weihnachten
Zu den schönsten Erinnerungen an meine arbeitsreiche Kindheit gehören die Erinnerungen an das jährliche Schlachtfest auf unserem Hof. Schlachten, ja das war immer im Winter wo so vieles Schönes zusammenkam, anstelle Rübenhacken gab es viel weniger zu tun: Es gab Pfannkuchen, Fasching, Winterferien, ab und zu mal Schulfrei weil der Bus nicht fahren konnte wegen Glatteis oder hohen Scheefall und natürlich Weihnachten sowie das alljährliche Schlachtfest...
In diesem Jahr war der Schlachtetermin, welcher normalerweise im Januar oder Februar lag, kurzfristig vorverlegt auf die Tage in der Adventszeit. Es gab unheimlich viel Schnee in diesem Jahr, genau diesen Schnee den ich mir wie jedes Jahr nach den letzten Tagen der Herbstferien herbeigewünscht hatte. Und es war kalt, eine weitere zum Schlachten und die Verarbeitung des Fleisches notwendige Bedingung.
Also machten meine Mutter, mein Vater und ich mich am Vorabend des Schlachtetages mit zwei Schlitten auf den Weg ins Nachbardorf Salborn wo unser Fleischer wohnte. Da es die ganze Zeit bergauf ging, freute ich mich wie verrückt auf die Rückfahrt ins heimatliche Dorf mit den Schlitten, diese mussten jedoch erst beladen werden mit den Maschinen welche für das Hausschlachten notwendig sind: Fleischwolf, Wurstmaschine und anderes Gerät.
Unser Fleischer, ein alter Bekannter der Familie empfing uns sehr liebenswürdig, half beim Packen der beiden Schlitten und verabschiedete sich von uns bis zum nächsten Tag. Mit den vollbeladenen Schlitten traten wir dann unsere Heimfahrt an - einigemale ging es vom Weg ab, aber letztendlich ist alles heil angekommen und nichts kaputtgegangen.
Johnny, unser goßer bernsteinfarbene Kater war der Erste der uns empfing, mittlerweile war es fast dunkel geworden, dann kam meine Oma, wir packten das Gerät vom Schlitten und verstauten es griffbereit im Kuhstall gleich hinter der Tür.
Vor lauter Aufregung konnte ich kaum schlafen, aber wahrscheinlich lag es auch an der Kälte in meinem Zimmer was sich direkt unter dem Dach befand und nicht beheizt werden konnte.
Am nächsten Tag war es dann soweit: Mit einem Mal war der Fleischer da und es ging los. Direkt neben der Kuhstalltür war ein Ring in der Wand wo das Schwein angebunden wurde. Kopfschuss mit dem Bolzenschussgerät und dann gab es jede Menge Blut was in eine Schüssel floss und gerührt werden musste damit es nicht gerinnt. Bei jedem Schlachtfest, an das ich mich erinnere, waren das immer die schlimmsten Minuten: Die Zeit vom Anbinden des Schweins an diesen Ring bis zum vollständigen Ausbluten in die Schüssel...
Im Laufe des Tages kamen dann die Verwandten um zu helfen. Die Arbeit war enorm und war erst am nächsten Tag geschafft. Unglaublich schön war immer der Anblick der Würste - fein auf eine Stange aufgefädelt und bereit zum Räuchern.
Selbstverständlich war die Hilfe der Nachbarn, genauso selbstverständlich war es auch dass die Unmengen an Kesselsuppe (Wurstsuppe) an die Nachbarn ausgetragen wurde.
Erinnerungen an die Winter meiner Kindheit und das alljährliche Schlachtfest haben eine ganz besondere Bedeutung.
Am Weihnachtsabend bin ich immer in die Ställe raus und hab nach dem Vieh geschaut. Auch wenn es in diesem einen Jahr ein Schweinchen weniger gab, ich glaube heute noch fest daran, dass die Tiere uns mochten.
Die Kühe mussten wir abgeben in die LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft).
Kaninchen Schlachten war viele Jahre meine Aufgabe.
Meine Oma buk jedes Jahr mit eigenem Schweineschmalz die besten Pfannkuchen der Welt.
Johnny, unser Kater starb an Altersschwäche.
Was bleibt sind Erinnerungen...