Sven Rautenberg: Was soll das mit w3c-strict überhaupt?

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Moin! Oh, ein Glaubenskrieg, da mach ich mit. <freu>

Falsch, es muss heissen: Warum machst du so viele Fehler?
Nein, sie sehen die Seite richtig, weil ich sie natürlich in erster Linie für ihren Browser schreibe. Dann erst schaue ich, ob die Seite auch in anderen funzt.

Das zweite, was ich mit dem erstmals abgespeicherten, rudimentären Code einer Neuentwicklung mache ist, ihn im Internet Explorer zu laden. Das erste ist, ihn in Opera zu betrachten. Und das dritte, ihn in Netscape 4 zu betrachten. Und danach werden diese Browser bis zum Feierabend auch nicht mehr geschlossen - und am nächsten Tag wieder geöffnet. :)

Nummer 4 in der Aktionsliste wäre dann übrigens, den Validator zu befragen. ;)

Vielleicht ein Kunde, weil eines deiner Produkte in seinem Browser auseinanderfällt?
Bei keinem Kunden fällt meine Seite auseinander, wenn überhaupt, dann höchstens bei seinen Kunden. Ist natürlich nicht gewollt. Aber da sie ja bei meinem Kunden funzt, kann er dadurch die Schwierigkeit der Angelegenheit verstehen.

Tja, und dann wird er auf die Gewährleistung verweisen und Abhilfe verlangen. Dumm für dich: Extra-Arbeit ohne Bezahlung. Oder du redest dich raus - wenn du den Kunden von deiner Sichtweise überzeugt hast, wird er natürlich auch auf diejenigen seiner Besucher schimpfen, die angeblich den falschen Browser benutzen.

In 10 Jahren konstruiere und baue ich eine fliegende Untertasse.
Kurz darauf baust Du eine fliegende Suppenschüssel.

Nu fangen wir beide an, uns gegenseitig Marktanteile zu erkämpfen, in dem wir sie mit immer mehr Features ausstatten:
Schiebetüren, Multimediaeinheiten, Schwerkraftsimulation, Neutrino-Photonen-Warpkern, Schubumkehr-Verstärker-Bremssystem, Galaxienebel-Beleuchtung und ach weiß der Geier was alles noch.

Solange der Monitor mit dem Bild von draußen (du weißt schon, das Teil, was Captain Picard immer meint, wenn er "Auf den Schirm" ruft!) die Realität ohne Abweichung darstellt, ist alles ok. Und darauf bezieht sich der Standard des W3C: Ein kleiner, aber sehr entscheidender Ausschnitt aus den Möglichkeiten, die die Browser bieten: Die einheitliche Darstellung von elektronisch übermittelten Informationen. Einheitlich aber nicht im Sinne von "pixelgenau identisch", sondern im Sinne von "dokumentenlogisch identisch und im Rahmen der Möglichkeiten des Darstellungsgeräts präsentiert".

Was würdest du denn machen, wenn plötzlich Puppenuntertassen modern würden, und alle Welt die benutzt, weil man damit viel schneller und individueller von A nach B kommt. Zwar hat nur eine Person Platz, und etwas wacklig ist die Angelegenheit auch, aber es funktioniert und macht einen Riesenspaß. Nur Multimediaeinheiten und Schiebetüren wird man da nicht einbauen können, und statt eines 210"-Flachbildschirms hat man nur eine kleine Virtual-Reality-Brille auf.

Standard ist ein fliegender Abendbrotteller - mit einem süßen kleinem Teddy-Bildchen drauf. Außerdem verzichten wird auf die Multimediaeinheiten, die Schwerkraftsimulation und den Neutrino-Photonen-Warpkern.

Das W3C definiert NICHT, was ein Browser sonst noch alles haben darf. Es definiert, was korrektes HTML ist und wie ein Browser das darzustellen hat. Der IE versagt in dieser Beziehung immer noch reichlich und häufig, zum Beispiel bei der Interpretation von Breitenangaben in Verbindung mit Padding.

Beim IE ist dieses Element 100 Pixel breit:
<div style="width:100px; padding:10px;"></div>

In korrekten Browsern ist es 120 Pixel breit. Denn Width gibt die Breite des Innenraumes an, der von Inhalt genutzt werden kann, aber nicht die Breite _inklusive_ Padding (das ist der Rand zwischen Inhalt und Grenze des Elements).

Mag sein, daß einige IE-Versionen mit dem "standards-compatible mode" mittlerweile gelernt haben, wie man es richtig macht. Die Probleme werden dadurch aber nicht unbedingt kleiner, weil man sich mittlerweile beim IE auf nichts mehr verlassen kann. Irgendwelche schlauen Leute haben zum Beispiel rausgekriegt, wie man dem IE eine "falsche" Breite unterjubeln kann, und dann hinterher für die anderen Browser die korrekte Breite angibt. Und schon kommt IE 6 und versteht diesen CSS-Hack nicht mehr. ;)

Da ist es doch besser, einfach nur nach Standard zu schreiben und dann den Browsern zu überlassen, was sie daraus machen.

- Sven Rautenberg