Hallo, Armin,
Ach, indem wir die Flaggen als Sprachkennzeichnung mißbrauchen und "gleichmachen", nehmen wir vielleicht diesem Fahnengedöns etwas Schärfe und das ist ja auch nicht schlecht. Auch den Amerikanern könnte man da ja etwas mehr Gelassenheit wünschen und so ist es erst recht eine kleine "nette gemeinheit", ihnen immer den union Jack vorzuknallen....
Leider ist die Fahne des Britischen Empires nicht weniger blutbefleckt (welche Fahne ist es nicht), angesichts des Kolonialismus über Imperialismus bis zu dem monarchisch-aristokratischen Quatsch, der dort bis heute zelebriert wird; wenn auch der Fahnenkult nicht so ausgeprägt ist wie beim "Sternenbanner"; in den Staaten gibt es scheinbar keine Häuserecke, welche nicht mit einem "United We Stand" zugekleistert ist... Opium fürs Volk, hätte ich fast gesagt, staatlich vermarktete Pathetik und Ergriffenheit.
Oder vielleicht etwas Gelassenheit fuer die geschichtsgeschaedigten Deutschen, die in jede Flagge gleich sonstwiewas reininterpretieren?
Wieso versuchst du mich als "Deutschen" hinzustellen? Du interpretierst in den Zufall, dass ich in der Bundesrepublik Deutschland geboren und aufgewachsen bin hinein, dass ich aufgrund etwas, was lange vor meiner Zeit auf dem jetzt durch den Staat BRD umschlossenen Raum passiertem, "geschichtsgeschädigt" bin. Meine Abscheu gegenüber nationalen Ideen lässt sich sicher nicht nur durch den entarteten Nationalismus des zweiten und dritten "Deutschen Reiches" erklären, aber sicherlich sind diese Beispiele perfekt, jedoch will ich sie nicht als "Warnung" anführen und ein viertes (tausendjähriges *fg*) Reich herbeireden. Der Punkt ist, dass die Mechanismen heute wie damals dieselben sind.
Schon mal in Schweden gewesen? Da haengt auch vor fast jedem Haus die schwedische Flagge. Daenemark ist glaube ich aehnlich. In Grossbritannien findest Du zwar auch den Union Jack, aber fast noch viel haeufiger inzwischen die Englische, Schottische und Walisische Flagge.
Und ich muss sagen, ich finde das schoen.
Wenn sie nicht eine symbolische Wirkung hätte fände ich sie auch schön, die schwedische Flagge gefällt mir zum Beispiel farblich sehr gut. :)
Ich finde Nationalstolz in Maszen OK und vernuenftig.
Ich finde Nationalstolz beziehungsweise Patriotismus albern[tm], insofern denke ich nicht, dass wir dahingehend zu einer Übereinkunft kommen können - *vernünftig* ist es meiner Meinung nach schon gar nicht, eher irrational, und zwar bedient es sich ähnlicher Mittel der Ausnutzung menschlicher Bedürfnisse, welche dazu geführt haben, dass Menschen sich ahumanen Ideologien unterwarfen, indem sie der Faszination, Befriedigung und Selbstüberhöhung des "völkischen Gemeinschaftsgefühls" als vermeintlich identitäts- und sinnstiftende Werkzeug zum requirieren von Devotees (der Begriff ist m.E. stärker als "Anhänger" im Bezug auf "Unterwürfigkeit") unterlagen.
"Stolz" ist übrigens auch ein Begriff, dessen Bedeutung ich in einer Art und Weise verstehe, welche es nicht ermöglicht, dass ein Wort wie "Nationalstolz" inklusive Denotat daraus hervorgehen kann.
Das Problem ist dass sich die "falschen" Leute diese Symbole unter den Nagel gerissen haben. Warum entreisst ihnen die keiner?
Die Bedeutung und Symbolik von Flaggen von Nationalstaaten lassen sich nicht "dekonstruieren", da sie für alles stehen, was im Namen des repräsentierten Staates (oder Institution, Ideologie, "Bewegung" oder schlichtweg alles was ein Logo oder Symbol trägt) passiert ist. Wer zum Beispiel ein Kreuz um den Hals trägt, muss sich zu den Verbrechen des Christentums genauso äußerst wie zu der reaktionären Moral der Bibel, auch wenn er/sie eine völlig andere Bedeutung in das Kreuz legt und womöglich einen völlig anderen Glauben praktiziert, als von den Religionsinsitutionen diktiert wird; der selbe Fall tritt ein, wenn man sich als "Christ" bezeichnet. Im Grunde lässt sich das beliebig übertraen, aus welchen Gründen macht es einen Unterschied, wenn man sich "Deutscher" o.ä. nennt?
Zweifellos ist der fragliche und entscheidende Punkt, was derjenige darunter versteht, denn "deutsch sein" kann Unterschiedliches bedeuten, aber um eine regionale, "authentische" Kulturgemeinschaft zu kennzeichnen (welche neben anderen in dem jeweiligen Land - im Sinne von geographischen Bereich, nicht Herrschaftsbereich - existiert) und sich als Angehöriger dieser (fiktiven) Gemeinschaft zu bezeichnen, taugt diese Bezeichnung absolut nicht. In diesem Fall würde ich behaupten, dass, falls es eine "Deutsche Kultur" gibt, diese eher ein Konstrukt der durch Herrschaft gelenkten vereinten beziehungsweise vereinheitlichten kulturellen Entwicklung ist. Historisch gesehen ist eine "nationale Identität" nicht vergleichbar oder vereinbar mit einer kulturellen Identität, welche sich naturgemäß unabhängig von herrschaftlichen Einfluss entwickeln sollte und dies auch in unzähligen Fällen hat.
In diesem Thread wurde schon mehrfach gesagt, dass Sprache als "kulturelles Gut" (unpassendes Wort, weil es mehr oder weniger impliziert, dass Kultur ein Besitz, Eigentum oder eine Ware ist, aber das ist auch bei dem Begriff "Kulturschatz" nicht gemeint, mag ich behaupten) ebenso wenig gemein hat mit nationalstaatlichen Gebilden, ein Staat hat kein "Volk" im Sinne von einer Ethnie, genauso weder eine Einheitskultur noch eine homogene Sprachgemeinschaft. Immer wenn es so etwas gab, dann muss es ein künstliches Staatsgebilde gewesen sein, welches willkürlich Menschen zu Angehörigen eines "Volkes" macht und andere ausschließt, unabhängig davon, ob sie eine kulturelle oder sprachliche Gemeinschaft bilden.
Ansonsten stimme ich dir vollkommen zu, dass man ideologisch in Besitz genommene Sprache (der Faschismus tendierte beispielsweise sehr stark dazu, die deutsche Sprache semantisch in Besitz zu nehmen, denn Sprache heißt Herrschaft, wie auch 1984 mit "Newspeak" zeigt) wieder zurückerobert, indem man sie mit gegenteiliger Bedeutung versieht. Du kannst dir vorstellen, wie ich "national befreite Zonen" oder "rassische Durchmischung" (um-)deute... ;)
Die Diskussion findet aber gar nicht erst statt, zumindest nicht in Deutschland, soweit ich das mitbekommen habe. Hier in England laeuft diese Diskussion seit einiger Zeit, insbesondere seit die Schotten und Waliser ihre Identitaet verstaerkt entdeckt haben.
Das finde ich sehr begrüßenswert, wirklich, ohne Ironie. Aber was hat das (Wieder-)Erkennen der eigenen kulturellen Identität mit Patriotismus beziehungsweise Nationalstolz zu tun? Geht es denn in erster Linie um Abgrenzung?
Grüße,
Mathias
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