Hallo Sven,
Ginge es den Amerikanern ums Öl - nichts wäre leichter, als dem Irak den Verkauf der Ölproduktion frei zu gestatten. Der Weltmarktpreis für Öl würde sofort fallen, sicherlich eher 10 statt 20 Dollar pro Barrel, und nicht wie jetzt 30 Dollar - mit der ernsthaften Gefahr, bei einem Krieg auch auf 100 Dollar pro Barrel ansteigen zu können.
ein etwas höherer Ölpreis ist doch für die Ölindustrie zunächst nicht
nachteilig, auch US-Binnenmarkt und Aussenhandelsbilanz hätten nicht
nur Nachteile, zumal die Referenz der Dollar ist, die Amerikaner haben
ja auch auf den Wert der Referenzwährung Einfluss.
Den Amis geht es bestimmt nicht um's Öl - das wäre im Falle des Falles ein Nebenprodukt, das als kleiner Bonus mit abfällt, sofern die irakischen Ölfelder überhaupt noch irgendwie stehen. Ich befürchte, es wird, genau wie beim Kuwait-Krieg, ziemlich wenig nutzbares auf den Ölfeldern stehenbleiben. Die Taktik der verbrannten Erde dürfte von Saddam mit Sicherheit eingeplant worden sein.
Das Öl ist ein nicht unwichtiger Teil der Geschichte, vielleicht auch
der ganze Enegie und Rohstoffmarkt, auch Kernkraft. Und verbrannte Erde
ist kein oder nur wenig verbranntes Öl, da lässt sich doch wohl neu bohren.
Amerika will Sicherheit. Sicherheit vor gefährlichen Anschlägen. Sicherheit vor gefährlichen Waffen. Darum geht es.
Darum geht es beim Irak doch wohl wie bei Afghanistan nur bedingt.
Es geht um langfristigen Machtaufbau und Erhalt, und da ist die Mischung
"Terrorismus" und "Menschenrechte" auch passend instrumentalisierbar.
Schliesslich kann auch Einfluss genommen werden wer welche Kernkraftwerke
betreibt, man könnte ja waffenfähiges Material herstellen usw., also
die Kontrolle über erhebliche Teile der Energierzeugung.
Ach ja: Wenn die Irak-Sache dann vorbei ist, kommt mit Sicherheit Nordkorea ins Fadenkreuz. Mit denen wird derzeit nur deshalb geredet, weil ein Zweifrontenkrieg sicher etwas ist, von dem die Militärs dringend abgeraten haben. Schlechte Erfahrungen beim Unterschätzen von militärischen Gegnern haben die USA seit dem zweiten Weltkrieg ja schließlich genug gesammelt.
Es dürfte langfristig Richtung China gehen, und da geht es irgendwann um
Patente, ob Software oder Saatgut oder Gene usw., und wenn dann z.B.
irgendein genverändertes Hochleistungsgetreide weltweit von den
Versuchsfeldern ausbüchst und sich einkreuzt, können weltweit Lizenzen
gefordert werden, ganz abgesehen von sonstigen eigentlich nach unserem
Recht nicht schutzwürdigen Dingen.
Grüsse
Cyx23