molily: Wie biete ich einen Download einer Datei an

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Hallo,

(...) Ein einfacher Link lässt dem Nutzer alle Möglichkeiten, frei zu entscheiden, wie er mit dem Download umgehen möchte.

Eine wirklich freie Entscheidung setzt voraus, dass alle Möglichkeiten bekannt sind und als echte, gangbare Optionen als Alternativen offen stehen, dass eine vollkommene Klarkeit und Kontrolle herrscht.

Natürlich kann ein Nutzer nur zwischen den Möglichkeiten wählen, die ihm bekannt sind. Je mehr Möglichkeiten sich ihm offenbaren, desto größer ist die Auswahl. Dieser Zustand ist zu begrüßen!

Darunter, dass sich ihm die Möglichkeiten offenbaren, würde ich verstehen, dass sie ihm bekannt (gemacht) werden. Dazu ist mehr nötig, als einfach einen einfachen Link zu verwenden und zu hoffen, dass der Benutzer durch Zufall darauf stößt. Und ja, die sonst so verschmähten Hilfestellungen à la »Möglicherweise wird das PDF-Dokument direkt in ihrem Browser geöffnet. Falls sie es auf ihre Festplatte speichern möchten, können sie diesunddies und dasunddas tun...« bzw. noch konkreter die altbekannte und sicher kritikwürdige Anweisung »Bitte klicken Sie mit der rechten Maustaste auf den Link und wählen sie 'Link speichern unter', falls Sie...« *können* dazu beitragen, dass sich die Benutzer dieser Möglichkeiten bewusst werden.

(...) Bereits die ArgumentationsFORM ist problematisch. Wenn man die Platzhalter füllt, notwendigerweise das Argument.

Es gibt zwei Überzeugungen, die zueinander im Widerspruch stehen:

Es geht wie gesagt um reale Begebenheiten, die sich entsprechend untersuchen lassen, nicht um Überzeugungen. Usability versteht sich zurecht als empirische Wissenschaft. Ob jemand an die Mündigkeit der User, das Gute im Menschen oder an den lieben Gott glaubt (verzeih mir den Sarkasmus) oder nicht, ist ziemlich irrelevant.

  1. Der Nutzer ist dumm. Ich muss ihn an die Hand nehmen und ihm Einstellungen vorgeben, die für ihn gut sind, da er sie selber nicht vornehmen kann.

  2. Der Nutzer ist mündig. Ich gehe davon aus, dass er in der Lage ist, eine für ihn optimale Arbeitsumgebung einzurichten, die er ausreichend gut bedienen kann.

Ich stehe schon seit langem für die zweite Überzeugung ein.

Beide Standpunkte werden als solche meist nicht begründet, sondern als unzweifelhaft wahre Prämissen vorausgesetzt. Man vertritt die eine oder die andere Ansicht und baut von da aus die Argumentation auf. Der Rest ist Formsache.
Der Punkt, der mich stört, ist ganz einfach das ständige Argumentieren auf der Basis des Glaubens und der Überzeugungen bzw. Prinzipien. Ich will mich nicht davon freisprechen (ich hatte auch nicht vor, in die eine oder andere Richtung zu argumentieren), aber es ist nun einmal keine vernünftige Diskussionsweise, solche Fragen wie Glaubensfragen zu behandeln und für »Überzeugungen einzustehen«, die mehr Idealvorstellungen als Resultate einer Wirklichkeitsbeobachtung sind. Man wird sich auf diesem Wege nie darüber vernünftig verständigen können (was nicht schlimm ist, wenn man es wirklich so auffasst, dass man jedem eine eigene Überzeugung zugesteht, ohne gesicherte Erkenntnis zu suchen... dann kocht man nur ewig im eigenen Saft).

Mathias