Hi Ludger Keitlinghaus,
ich kann mich aber noch ganz gut an den Vorwurf des "Staatmords" erinnern, als sich die inhaftierten Sportsfreunde abgemurkst haben. Dann dessen permanente linksextreme propagandistische Systemkritik.
Direkt nach dem Tod der RAF-Häftlinge war ich als Student auf einer Informationsveranstaltung mit Otto Schily in der Ruhr-Universität Bochum. Dort hatten einige Spontis die Waffen nach Angaben der Bildzeitung nachgebaut und versuchten nun vor dem großen Publikum zu beweisen, dass man sich nicht auf die angegebene Weise erschießen könne, dass es sich also um Mord handele. Schily ließ sie ruhig gewähren und stellte dann die falschen Angaben der Bildzeitung richtig...
Schily war nie ein Gewaltbefürworter, er kommt aus der anthroposophischen Ecke, und hat die offenen Fragen in seiner betont nüchternen Art dargestellt.
Dass Hr.Schily aus Opportunitaet darauf verzichtet hat sich strafbar zu machen glaube ich gerne, seine politischen Ansichten seinerzeits allerdings waren verfassungsfeindlich.
Ach wo, die Hysterie der Behörden war de facto verfassungsfeindlich, ich weiß nicht, wie alt Du bist, aber ich habe in der RAF-Zeit einige stinknormale Verkehrskontrollen über mich ergehen lassen müssen, vor mir ein nervöses Jüngelchen in Grün mit der MP im Anschlag. Viele Politiker haben in der Rückblende ihr damaliges Verhalten kritisch analysiert. Die Panik damals und das schlechte Gewissen waren einfach ein schlechter Ratgeber.
Natürlich hat Otto Schily sich gewandelt und ich amüsiere mich regelmäßig, wenn es der bayrische Innenminister nicht schafft, ihn rechts zu überholen und vor Aufregung ganz rot wird. Aber das ist ja ein allgemein amüsanter Aspekt der Politik, dass die CSU und einige konservative CDU-Politiker die Hartz-Reformen von links kritisieren, Frau Merkel die CSU rechts zu überholen versucht, und die FDP gar nicht mehr weiß, was sie noch fordern sollen, da alle ihre Politik machen, die sie nun wiederum selbst in den langen Jahren Kohl-Koalition eben nicht durchgesetzt hat, sondern jede Neuverschuldung und die Milliardensubventionen abgenickt hat. Halt ein Laden ohne Rückgrat, halten zu Gnaden.
Der Anwalt mit Sympathien für die RAF war Herr Mahler, heute rechtsradikal, für dessen REHA sich unter anderem ein Herr Schröder eingesetzt hat, was ihm heute auch wieder Leid tun dürfte. Der Student, der das mit der selbstgebastelten Knarre vorgeführt hat, und damit den Mord als eriwesen ansah, wurde später Funktionär der Grünen, während der im klassischen Sinne liberale Schily zum Law-and-Order-Sozialdemokraten mutierte.
Die Wege der Verquickung!
Viele Grüße
Mathias Bigge