Hallo, Richard!
Hallo Raik,
und da dich das vermutlich alles nicht überzeugt, beantworte mir doch mal eine frage: wie willst du den widerspruch zwischen (im durchschnitt) linear wachsendem bruttosozialprodukt und exponentiell wachsenden zinsen auflösen?
Wo liegt da ein Widerspruch? Zwischen diesen beiden Grössen gibt es doch gar keinen Zusammenhang. Das Bruttosozialprodukt könnte doch auch exponentiell steigen ...
ja, es ist auch nicht auszuschliessen, das wasser mal bergauf fliesst. ;-)
wobei dazu aber auch rohstoffverbrauch, kaufkraft und konsum exponentiell anwachsen müssten.
... und die Zinslast linear sinken.
klar. wenn du die kapitalbesitzer überzeugst, wirklich grosse teile ihres kapitals auszugeben, anstatt es zu verleihen. ansonsten wird dir jeder mathematiker oder bankangestellte bestätigen können, das durch den zinseszins kapital exponentiell wächst.
Ich sehe aber schon worauf du hinaus willst. Dir geht es darum, dass die Schulden und damit die Zinsen im Verhältnis zum Bruttosozialprodukt überproportional wachsen.
allein das scheinen hier einige schon nicht wahrhaben zu wollen. und ebensowenig, wohin das in letzter konsequenz führen würde.
Das ist kein Widerspruch, sondern einfach eine Feststellung. Du projizierst nun die Entwicklung der vergangenen Jahre einfach in die Zukunft und siehst deshalb die Apokalypse auf uns zukommen.
und welche anzeichen siehst du dafür, dass sich diese entwicklung ändern wird?
Was eigentlich passiert denn, wenn der Staat weder Zinsen zahlen, noch Schulden tilgen kann? Der geht im Prinzip Pleite, beim Staat heisst das etwas vornehmer, aber in jedem Fall verlieren die Kapitalgeber ihr Geld. Das müsste doch ganz in deinem Sinne sein.
nein, ist es nicht. zwar würden damit die grosskapitalanleger (theoretisch !!) ihr ohne arbeit auf kosten der arbeitenden angehäuftes kapital verlieren, aber ich halte es grundsätzlich für katastrophal, dass die werte, die sich jemand durch seiner hände arbeit in seinem leben anschaffen kann, durch den zusammenbruch des währungssystems vernichtet werden, und ich finde, das ist grund genug, um mögliche, andere nachteile eines umlaufgesicherten, spekulationsfreien, aber wertstabilen währungssystems erst mal in der praxis zu überprüfen und notfalls auch als das kleinere übel in kauf zu nehmen. wie gesagt, es hat sowas in der geschichte schon gegeben und es hat funktioniert.
Zum Glück ist Deutschland aber noch weit von diesem Punkt entfernt.
da die einzelnen auswirkungen sich gegenseitig immer weiter verstärken (zinslast steigt -> höherer druck auf löhne -> verringerung der kaufkraft -> weniger umsatz + firmenpleiten -> zinslast für die übrigen steigt -> ... ; staatsverschuldung steigt -> weniger finanzieller handlungsspielraum -> weniger staatl. investitionen/aufträge -> weniger steuereinnahmen -> staatsverschuldung steigt), beschleunigen sich die prozesse immer stärker und das "ende" wird für die meisten relativ kurzfristig erst sichbar werden und überraschend kommen.
deshalb kann ich deine hoffnung nicht teilen. ausserdem möchte ich auch für meine kinder noch eine welt haben, in der man nicht durch solche vorgänge um seine erbrachten leistungen beschissen wird und deshalb finde ich diese meinung "mich triffts ja noch nicht" abstossend.
Die eigentlich Leidtragenden wären selbstverständlich nicht die Reichen.
ja, denn die werden rechtzeitig von bank- und aktienvermögen auf wertbeständigere dinge umsteigen, wie boden, imobilien u.s.w. (was den zusammenbruch wegen des plötzlichen überangebotes an geld noch beschleunigen wird), wärend der "kleine mann" für seine ersparnisse keine werterhaltende anlage findet.
freundl. Grüsse aus Berlin, Raik