Hi Stefan,
Jede Kultur hat halt ihre Grenzen und wenn man diese _absichtlich_ (und das war der ganze Zweck dieser Übung) bricht, sollte man sich nicht wundern.
Du gehst in diesem Satz davon aus, dass es so etwas wie eine muslimische Kultur gibt mit festen Grenzen, die man zu respektieren habe, auch in weit von islamisch geprägten Ländern entfernten Teilen der Welt, auch in Postillen, die keiner liest.
Eine Grenze scheint dabei zu sein, dass man über Mohammed, den Propheten, keine Witze machen darf. Nun dürften dieses dänische Blättchen und die eher harmlosen Karikaturen niemanden interessieren, wenn es nicht so schön dazu geeignet wäre, eine mächtige verlogene Aufregung zu produzieren und eine Bühne für allerlei Wichtigtuerei und internationales Interesse zu gewinnen und sich und die sensiblen Gefühle
Da demonstrieren erregte Iraner in Teheran, nachdem sie zufällig zu Hause durch das dänische Blatt in ihren sensiblen religiösen Gefühlen verletzt worden waren. Verständlich. Teheran ist ja schon länger ein Ort, wo jeder frei Demonstrationen organisieren und seine Gefühle darstellen kann. Sicher hat da jeder Teilnehmer an der Demonstration individuell und verantwortlich entschieden, auf die Straße zu gehen...
Nochmal: wenn man _weiß_, dass Moslems in diesem Punkt verletzlich ist, warum macht man es dann trotzdem mit dem Ziel das aus ihnen heraus zu kitzeln?
Dein ganzes Konstrukt stimmt nicht, es geht um Politik, alte und neue Lügen und kein Wort von dem ganzen Gefühlsgerede ist wahr. Einige radikale Gruppen nutzen eine Gelegenheit, sich vor den Kameras des verhassten Westens in Szene zu setzen, viele westliche Journalisten nutzen die Gelegenheit, sich als Verfechter der freien Meinungsäußerung in Szene zu setzen.
Übrigens bist Du dem Stürmer-Beispiel aus dem Weg gegangen. Nichts anderes ist hier passiert.
Kennst Du die rech harmlosen Karikaturen? Der Vergleich mit dem Stürmer ist unangemessen.
"Karrikaturen" im Stern & Co.
Es ist richtig, seit vielen Jahren erscheinen in diversen westlichen Blättern entsprechende Karikaturen und produzieren ein bestimmtes Bild, womit der Unsinn von _den_ Muslimen verbreitet wird.
Wie hältst Du es aber mit wirklicher Kritik, die gezielt und treffend die Borniertheit und Bestechlichkeit eines bestimmten "islamischen" Machthabers aufs Korn nimmt? Müsste man das nicht auch mit Rücksicht auf zarte Gefühle unterlassen? Nimm den Iran, da hast Du ein wunderschönes Beispiel, wie sensibel die dortigen Machthaber mit Kritik und Kritikern umgehen.
Und darüber, ob die moslemischen Länder gegenüber den "westlichen" aggressiv auftreten oder doch eher umgekehrt, beantwortet Dir die Antwort auf die Frage, in welchen Länder gerade fremde Truppen stehen und wieviele Einheimische beim Versuch sich an die natürlichen Ressourcen dieser Länder ranzumachen abgeschlachtet und in Foltergefängnissen auf der ganzen Welt verschleppt wurden.
Ja, schön. Allerdings hat der friedliche Irak, für den die Bezeichnung "muslimisches Land" den ganzen Unsinn dieser Vereinheitlichung überdeutlich macht, einige blutige Kriege geführt, etwa gegen die "Glaubensbrüder" im Iran, mit rückhaltloser Brutalität. Wenn da mal keine Gefühle verletzt wurden!
Und auch der herrliche Iran geht mit seinen muslimischen Kritikern auf eine recht mörderische Art und Weise um. Findest Du nicht?
Mißverständnisse bezüglich der Funktionsweise einer Demokratie
Erklär die Leute nicht für blöder als sie sind. Wer eine Diktatur betreibt, weiß häufig recht gut, wie es in Demokratien zugeht, weil es ihn nervös macht.
die Menschen "dort"
Da liegt vielleicht ein Kern des Missverständnissen: Eine Demonstration in Teheran ist eine Propagandaveranstaltung der Regierung, kein naiver und gutwilliger Gläubiger hätte je eine dänische ZEitung in die Hand genommen oder sonst irgendwie diese Karikaturen wahrgenommen.
Nix für ungut, antworte ruhig, ich werde heute keine Zeit mehr haben darauf zu reagieren.
"Nach Diktat verreist..." ;-)
Viele Grüße
Mathias Bigge