Hallo Matthias
Ich will es einmal an einem unschuldigen Beispiel erklären:
Ok jetzt habe ich besser verstanden worauf du hinaus willst, die Möglichkeit wohlbekannte Muster heranziehen zu können ist natürlich essentiell beim Erlernen einer neuen Sprache. Das weiß ich selbst zu genau!
Allerdings kommt hier das Unvermögen der Eltern ins Spiel diese komplexeren Muster zu vermitteln (die sie vielleicht selbst nicht beherrschen), das ist aber ein Problem, dass man generell bei Kindern aus der Arbeiterklasse oder ländlichen Gebieten findet.
Ich denke einen Weg den man in Erwägung ziehen sollte, ist in Migrantenhochburgen eine Quote für Lehrer und Erzieher ausländischer Herkunft einzuführen. Was den Kindern fehlt sind nunmal auch gebildetet Vorbilder an denen sie sich orientieren können.
Das Migrantenkinder westliche Vorbilder suchen, meine ich schon daran zu erkennen, um wieviel intensiver TV-Klischees kopiert werden. (So paradox es klingt, ein gutes Stück Amerikanisierung in D wird gerde von ihnen transportiert.)
Da ist was dran, alleridngs stellt sich trotzdem die Frage, wieso es in Marocko möglich sein kann Schüler auszubilden die besser Französich sprechen, als es hier in D mit deutsch gelingt!
Du streust häufig Bemerkungen ein, auf die man nur mit längeren Ausführungen antworten kann. Marokko ist ein Land mit einem Vielvölkergemisch und einer kolonialen Vergangenheit...
Ich kenne die Situation in Marokko und du hast in allem Recht, man könnte noch hinzufügen das Französisch für die Berbervölker auch der kulturellen Emanzipation gegenüber den "Arabern" dient, insbesondere weil die Kolonialmächte die Kultur der Minderheiten zwecks Machterhalt bewusst gefördert haben.[*]
ABER ... m.E. muss das dann noch stärker in D gelten, das Selbstbewusstsein mit dem Französisch
in der Francophonie gefördert wird, sollte bei uns mit Deutsch selbstverständlich sein, und ich meine das nicht chauvinistisch.
Dass ich solche Leute kenne? Doch, doch! Aber ich werde gerne nochmal nachfragen...
Ich untersuche das schon seit längerem. Wenn Du das feststellen willst, brauchst Du auf jeden Fall Hilfe. Es ist nämlich gar nicht so leicht festzustellen, wie gut jemand Türkisch kann und wie er Deutsch und seine Muttersprache gelernt hat.
Ich guter Freund ist perfekt zweisprachig, weil er auch nach einigen Jahren aus Istambul zurückgekommen ist, während seine Familie eine Rückwanderung vollzogen hat. Seines Erachtens sind die meisten türkischen Kinder hier auch funktionale Heiden (er ist bewusst Atheist), sie kennen noch nicht mal die Basics des Islam, die Selbstbezeichnung "Moslem" ist da mehr eine identitätsstiftende.
Und um den Bogen zu schließen...
In diesem Indentitätsvakuum _können_ dann natürlich auch radikale Ansichten blühen. (ich kenne [und meide] selbst einen Angry-Young-Man, der jede Misere auf seine Diskriminierung durch die Gesellschaft zurückführen möchte)
M.E. ist es deswegen ein Versäumnis der Gesellschaft alternative keine "neudeutsche" Identität zu propagieren, erfolgreiche Beispiele gibt es ja genug.
Aber mit solchen Bestrebungen gerät man unter doppelten Beschuss, für die Linke ist das zu national oder gar chauvinistisch gedacht (Schlagwort "Multikulti"), für die Rechte die "Deklassierung" Deutschlands zum Einwanderungsland (Schlagwort "Gastarbeiter").
tschö
LanX
[*] Weiteres Beispiel für Teile und Herrsche: die flämische Fraktion in Belgien wurde damals entscheidend durch die deutsche Besatzungsmacht im 1. WK gefördert.