Robert Bienert: Geht es dem Standort Deutschland bald wieder besser?

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Moin!

Je mehr ich dieses neoliberale (nebenbei: schöner Widerspruch in sich, der neue Liberalismus ist mittlerweile schon recht alt) Gewäsch anhöre,  desto übler geht es mir. Diese Wirtschaftsrichtung hat schon 1928 gezeigt, dass sie nicht funktioniert.

sie hat es damit fuer alle Zeiten bewiesen: Marktwirtschaft ohne Attribut fuehrt absolut zwingend in den Ruin! ;-)

Streng logisch genommen war es ja nur ein Beispiel des Scheiterns und Beispiele sind keine Beweise, aber die Tendenz zum Scheitern ist doch immer wieder erkennbar, z.B. das Platzen der .com-Blase vor ein paar Jahren.

[…] Während der großen Koalition 1966-1969 wurde expansive Wirtschaftspolitk betrieben, mit dem Resultat, dass es wieder bergauf ging.

Die erste grosse Koalition war in der Tat recht erfolgreich.

Im Endeffekt kann man sogar „den Notstandsgesetzen danken“, da durch die Revoluzzer der 68er unsere Gesellschaft heute liberaler und zwischenzeitlich (in der Vor-Christiansen-Ära) sogar aufgeklärter (im Kantschen Sinne) daherkommt.

(Allerdings darf das erst seit einigen Monaten oeffentlich behauptet werden. ;-)

Alles andere wäre Verrat am kleinen Koalitionspartner gewesen? Das erklärt, weshalb die große Koalition in einem Geschichtsbuch als halbwegs erfolgreich dargestellt wurde: Das Buch war weder parteiisch noch parteilich.

Und diese tolle Angebots-orientierte WiPo von Herrn Sinn und Konsorten (gebt den Unternehmen Geld, damit sie Angebot schaffen können, denn jedes Angebot schafft sich seine Nachfrage) tritt den Beweis ihres Nicht-Funktionierens in Deutschland seit 1982 an.

Also, 1982 kam der Dicke dran, der hat aber immer soziale Marktwirtschaft betrieben, manche meinen sogar schon, dass der Dicke an unseren heutigen Problemen ein wenig (Mit)schuld traegt.

Naja, wenn man sich einmal seine Reformen der Sozialsysteme, Krankenkassen und Unternehmensbesteuerung anschaut, das geht schon in diese Richtung. Allerdings hat diese Regierung auch einiges an Geld in die Marktwirtschaft gepumpt, was schon expansiv ausgerichtet. Alleine die deutsche Einheit war ein riesiges Konjunkturprogramm und ist es teilweise heute noch. Aus dieser Zeit stammen ja unsere enormen Staatsschulden, die in einer Erwartung gemacht worden sind, die sich dann leider nicht erfüllt hat, was IMHO an handwerklichen Fehlern lag, z.B. der Treuhand.

Wenn man sich einmal überlegt und anschaut, mit welchen „Reformen“ in den letzten 20-25 Jahren Deutschland in seine Wirtschaft eingegriffen hat, bzw. eigentlich genau nicht eingegriffen, dann muss ich eindeutig sagen, dass die Angebots-orientierte WiPo gescheitert ist und es Zeit für ein neues Modell ist (keine Ahnung, welches, vielleicht gibt es ja ein paar innovative VWLer),

Planwirtschaft kommt, glaube ich, nicht in Frage,

Naja, eine geplante Wirtschaft haben wir ja auch in Markt-orientierten Wirtschaftssystemen, da kein Unternehmer auf Teufel komm raus ins Blaue produziert. Aber sonst hast du natürlich Recht, dass die Planwirtschaft gezeigt hat, dass sie zumindest mittelfristig gescheitert ist und damit unklar ist, ob sie langfristig Erfolg gehabt hätte.

und sonst gibts da nicht viel.

Wie wärs mit Back to the roots, jeder baut das für sich an, was er braucht, den Rest tauscht er mit seinen Nachbarn, zur Großwildjagd wird eine Jointventure gegründet. Dieses Wirtschaftssystem hat immerhin Jahrtausende funktioniert.

Anarchistische Ideen schliesst Du wahrscheinlich auch eher aus, oder?

Eine Anarchie ist – wie die meisten Ideen zur Wirtschaft oder wahlweise zur Gesellschaft – nur mit einem Haufen vernünftiger Menschen möglich. Da aber die meisten Mensch von Natur aus unvernünftig sind, wird keine dieser Ideen in Reinform funktionieren. (Smith hingegen sagt, dass man nur so schlau wie eine Ratte sein bräuchte, aber trotzdem „unterwandere“ ich das, weil ich nicht beim billigsten Bäcker kaufe, sondern bei dem mit der schönen Bäckerin.) Wenn wir das Prinzip der Anarchie auf die Marktwirtschaft übertragen, dann landen wir doch gerade dort, was Sinn und Kollegen eigentlich gerne heraufbeschwören wollen, deshalb halte ich dies nicht für eine gute Idee.

da Unternehmen, vor allem Konzerne, hier schon fast paradiesische Zustände vorfinden (z.B. keine Steuern, wenn man es geschickt anstellt).

Ueberregulierung nuetzt in der Tat den grossen Konzernen.

BTW: Es sind ja gerade diese, die sich über „die Bürokratie“ beschweren, aber im Unternehmen wird dann mit Managment-Strukturen, ERP-Systemen, … eine riesige Bürokratie aufgebaut, die den Konzern hemmt, verlangsamt und schwerfällig macht, weshalb kleine Unternehmen oder Konzerne mit flacher Verwaltungsstruktur „prozentual gesehen“ deutlicher besser am Markt auftreten.

Zudem koennen die auch "Standorterpressung" fahren nach dem Motto "Gib mir 400 Mio und ich schaff Dir 2000 Arbeitsplaetze, lieber Ministerpraesident!" (Einschraenkung: 2000 AP garantiert bis 2011 natuerlich nur)

Was ich ja weiter unten schrieb.

Einziger Knackpunkt auf dem Weg zum direkten Konkurrenten Chinas sind halt noch die Lohnnebenkosten und die Löhne. Was dabei allerdings immer gerne vergessen wird: Wir sind ein Hochlohnland und ein Hochpreisland. Ich arbeite gerne für chinesische Löhne, wenn ich auch nur chinesische Preise zahlen muss. Aber chinesische Löhne und deutsche Preise funktioniert nicht, wenn es eine Binnennachfrage geben soll.

Schon mal in China gewesen und fuer chinesische Loehne gearbeitet?   ;-)

Das Beispiel ist aus der Historie ja mit polnischen bzw. tschechischen Löhnen, aber diese Länder seit Eintritt in die EU vom Preisniveau zu uns aufschließen IMHO nicht mehr zeitgemäß.

Meine chinesische Ex-Kollegin kann da Geschichten erzaehlen…

Und vor allem die chinesische Vorstellung von Arbeitssicherheit.

Eines gebe ich allerdings zu: Die Bedingungen für Mittelständische Unternehmen und Selbstständige sind teilweise nicht rosig, was auf der Hand liegt, denn diese haben keine Lobby und können ihren Arbeitsplatz nicht einfach nach Ungarn verlegen. Wen kümmert das, ob zehntausend Friseur zumachen? - Keinen. Aber wenn VW hustet, dann kommt der Kanzler persönlich.

Die Selbststaendigen und der Mittelstand haben vor allen Dingen mit unsinnigen gesetzlichen Regelungen zu kaempfen.

So kann man das auch nennen: Meine Mutter ist selbstständig und _darf_ ihren Job nicht gewerblich ausführen, muss aber Gewerbesteuer zahlen.

Allerdings bietet die EU fuer grenznah gelegene kleiner Unternehmen durchaus Chancen.

So ein Mist, dass ich in Nordhessen wohne, da sind alle Staatsgrenzen sehr weit weg.

Neoliberalismus- und Kapitalismus- in Verbindung mit Glabaliserungskritik ist uebrigens nicht mehr so in.

Stattdessen Klappe halten und mitmachen? Ich verstehe unter Kritik eine sachliche Auseinandersetzung, die nicht zwingend negativ ausfallen muss.

Ich schlage hiermit auch einfach mal vor unsinnige Woerter wie Neoliberalismus oder Kapitalismus durch sachliche Kennzeichnungen wie Marktwirtschaft ohne Attribut und Marktwirtschaft zu ersetzen.

Äh, da ich nur ein Jahr WiWi in der Schule hatte, könntest du mir erklären, was ich darunter zu verstehen habe?

Ismen sind nicht mehr angesagt, oder?

Was ist denn dann der neue Plural von Prisma ;-)

Ach ja, und Marktwirtschaft bitte erst einmal als natuerliches Kooperationsverhalten Einzelner und von Gruppen verstehen, ist naemlich nichts Boeses, die Marktwirtschaft.

Habe ich das je behauptet? Selbst ein simples Tauschgeschäft Kuh gegen Kartoffeln basiert auf einer Form der Marktwirtschaft.

Viele Grüße,
Robert

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