Hallo Mathias,
In der Pädagogik gibt es einen uralten Gegensatz, der in der Frage zum Ausdruck kommt:
Soll ich mich möglichst am einzelnen Schüler und seinen spezifischen Interessen und Problemen orientieren oder an nationalen oder sogar internationalen Standards?
Ich sehe darin keinen Gegensatz. Die Ziele und Anforderungen sollen sich meiner Meinung nach durchaus an nationalen, gern auch internationalen Standards orientieren. Das ist kein Widerspruch dazu, Schüler individuell besonders in den Bereichen zu fördern und zu unterstützen, wo sie diese Anforderungen nicht oder nur mit großer Mühe erfüllen können.
Derzeit schlägt das Pendel, auch durch PISA und Co in Richtung auf internationale Standards.
Ja, und das finde ich gut. Leider fährt die Bundesrepublik intern gerade auf Gegenkurs, indem sie im Rahmen der Föderalismusreform in Sachen Bildung noch mehr Kompetenz an die Länder abgibt, anstatt sie ihnen zu entziehen.
Ein Beispiel für die Negativfolgen:
Wenn ich einen Schüler in der Oberstufe habe, der nicht richtig Deutsch kann, kann ich die damit verbundenen Probleme im Unterricht höchstens en passant thematisieren und bin implizit dazu angehalten so zu tun, als beherrsche er den Stoff, der für diese Stufe typisch ist. Wozu das führt, dürfte klar sein.
Das ist wahrscheinlich ein typisches "Übergangsproblem". Natürlich kann man die Anforderungen nicht von heute auf morgen umstellen und erwarten, dass Schüler höherer Klassen das neu verordnete Wissen automatisch rückwirkend intus haben. Wenn so etwas überhaupt funktionieren kann, muss die Umstellung der Anforderungen quasi als Welle durch die Schulsysteme laufen, beginnend bei den unteren Klassen, und sich dann fortpflanzen. Sonst fallen natürlich Millionen von Schülern auf die Nase, obwohl sie nichts dafür können.
Ich finde es nur insgesamt bedenklich, wenn die Grenzen innerhalb der EU auch im Hinblick auf den Arbeitsmarkt sowie Aus- und Weiterbildung immer offener werden, gleichzeitig die Bundesrepublik aber nicht mal in der Lage ist, *innerhalb* des eigenen Landes für eine halbwegs einheitliche Basisausbildung zu sorgen - wenigstens auf der Ebene der Lehr_inhalte_.
Schönes Wochenende noch,
Martin
Der Stress von heute ist die gute alte Zeit von morgen.