O'Brien: Schriftsprachlichkeit

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Hi Mathias,

in Deinem Posting überzeugst Du Dich quasi selbst davon, dass ein Unterricht ohne Berücksichtigung der Schüler gar nicht beurteilbar ist.

ja, darin bin ich gut, mich selbst vom Gegenteil zu überzeugen ;)

Heinrich von Kleist gibt quasi das wieder, was ich oftmals dann nutze, wenn ich bei einem Problem nicht weiterkomme, und es entspricht ebenfalls dem Hinweis, dass man oft des Problems Lösung schon dann findet, wenn man es nur erst einmal umfasend beschreibt.

Interessante These. Bei der Bewertung von Unterricht ist aber ein zentrales Kriterium der Kontakt zu den Schülern.
Scheint etwa dran zu sein, oder?

Ja. Aber ich will jetzt trotzig sein und auf meiner ursprünglichen Meinung beharren *mit dem Fuß auf den Boden stampf*

Zudem ist der Vortrag ein weitgehend untypisches Beispiel für Schuluntericht.

Das war nicht immer so, ich kann mich jedenfalls an sehr viel Frontalunterricht erinnern.

Trotzdem kann mMn jemand einen _prinzipiell_ gut gestalteten Unterricht machen, ohne optimal auf den Einzelnen eingehen zu können.
Stell Dir vor, Du müsstest einen Referendar beurteilen, der eine Stunde in Deiner Klasse hält. Nun hätte der sich einen spannenden Text von Stephan King ausgesucht und eine tolle, lebendige Aktion dazu überlegt. Leider war der Text aber zu schwer und die Schüler haben quasi nichts verstanden. Wie würdest Du die Stunde bewerten?

Kommt drauf an. Kannte der Referendar die Klasse vorher? Falls ja, sollte er sich an das Niveau der Schüler anpassen und sie da abholen, wo sie gerade sind.

Kann man vielleicht unterscheiden zwischen dem "Gespür" dafür, ob man bei der Klasse "ankommt", also verstanden wird einerseits und dem Gespür für die ganz spezifischen Probleme des einzelnen Individuums (ist "einzelnen Individuums" eigentlich ein Pleonasmus?)? Das würde meinem ursprünglichen Gedanken noch am nächsten kommen.

Wenn ich so an meine Schulzeit zurückdenke, dann habe ich wohl fast ausschließlich Lehrer gehabt, die keinen guten Unterricht gehalten haben
Möglich. Aber ist Dir klar, dass Du damit auch Deinen eigenen Wissens- und Ausbildungsstand bewertest?

Nein, das tue ich nicht. Ich habe nur die guten und engagierten Lehrer (die hauptsächlich in der Grundschule anzutreffen waren) verdrängt, die anderen sind im Gedächtnis einfach zu übermächtig.

Außerdem halte ich es für unzulässig, den individuellen Wissens- und Ausbildungsstand in eine direkte Abhängigkeit zur Qualität des Lehrpersonals zu bringen. Auch in der Schulzeit habe ich mir vieles (z.T. in "Nachhilfestunden" mit befreundeten, im jeweiligen Fach besseren Schulfreunden) durch eigenen Einsatz angeeignet. Im Studium war das nicht viel anders, da gab es, wie du ja bereits angedeutet hast, auch so einige Profs, die ohne Rücksicht auf Verluste "vorgelesen" haben.

Wie kann bitte eine Vorlesung interessant sein (außer für den Prof), die völlig an den Studis vorbei gehalten wird?
Eben!

Heyhey, das war aber doch deine Aussage:

Nehmen wir ein extremes Beispiel, das ich für untypisch für Unterrichtssituationen halte: Eine interessante Vorlesung. Selbst da wäre der Wert doch zweifelhaft, wenn vollständig an den Zuhörern vorbeigepredigt würde, [...]

Oder sollte ich dich da missverstanden haben?

Wenn keiner versteht, was ich vortrage, halte ich keinen guten Unterricht bzw. habe mich schlecht vorbereitet.
Dann sind wir am Ende doch einer Meinung.

Wie immer ... :)

Zu Deiner Bemerkung über Frühpensionierung: Man kann sich aus jedem Beruf heraus frühpensionieren/verrenten lassen, wenn man bereit ist, die entsprechenden Einschränkungen bei der Rente/Pension hinzunehmen. Dazu gehört meist schon eine gehöriges Maß an beruflicher Belastung, denn die Abschläge sind ja nicht ohne.

Der Hinweis "nicht zu verallgemeinern" bezog sich darauf, dass man nicht alle Lehrer über einen Kamm scheren soll, nicht auf einen Vergleich mit anderen Berufsgruppen. AFAIK ist es aber doch so, dass gerade im Lehrberuf die Anzahl der Frühpensionierungen sehr hoch ist.

Schönen Sonntag noch!
O'Brien

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Frank und Buster: "Heya, wir sind hier um zu helfen!"