Moin!
Häufig wird der Begriff Terror nur im Zusammenhang mit politisch motivierten Gewalttaten gebraucht; ich finde aber, diese Sichtweise ist schon zu speziell. Für mich ist auch jemand ein Terrorist, der ein Kaufhaus mit Waffengewalt beherrscht, alle zufälligen Kunden als Geiseln hält und droht, sie alle umzubringen, wenn er nicht freies Geleit und fünf Millionen in bar bekommt. Bewusst eingesetzte Gewalt gegen Unbeteiligte ist für mich das kennzeichnende Merkmal.
Mit dieser Definition wird jeder normale Gewalttäter zu einem Terroristen. Und jeder terroristische Akt ohne Gewalt ist nicht terroristisch.
Und da hast du schon direkt das Problem auf dem Tisch: Wenn die Amerikaner definieren, dass der an einer Straßenkontrolle aufgefallene Einheimische ein Gewalttäter und damit ein Terrorist ist, und ihn dann ohne rechtsstaatliche Kontrollmöglichkeit nach Guantanamo bringen, dann stimmt da ganz eindeutig was nicht mit der Definition. Mit Guantanamo und den Amerikanero sowieso nicht.
Und: Wie kommt es, dass die einen sagen, der und der (zB. Stauffenberg) war ein Verräter/Terrorist, die anderen aber, es sei ein Freiheitskämpfer?
Naja, die Frage führt uns zu ethisch-moralischen Aspekten: Wann würde man Gewalt gegen einen Menschen akzeptieren oder gar gutheißen? Das ist ein heißes Thema. Und zwar umso heißer, je umstrittener die Personen sind, um die es geht.
Stauffenberg hat Hitler eine Bombe unter den Tisch gepackt und seinen sowie den Tod seiner Begleitpersonen in Kauf genommen, um seine politische Absicht der Machtübernahme durchzusetzen.
Wird eine Handlung nur dann zu einer terroristischen, wenn es gegen "die Guten" geht? Weil die jetzt mehr Angst und Schrecken haben? Das würde zumindest zur Wortbedeutung passen. Bedeutet das umgekehrt, dass eine Handlung dadurch legitimiert und mit "Freiheitskämpfer/Widerständler" geadelt wird, wenn es gegen "die Bösen" geht? Kommt's vielleicht drauf an, wer angefangen hat? Oder doch nur, wer den größeren Einfluß auf die öffentliche Meinung nehmen kann?
Und: was müsste passieren, damit ich selbst zum Terrorist würde?
Diese Frage muss jeder für sich beantworten:
- Gibt es etwas, das für mich einen so hohen Stellenwert hat, dass ich mit Gewalt dafür kämpfen würde? Diese Frage würden vermutlich viele bejahen.
- Auch dann, wenn dadurch andere, die nichts mit meiner Sache zu tun haben, zu Schaden kommen? Spätestens hier würden die meisten Menschen wahrscheinlich ihre Nicht-Eignung zum Terroristen erkennen.
Schätzungsweise würden rational denkende Terroristen, die am Anfang ihrer Aktivitäten stehen, sich diese Frage sehr genau überlegen und zu dem Schluss kommen, unschuldige Opfer mit der größten Anstrengung zu vermeiden. Aber mit dem ersten Mord sinkt dann die Hemmschwelle. Und am Ende sind die Anderen irgendwie pauschal mit Schuld, also nicht mehr unschuldiges Opfer.
- Sven Rautenberg
"Love your nation - respect the others."