Nabend,
Also wer definiert hier in Deutschland Armut, woran wird es gemessen?
Das wort "Armut" verliert -wenn es in unserem Land genannt wurd- an wichtigkeit...
Zu unterscheiden sind "absolute" und "relative" Armut.
Indikatoren der absoluten Armut nach der International Development Association (IDA):
* Pro-Kopf-Einkommen (PKE) < 150 US-$/Jahr
* Kalorienaufnahme je nach Land < 2160–2670/Tag
* Durchschnittliche Lebenserwartung < 55 Jahren
* Kindersterblichkeit > 33/1000
* Geburtenrate > 25/1000
Für die Weltbank sind Menschen "arm" (absolut), wenn sie weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag zur Verfügung haben.
Kriterium für relative Armut nach WHO und OECD:
Arm ist, wer monatlich weniger als die Hälfte des mittleren Einkommens seines Landes zur Verfügung hat. In der EU wird die relative Armut mit 60% des Einkommens-Medians definiert. Für Familien funktioniert die Berechnung etwas differenzierter: Kinder unter 15 Jahren werden mit dem Faktor 0,3 veranschlagt, Kinder über 15 mit 0,5, die Eltern mit jeweils 1. Dividiert man das Nettoeinkommen eines Haushalts nun durch die Summe der Gewichte ihrer Mitglieder, erhält man das gewichtete Pro-Kopf-Einkommen. In Deutschland liegt das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen (Netto) bei ca. 23.000 Euro.
Wenn man für "relativ" arme Kinder spenden möchte, kann man quasi jeder x-beliebigen Hartz-IV-Familie den Schein in die Hand drücken. Bei "absolut" armen Kindern sieht das per Definition anders aus. Ob und wo es in Deutschland "absolut arme" Kinder gibt, weiß ich nicht. Wenn es sie tatsächlich gibt (was ich bezweifel), dürften dafür aber nicht freiwillige Spender, sondern die verantwortlichen Ämter zuständig sein. Wenn Politiker von "Kinderarmut in Deutschland" reden, meinen sie aber in aller Regel die relative Armut.
Gruß
Gargamel