Armin G.: Zugänglichkeit im steuerfinanziertem Bereich

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Tach auch,

Im Moment zeichnet sich ja eine Renaissance der Pixelschubser ab,
Standards und Zugänglichkeit werden langsam als teilweise unnötig
bezeichnet. Der Zugänglichkeit aller Seiten für alle Benutzer, eine
Grundidee des WWW, ist nie Rechnung getragen worden und so wie es
ausschaut, wird es auch nicht mehr der Fall sein. Natürlich ist
das bei kommerziellen Seiten auch eine Frage der Ökonomie, welche
Besucher man aussperren möchte (wobei ich der Meinung bin, dass es
sehr unökonomisch ist, Besucher auszusperren), aber ich denke, wir
sind uns einig, dass staatliche und behördliche Seiten zugänglich für
alle Bürger sein müssen und deshalb besonderen Anforderungen an
Zugänglichkeit und Standarderfüllung unterliegen. Dass die Realität
hier anders ausschaut, ist allgemein bekannt, und es ist sehr fraglich,
ob die Gesetze und Richtlinien, die existieren, eine wirkliche
Verbesserung der Lage bewirken, aber das ist eine andere Geschichte.

Da ich ja von so einigen hier Haue gekriegt habe mit meiner Ansicht beziehe ich das mal zum Teil auf mich.

Ich glaube Du verwechselst hier so einige Sachen. "Optimierung" und "Pixelschubsen" so wie ich es verstehe schliessen nicht automatisch Leute aus. Was mich stoert sind Puristen die behaupten ich haette keinerlei Rechte daran wie mein Angebot dargestellt wird und haette mich gefaelligst den Benutzern anzupassen. Dazu bin ich nicht bereit.

Bedeutet dass dann automatisch dass ein Blinder meine Seiten nur unter grossen Schwierigkeiten benutzen kann? Nein, bedeutet es nicht. Wie Du selber bereits bemerkt hast sind meine Seiten durchaus relativ "Lynx-freundlich" und im grossen und ganzen wahrscheinlich recht gut mit Lynx zu benutzen. Daraus leite ich ab dass sie wahrscheinlich auch mit einem Screenreader recht gut benutzbar sind. Bedeutet das ein Blinder kann die Inhalte meiner Seiten erschliessen? Nein. Weil meine Seiten zu einem grossen Teil aus Bildern bestehen. Und die kann ein Blinder nun mal nicht sehen. Verschiedene Grafiken und Dekorationen die ich teilweise einsetze kann ein Blinder nicht sehen, also erschliessen sich ihm Stimmungen die ich damit erzeugen zu versuche nicht.

Muss jede Seite auf jedem Medium benutzbar sein? Nein, das bezweifle ich. Wie bereits mehrmals gepostet (wo aber nie jemand drauf eingeht): Muss eine Bildergalerie aus dem staedtischen Museum auf einem PDA benutzbar sein? Bezweifle ich. Muss der Bericht vom Schulfest mit Bildern der Kinder auf einem WAP-Telefon lesbar sein? Bezweifle ich. Muss die Seite mit den Notfallinformationen bei Vergiftungen auf einem WAP-Telefon gut funktionieren? Ja, halte ich fuer sinnvoll. Muss sie auf jedem Browser auf jedem System gut funktionieren? Ja, halte ich fuer extrem wichtig. Sollte eine Seite mit langen Berichten und Essays auf einem PDA oder WAP-Telefon funktionieren? Halte ich fuer relativ unsinnig. Sollte eine Seite mit Kurznachrichten oder Fussballergebnissen dort funktionieren? Ja, halte ich fuer sehr sinnvoll.

Merkst Du was? Die Seite sollte sich meiner Meinung nach an der jeweiligen "Zielgruppe" und den dem Thema angemessenen Medien anpassen.

Zu Deinem "oekonomischen" Gedankengang: In der Wirtschaft musst Du immer mit knappen Resourcen auskommen (wie eigentlich ueberall...). So, jetzt musst Du ueberlegen wie Du Deine knappen Resourcen einsetzt. Da gibt's dann so nette Ueberlegungen wie Return on Investment. Angenommen das Grundgeruest Deiner Seite steht und ist bezahlt. Sie ist im Prinzip zugaenglich. Jetzt hast Du gerade genug Budget ueber um eine von zwei Sachen zu machen: a) Die Seite so auszubauen dass 90% Deiner Besucher ein um den Faktor 100 verbessertes Erlebnis haben und im Schnitt EUR 10 bei Dir ausgeben. b) Die Seite so auszubauen dass 10% Deiner Benutzer das gleiche zu sehen bekommen wie alle anderen auch und im Schnitt EUR 10 mehr bei Dir ausgeben. So, was machst Du? Angenommen Du willst Deinen Job noch etwas behalten...

Meine Überlegung ist, welche Seiten denn diesen Anforderungen
entsprechen müssen - sind es nur Seiten von Staat, Land und Gemeinde?

Nein. Weitaus mehr.

Müssten nicht auch alle Schulen, alle Museen, alle Bibliotheken und vor
allem auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk für wirklich alle Benutzer
mit allen Einstellungen voll inhaltlich nutzbar sein?

Nein. Weil es einfach unmoeglich ist. Zumindest nicht bei meiner Definition von Inhalten. Und den verschiedenen Nutzungsbeduerfnissen fuer verschiedene Inhalte.

Wie sieht es mit staatlich geförderten Projekten und Firmen aus?

Siehe oben. Genauso.

Und - was kann man tun, wenn die Seiten es nicht tun?

Weiter Druck machen?

Gruss,
Armin

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