Hi TomIRL,
Bist Du Gewerkschaftler.
Interessant, wie sich die Perspektiven überschneiden, denn Du kennst ja durchaus beide Seiten. Deinen Anmerkungen zur Kleinunternehmerperspektive kann ich durchaus folgen, für die meisten Zwergbetriebe sind Kosten und Bürokratie tatsächlich fast unerträglich, ich habe selbst mit meinem Büro ausschließlich mit Freien und Projektmitarbeitern gearbeitet, aber auch das hat seine Schattenseiten.
Die Frage ist, wie man auf konkrete Fragen eines potentiellen Mitarbeiters reagiert und wie er sich damit selbst verortet. Heimliche Fragen des Unternehmens sind natürlich:
- Kann der wirklich was?
- Ist der robust und einsatzbereit?
- Ist der bereit, sich in eine Sache richtig reinzuhängen, wenn Not am Mann ist?
Dennoch habe ich gelernt zu akzeptieren, dass gerade gute Leute auch konkrete Fragen stellen, was die Arbeitsbedingungen angeht, die Frage ist für mich also eher, wie das rüberkommt, also eine Frage des Tons und des Stils.
So kann man als Unternehmer nur dann kalkulieren, wenn die Leute endlich bereit sind dafür auch zu bezahlen.
Die Bereitschaft fehlt im Augenblick aber.
Es wirkt widersprüchlich, dass die Leute in Zeiten knapper Arbeitsplätze nicht mit dem letzten Engagement dabei sind, hat aber durchaus seine Logik: Die Identifikation mit Unternehmen wächst nur dann, wenn die Arbeitgeberseite auch das liefert, was sie liefern sollte:
- eine gewisse Sicherheit
- akzeptable Arbeitsbedingungen
- ein passables Gehalt
- Transparenz und Mitbestimmung
Dass viele Kleine das nicht leisten _können_, verhindert nicht die "innere Kündigung", d.h. das Gefühl der Mitarbeiter, dass man lieber woanders wäre, dass man sich unterbezahlt und ausgenutzt fühlt.
Also was mache ich, ich drücke meine Mitarbeiter. Im Zweifel Überstunden die bezahlt werden oder abgebummelt werden müßen.
Du meinst die Zahl Deiner Mitarbeiteroder erhöhten Arbeitsdruck?
Viele Grüße
Mathias Bigge