Hi Thomas J.S.,
Deine Kritik finde ich berechtigt, wenn ich auch die Pointe Deines Hannah Arend Zitats in Bezug auf Rolfs Geschichte nicht ganz verstehe. Meinst Du, die bäuerliche Geschichte von Rolf bewege sich noch außerhalb des Rahmens der erschaffenen Dinge?
Mich hat die Geschichte sehr angesprochen, gerade in den Kleinigkeiten, dem Verweis auf die Zwangsintegration der bäuerlichen Wirtschaften in die LPGs usw. und ich fand die Geschichte stark, gerade weil ROlf hier alle Metabemerkungen zurückgehalten hat, es einfach als vergangene Geschichte hat wiederauferstehen hat unter dem Motto: so war das damals.
In dem blöden Axel-Thread habe ich heute nachmittag auch den Link auf Rolfs interessante Seite gefunden und dabei auch die Bilder seines elterlichen Hofes betrachtet, es entsteht zusammen mit dieser Geschichte ein Bild:
http://i-netlab.de/private/heimat/buchfart_1.html
Und wie für Rolf ist auch für mich die Erinnerung an meine Weihnachtsfeste der Kindheit eine Erinnerung mit großem Abstand vom jetzt, weil fast niemand von den Erwachsenen mehr lebt, die diese Feste damals bestimmt und für uns Kinder arrangiert hatten, wenn es bei mir auch eine städtische Erinnerung ist, aus dem damals noch sehr schmutzigen Dortmund, dessen Ruinen aus dem zweiten Weltkrieg für uns herrliche Spielplätze boten, ohne dass wir uns viel dabei gedacht hätten.
Zu Molily, dessen Kritik sich ja hauptsächlich auf den Scheinrömer bezieht: Adornos Kritik an Auschwitz bezieht sich auf die Industrialisierung des Tötens und passt insofern auch überhaupt nicht auf Rolfs Geschichte, der sicher auch irritiert ist, wie seine sehr persönliche Geschichte hier aufgenommen wird. Für mich ist die Assoziation aber dennoch irgendwie nachvollziehbar, weil es auch für uns Stadtkinder damals ein Akt der Barbarei war, dass meine auf dem Lande lebenden Cousins ihre geliebten Kaninchen nach einer gewissen Zeit mit großer Begeisterung verzehrten.
Damlas war der Unterschied zwischen Stadt und Land einfach viel drastischer als heute, wo man auch in den kleinsten Dörfern per Auto und Sattelitenschüssel an das Weltgeschehehn angekoppelt ist, und ich erinnere mich noch gut daran, wie damals meine Vettern sich nur unsicher durch die Dortmunder Innenstadt bewegten, die für uns mit ihren Rolltreppen, Kaufhäusern usw. ein herrlciher Spielplatz war...
Danke für die anregende Geschichte!
Viele Grüße
Mathias Bigge