Thomas J.S.: Eine kleine Weihnachtsgeschichte (1)

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Hallo Mathias,

beim Lesen eurer Antworten frage ich mich vor allem eines: wozu habe ich mir die Mühe gegeben, eine Antwort zu verfassen, in welcher ich meinen Standpunkt erneut umfassend darlegen wollte?

Vielleicht haben wir (ich) deinen Standpunkt nicht genau verstanden, oder du hast sie nicht so dargestellt, dass wir (ich) ihn gut genug verstanden hätten können?

Nachdem ich ausdrücklich gesagt habe, dass ich nichts anderes als die Massentötung von Tieren in dieser Gesellschaft *unabhängig* und sogar teilweise im Gegensatz zu Rolfs Geschichte mit dem fragwürdigen Teil meines Postings kritisieren wollte, ist mir unverständlich, wieso ihr immer noch auf eure Lesart fixiert sein.

Hm ... du hast ja auch deine Leseart und so habe ich auch meine, daran ist nichts außergewöhnliches.

»»Ich »gebe zu« beziehungsweise sehe ein, dass es missverständlich klang, aber nachdem ich es in zwei Postings detailliert erläutert und zurechtgerückt habe und meine tatsächliche Intention klargestellt habe, ist meine Geduld am Ende, wenn ihr mir dennoch unterstellt, ich hätte irgendwem eine nationalsozialistische, faschistische oder was-weiß-ich-für-eine Gesinnung unterstellen wollen.

OK. Mein Problem war aber nicht deine sichtweise der Dinge, sonder schlichtweg die Tatsache, dass du dabei quasi mit dem Finger auf dem Zitat zeigtest. Nur diese eine Tatsache hat mich ernsthaft gestört.
Ich hilt dises "mit dem Finger darauf [aufs Zitat] zeigen" für kindsich dumm und unangemessen, so als ob du gesagt hättest "hei guck mal was ich für 'nen tolles Zitat bringen kann". Unter anderen Umständen hätte ich dies einfach überlesen (wobei natürlich ist es nur meine Interpretation), aber in diesem Zusammenhang wollte ich dich nur auf diese Tatsache aufmerksam machen, da ich das Gefühl hatte, dir ist nicht bewusst gewesen wie das wirkt.

Auf der einen Seite antwortest du selbst rein polemisch - IMHO, meine subjektive Wahrnehmumg - und auf der anderen Seite konterst du mit: »Wäre es möglich, dass wir uns etwas differenzierter unterhalten?« ... Ahja.

Den Reich-Ranicki-Vergleich möchte ich übersehen, siehe oben.

Sollst du aber nicht. Die Polemik war in beiden Fällen beabsichtig.
Im ersten Fall, weil ich glaute, dass du viel zu viel abstahierst ohne jedoch das Wesentlich zu treffen (und das tut nun mal Reich-Ranicki besonders oft und leider dazu auch noch gerne)
Im zweiten Fall, weil ich in deiner Aussage durchaus die unteschwellige Kategorisierung und Pauschalisierung herausgelesen habe. Nochmal der betreffnede Teil:
"weder eine nationalsozialistische oder menschenverachtende Gesinnung unterstellen noch ihm die Verrohung vorwerfen, welche ein Arbeiter in einem Schlachthof haben mag"

Was bedeutet das?
Es bedeutet, dass du ihm keine nationalsozialistische oder menschenverachtende Gesinnung unterstellst; so weit ist ja klar. Und dass du ihm nicht die die Verrohung vorwirfst -und jetzt kommt der entscheidende Punkt - welche ein Arbeiter in einem Schlachthof haben mag.
Und dies impliziert zweierlei, erstens dass ein Arbeiter in einem Schlachthof verroht, zweitens dass die Verrohung eben nur Arbeiter trifft, die in einem Schalchthaus arbeiten.
Ich würde gerne hier auf grammatikalische Erklärungen über indirekte Rede, uneingeleitete subordinierende relative Nebensätze und Konjunktivformen verzichten.
Mir ist natürlich bewusst, dass dies meine Interpretation, deines Textes ist, aber weil ich ebendiesen Eindruck hatte, habe ich dich um eine differenziertere Diskussion gebeten.
(Damit möchte ich auch auf deine diesebezügliche Anmerkungen in deiner zweiten Posting antworten)

Abgesehen davon ist mir deine Aussage leider zu pauschal als dass ich dazu Stellung nehmen könnte.

Da waren wir ja schon zu zweit ;-)

Ich habe zweifelsohne über dein Posting nachgedacht.[..] Die Tatsache, dass du ständig auf dieser Meinung beharrst, ohne auf meine Entgegnungen einzugehen, macht mir selbige auch nicht verständlicher.

Wir redeten einander vorbei und wir taten es beide bewusst. Du wolltest nur unbeding über deine Rezeption der Geschiten reden und ich eigentlich nur über deinen "Fingerzeig".

weshalb ich nichts anderes einbaute, als eine Verwunderung darüber, dass überhaupt - natürlich meiner Auffassung nach - diese Verbindung zwischen Posting und Signaturzitat besteht,

Meine Auffasung darüber hast du schon oben lesen können.

... außerdem hätte ich, falls eine ähnliche direkte oder indirekte Verbindung zwischen Postingintention und Signatur bestanden hätte, in jedem dieser Fälle genauso gehandelt, unabhängig vom Thema und unabhängig vom Zitatinhalt.  *knirsch*

Das glaube ich dir, aber es geht um diesen einen Fall, wo es leider zu einer gar unschönen Effekt führe.

Das impliziert nämlich folgende Kette der Assoziationen:
Kindheitserinnerungen an einem Schlachtfest --> der Schreiber ist ein Schlächter --> womöglich dazu im Schlachthaus --> Adorno sage mal etwas über Auschwitz und Schlachthaus --> der Schreibe ist ein Faschist.

Thomas, genau das ist mir geläufig, ich habe mittlerweile verstanden, dass du beziehungsweise ihr mein Posting und speziell das Adorno-Zitat in diesem Kontext gelesen habt,

Wie gesagt, das Zitat war an sich (für mich) nicht minder oder weniger Problematisch als andere Zitate und ich hätte es vermutlich auch nicht als Problem wahrgenomenn, wenn du nicht extra geschrieben hättest, wie passen es sei.

»»Damit habe ich mein möglichstens getan, um Klarheit zu schaffen und ich bitte dich, mir nach meinen ausdrücklichen Erklärungen nicht zum x-ten Mal unter die Nase zu reiben, wie man mein Posting hätte missverstehen können,

Warum hier der Konjunktiv? Man (ich) hat deine Posting missverstanden.

Es ist zweifellos eine naheliegende, unbeabsichtigte Lesart, welche ich voraussehen hätte müssen, insofern ist das mein »Fehler«, den ich einsehe und eingestehe, jedoch war dies, wie ich mittlerweile in mehrfacher Ausführung ausgedrückt habe, nicht meine Intention.

Schon klar.

Aber es immer etwas heikel mit Zitaten. Was glaubst du, wie es ankommen würde, wenn ich den folgenden Zitat von Günther Anders kontextlos in meiner Sig. haben würde: "Wer nach Auschwitz und Hiroshima an Gott glaubt, macht sich zu seinem Mittäter" ?

Man würde es vermutlich schlichtweg nicht verstehen beziehungsweise missverstehen, [...] Das hat natürlich nichts mit dem Adorno-Zitat zu tun, genauso will ich nichts damit »rechtfertigen«, ich meinte es lediglich als generellen Hinweis, wie du vermutlich auch mit deinem Beispiel.

Damit sind wir mal auf einem gemeinsamen Nenner.

das Plutarch-Zitat
Ich habe das Plutarch-Zitat in meinem Posting nicht wiederholt und dann ein »Amen« daruntergesetzt, insofern sei bitte vorsichtig, wenn du von »meiner Zustimmung zum Zitat« redest,

Warst nicht du, der [pref:t=32939&m=179084] geschrieben hat?

»»denn in diesem Punkt habe ich während dem Schreiben meines Postings durchaus abgewägt, welchem Teil ich davon zustimme - und wenn es nicht sofern klar wurde, habe ich es mittlerweile spezifiziert.

Mittlerweile hast du einges spezifiziert, das ist richtig.

Wieso ich eine Geschichte, in welcher das Schlachten von Tieren beschrieben wird, nicht in einem größeren Zusammenhang - nämlich in demjenigen, dass das beschriebene Vorgang in ungleich größerer und furchterregender Dimension zum Alltag gehört - sehen darf beziehungsweise du dich daran störst, ist mir rätselhaft.

Warum? Mir ist ebenso rätselhaft, wie man in diesem Fall (die Betonung liegt auf "diesem") gleich auf Massenschlachtung und dann sofort auf Auschwitz kommt. Meine erste Assoziationen zur Gechichte waren eigene Erinnerungen daran wie ich in der Vergangenheit die Zeiten um Weihnachten erlebet habe.

»»*Dieses* »in Zusammenhang setzen« finde ich durchaus legitim, vor allem weil es von der Geschichte als solche sogar quasi absieht.

Um den Zusammenhang zu legitimieren fehlt mir die Verbindung, d.h. ich könnte die Kausalitäten noch verstehen, wenn es eine Verbindung in Form von einer Posting, in der eine Überleitung gegeben hätte, welche sich mit dem Untergang der Tierhaltung am eigenen Hof und der nicht artgerchten Massentierhaltung widmete.

Schöne Grüße
Thomas