Sebastian Burkhart: Zensur in der Schule - wie umgehen?

Beitrag lesen

Hallo!

Dafuer haben sie ja den Lehrer, der ihnen sagt, was seiner Meinung nach gut und was schlecht ist.

Falsch. Es kommt gar nicht auf seine Meinung an, sondern der Lehrer hat die Gesetze durchzusetzen. Dass er unabhängig davon auch noch seine eigene Meinung zu diversen Seiten sagen darf, klar.

Und wo ist der Unterschied zu einer Zensur durch den Lehrer?

Der Lehrer hat einen Ermessensspielraum und kann dem Schueler z.B. sagen, was er falsch macht. Es existiert die Moeglichkeit einer Diskussion und einer friedlichen Einigung. Der Filter spuckt halt ein "forbidden" aus, und damit hat sich's - und der Lehrer hat noch nichtmal Ahnung, was ueberhaupt zensiert wird und was nicht.

Was, wenn der Betreiber gleichzeitig auch nach seiner politischen Meinung zensiert?

Das ist ein Totschlagargument, aber völlig realitätsfern. Eine rein hypothetische Überlegung. Wir reden hier nicht von einem allgemeinen Filter, sondern nur einen, der für bestimmte Altersgruppen illegale bzw. für sie illegale Seiten herausfiltert. Das läuft nach strikten Definitionen und sicher nicht von einem alleine.

Das ist nicht realitaetsfern. Bei Siemens werden die Seiten des CCC gefiltert. Gewissermassen genauso Zensur einer politischen (nach Ansicht von Siemens anscheinend zu freidenkerischen?) Ansicht. Korruption und Kriminalitaet in der Politik kannst du nicht einfach wegleugnen.

Quo custodiet custodies?

Naja, ich denke einmal Gesetze, Gerichte, Vorgesetzte, Politik? Natürlich, alles beeinflussbar. Erlauben wir doch gleich alles.

Nein, die Betreiber der Filterdatenbank werden von niemandem kontrolliert. Der Filterbetreiber kann legal alle URLs eintragen, die er will. Die Schule verlaesst sich schliesslich freiwillig darauf...

Lehnst du ein Verkaufsverbot für Zigaretten, Alkohol, bestimmte Kinokarten, usw. für bestimmte Altersgruppen auch ab?

Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich.

Entschuldigung, aber wo ist der Unterschied? Das ist doch genau so eine willkürliche Zensur des Staates gemäß irgendwelchen Untersuchungen oder Überlegungen die man nicht zu glauben verpflichtet ist. Und diese Verbote bzw. Einschränkungen sind genausowenig durchsetzbar wie die Filterung der Seiten.

Der Unterschied ist, dass das nicht wie die vorhandene Medienzensur die Meinungsbildung beeinflusst.

Ab wann ist ein Mensch faehig, selbst zu entscheiden, was gut und was schlecht fuer andere ist?

Irgendwie scheinen hier einige davon auszugehen, dass auch ein Schüler schon zwischen falsch und richtig unterscheiden kann, aber das ist doch einfach nicht wahr! Das muss er erst lernen, fraglich ist nur, ob das konkrete Beispiel dazu sinnvoll ist.

Irgendwie scheinst du davon auszugehen, dass Erwachsene zwischen falsch und richtig unterscheiden koennen. Genauso unsinnig. Was als letzte Loesung uebrig bleibt, ist die Eroerterung in einem Schueler-Lehrer-Verhaeltnis, das von moeglichst viel Vertrauen gepraegt ist.

Warum eine Sache als gut, warum eine andere als schlecht anzusehen ist, kann man auch ausdiskutieren (Die Schule soll doch auch humanistische Ideale vermitteln?). Alternativ kann man auch alles durch Verbot und Erlaubnis regeln, was nur moeglich ist. Ich glaube allerdings kaum, dass das eine sinnvolle Loesung ist.

Und dann existiert noch das Bild des Lehrers, der ja dafür bezahlt wird, in einer Klasse mit bis zu 37 Leuten dafür zu sorgen, dass jeder nur Seiten anschaut, die ihm bekommen, und gegebenenfalls ein klärendes Gespräch sucht. Das setzt voraus, dass der Lehrer sich ständig die betreffenden Seiten anschaut, um auf einen Blick sämtliche "böse" Seiten erkennen zu können und mit Lichtgeschwindigkeit zwischen den Computern umhersaust (und gleichzeitig noch unterrichten darf).

Das Bild habe ich sicherlich nicht vermittelt oder vermitteln wollen. Dass mal jemand eine "boese" Seite auf dem Bildschirm hat, ist nicht der Normalfall, so wie du es gerade zu beschreiben versuchst.

Und jetzt noch einmal, und ja - es ist ein Totschlagargument: In einer Schule hat ein Schüler zu lernen und nichts anderes.

Hat da jemals jemand was dagegen gesagt?

Ihr solltet euch mal überlegen, wo der Unterschied zwischen Zensur und Einschränkung ist. Manchmal fließend. Manchmal aber eindeutig.

Das hat die Bezirksregierung Duesseldorf auch gesagt... ;-)

<vergleich class="hinkend">
Oder sollen die Moderatoren hier auch illegale Postings hier lassen, obwohl sie sich dadurch selber in die Gefahr einer Strafverfolgung bringen können?
</vergleich>

Nein, sie sollten die Gesetze, die sie dafuer verantwortlich machen, zu aendern versuchen.

Ciao!
Sebastian