Tim Tepaße: Was sind Nazi-Methoden?

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Hallo,

Kurz vorausgeschickt: Ich kürze mal Deine Zitate, da ich über der maximalen Textmenge von 12288 Zeichen liege.

In keiner Weise, aber als amüsierter Verfolger des Zeitgeschehens, [....], allenfalls bei mir direkt im privaten(!) Haushalt.

Also, wäre ich ein Kanzlerverwandter wäre mir das doch eher peinlich & wiederwärtig. Nur so ein Gedanke.

Bisher war ich immer auf Spiegel-Niveau. Und selbst der Spiegel hat in einer Online-Artikelserie schon bewiesen, daß der Herr Schröder von seinen "9 guten Gründen SPD zu wählen" (Du erinnerst Dich an die Postkarte?) versagt hat.

Daß der Spiegel sehr gerne polemisiert und dabei auch öfters stark auf Boulevard-Niveau abrutscht, habe ich doch nicht bestritten, n'est-ce pas?

Die andere Sache, die er ja vor Gericht hat regeln lassen ist wirklich haarig. [....] , so hat er seine Eitelkeit der ganzen Republik preisgegeben.

Das war wirklich lächerlich, da stimme ich Dir zu. Aber wenn ich mich recht erinnere, wurden die Rechtsanwälte aus Schröders Kasse bezahlt.

(Und ich fände die möglichen Alternativen immer noch schrecklicher.)

Wenn ich davon ausgehe, daß diese privaten Punkte des Herrn S. durch die deutsche Presse gehen und die deutsche Presse ja auch in den Botschaften anderer Länder ausgewertet wird, dann frage ich mich, ob ein Kanzler, der sich so lächerlich macht, wirklich ein gutes Renomee für eine Republik ist, die anstrebt innerhalb der Welt und der UNO eine entscheidende Rolle zu spielen. [....]

So wie Stoiber und sein "White Elephant"? ;o)

Und was bitte hast Du gegen jemanden, dessen Privatleben nachweislich wesentlich skandalfreier ist? Ich denke, man sollte bei all dem nicht nur von dem Namen der Partei ausgehen, die unterscheiden sich bald kaum noch, man sollte (und muß vielleicht sogar eher) mehr von der persönlichen Integrität des Kandidaten ausgehen. Und da sehen die Alternativen durchaus besser aus. Recherchier doch einfach mal in den Pressearchiven die Lebensgeschichten der einzelnen Kandidaten, da kommt Interessantes heraus.

Also primär entscheide ich immer noch mit meinem Kreuzchen nach der Politik, für die die Parteien stehen, sprich: welche mir näher ist.

Solltest Du aber auf das Thema Konzepte zur inneren Sicherheit abfliegen, so verfolg mal nur die Aussagen von Stoiber und Schily zu Erfurt (ohne dabei auf die jeweilige Parteizugehörigkeit zu achten) [....] Nimm dann noch die Wünsche des Düsseldorfer RP hinzu (OK, was kann aus D'dorf schon gutes kommen) und sag mir dann mal, wen Du wo einordnest.

Da gab es doch mal diesen schönen Test [1] der Zeit im Netz mit den Titel "Erkenne Deine Rechten". Bei Herrn Schily bin ich mir fast sicher, daß der nach seinem Wechsel von den Grünen zur SPD noch irgendwann mal weiter rechts landet. Aber Gesetze werden zwar vom Minister bzw. vom Regierungskabinett vorgelegt, entschieden wird immer noch im Deutschen Bundestag. Und dort möchte ich dann bitte gerne die Parlamentsmehrheit der von mir favorierten Parteien haben. Abgesehen davon: Was wäre die stoiberische Alternative zu Schily? Im Moment deutet vieles auf Beckstein hin - Neeeee.

[1] http://www.evote.de/cgi-bin/evote2/stest.cgi?name=fb46

Ups, jetzt sind wir aber vom eigentlichen Thema, dem Herrn Karsli abgekommen und bei den Kanzlerkandidaten angekommen.

Leider. Aber ich bin ja auch selbst schuld.

Wobei ich immer noch der Meinung bin, daß es einem Bürger (und auch einem Politiker, egal, wie prominent er ist) der Bundesrepublik Deutschland möglich sein muß, die Politik eines Staates, unabhängig von dessen Namen zu kritisieren und auch Vergleiche anzustellen, ohne dafür in irgendeiner Weise beschimpft zu werden.

Das sagt ja auch niemand. Auf das 'wie' kommt es an.

Und die derzeitige Politik der israelischen Regierung ist meineserachtens menschenverachtend. Wie soll ich es nun aber nennen, wenn ein Staat systematisch Angehörige einer anderen Religion/Ethnologischen Gruppe benachteiligt, drangsaliert, schikaniert und von den Lebensadern abschneidet? [....] , wenn ich das ganze aber mit dem Faschismus (dessen Produkt auch der Nationalsozialismus in Deutschland ist(!)) vergleiche, dann bin ich der direkt der Buhmann.

Menschenverachtend ist die israelische Sicherheitspolitk sicherlich. Schizophren (Die Siedlungen) ist sie ganz bestimmt. Geschichtlich engstirnig ist sie auch ganz bestimmt (Obwohl man diese engstirnigkeit gut verstehen kann). Aber ein Genozid ist sie ganz bestimmt NICHT. Und deswegen kann man sie in diesem Fall auch nicht mit anderen Genoziden, erst recht nicht mit dem perfiden des Nationalsozialismus, vergleichen. Denn das würde entweder die beschissene Besatzungspolitik Israels auf ein unangemessenes Niveau heben oder die Opfer anderer Genozide herabwürdigen. Such's Dir aus.

Aber, wenn dann ein Palästinenser, der in seinem Leben mit den Repressalien des israelsichen Staates aufgewachsen ist, der vielleicht sogar hat zusehen müssen, wie Familienangehörige mißhandelt oder getötet wurden durch israelische Truppen, Polizisten, Siedler, dessen Haus, das seine Familie sich mühsam erarbeitet hat aufgrund einer nach dem Hausbau errichteten jüdischen Siedlung entschädigungslos platt gemacht wurde, dann irgendwann selbst in blinder Wut zurückschlägt und seinerseits als menschliche Bombe unschuldige ermordet, dann haben wir Deutschen pflichtgemäß das als vollkommen ungerechtfertigte Greueltat aufs schärfste zu verurteilen. Wohlgemerkt, das ist kein Plädoyer für die Attentate der Palästinenser, sondern es ist ein Plädoyer dafür hinter die Tat zu schauen und Ursachenforschung zu betreiben. Und ich bin der festen Überzeugung, daß es bei jedem Menschen einen Punkt gibt, bis zu dem man ihn reizen kann und wenn man ihn dann weiter reizt, dann muß man auch damit rechnen, daß er blindwütig, ohne Rücksicht auf sich selbst und andere, komplett ausrastet.

Angenommen, Du wärst demokratisch gewählter israelischer Premier. Und Dir ist obiges auch alles ziemlich klar. Was würdest Du tun? Du hast da ein Volk, das ein verdammt legitimes Sicherheitsbedürfnis hat. (Es hilft immer, sich an dieser Stelle vorzustellen, äh, Bayern würde plötzlich Selbstmordattentäter quer durch die Republik schicken. Zugegeben, ein absurder Vergleich. Aber es hilft verdammt stark, sich vorzustellen, daß plötzlich im Bus, in dem man fährt, eine Bombe hochgeht.)

  1. Ganz klar, die Gründe für Provokationen (sprich: die isrealischen Siedlungen und die Oslo'er Area C) sofort unilateral wegnehmen. Hilft es? Nein. Der Terrorimus wird weitergehen. Denn eine zentrale Forderung der aktuellen palästinensischen Führung und all der terroristischen Organisationen (Und sage mir nicht, Hamas und Konsorten seien keine terroristischen Organisationen) ist das Rückkehrrecht sämtlicher palästinesischen Flüchtlinge auf den Grund und Boden von vor den Grenzen von 49.
  2. Eine stark gesicherte Grenze bauen. Sich abgrenzen. Dummerweise ist da eine leider ziemlich starke religiöse Mehrheit in der Parteienlandschaft, die besonders die Interessen der Siedler vertritt. Und die braucht man.
  3. Also: Mithelfen, das zarte (und noch ziemlich korrupte) Pflänzchen Palästinensische Autonomiebehörde hegen und pflegen, ihnen beim Aufbau wirklicher demokratischen Institutionen helfen; diesen im Anfang in der Terrorismusbekämpfung helfen und diese dann in die Autonomie entlassen. Und dabei hoffen, daß durch die gemeinsame Zusammenarbeit der Terrorismus besiegt wird, daß alte Ressentiments niederfallen, daß ein starker Partner entsteht. Das ist langfristig die logischste Lösung. Das war die Oslo'er Lösung, die dann durch die vereinte Dummheit und Egozentrik Arafats (insbesondere Arafats), Netanyahus (insbesondere Netanyahus), Baraks (auch Baraks) und Scharons (insbesondere Scharons) systematisch torpediert wurde und die sich durch die beiderseitige Spirale der Gewalt sich dem Ende zuneigt.

Ein Wort zum ausrastenden Menschen: Es ist ja nunmal kein spontaner Amoklauf. Selbstmordattentäter durchlaufen meist eine (kurze) Karriere in einer terroristischen Organisation, die einem hilft, Ausweise besorgt, den Sprengstoff besorgt, sagt, wann und wo. Ich glaube, während diesr Zeit, hat ein Mensch oft genug Zeit, rational zu denken. Ein Selbstmordattentat ist immer eine bewußte Tat, dem Gegner dort den großtmöglichsten Schaden zuzufügen, wo es ihn am meisten trifft. Im Zivilleben, ihn zu verschrecken und zu entsetzen. Um Ismail Haniya, einen Hamas-Führer zu zitieren: "Unlängst erklärte Ismail Haniya, ein Hamas-Führer, gegenüber der Washington Post, sie hätten die Schwachstelle der Israelis gefunden: "Die Juden lieben das Leben mehr als andere Menschen, und darum wollen sie nicht sterben."

(Quelle hier: http://www.zeit.de/2002/22/Kultur/200222_israelessay.html)

Um meinen Standpunkt deutlich zu machen: Beide Seiten hier sind Opfer ihrer selbst und der jeweils anderen Seite (Um nicht noch das dritte Opfer, die Wahrheit mit reinzunehmen). Und beiden Seite fehlen die wirklichen visionären Politiker. Stattdessen verlassen sie sich auf irgendwelche Heilsversprecher. Und da hilft es garnicht, die eine Seite pauschal als Terroristen zu verurteilen, und erst recht garnicht, die andere Seite mit extrem unangemessenen, polarisierenden Nazivergleichen zu diffamieren.

Grüße aus Dortmund, Tim

Hmm, soll ich hier auch noch was dazu schreiben...

[1] Damit wird auf das Verhalten der Buuren gegenüber der Schwarzen Bevölkerung in Südafrika verwiesen.

Weißich. Heißt es nicht Buren mit nur einem 'u'?

[2] Spanien hat sich mit seinen Konquistadores in Südamerika ja auch keinen Ruhm erworben. Die Verfolgungsmethoden deer Spanier gegenüber der protestantischen Bevölkerung in Holland gehören sicher auch nicht zu einem Ruhmesblatt in der spanischen Geschichte.

Weißich. Du vergißt allerdings noch die Judenedikte von Königen Isabella, von der man munkelt, sie sollte heiliggesprochen werden. Man könnte kotzen.

[3] Die Portugiesen haben in ihren Kolonien unter den Indianern auch ganz schön gewütet.

Weißich.

[4] Dies ist ein netter Verweis uf den Beinahe-Genozid an den Indianern in Nord-Amerika.

Weißich.

[5] Ost-Timor ist ein "nettes" Beispiel.

Weißich.

[6] Groß-Britanien hat sich in seiner Kolonialgeschichte nicht mit Ruhm bekleckert, das Verhalten Groß-Britaniens gegenüber den Katholiken war in der Geschichte auch nicht gerade ein Musterbeispiel an Toleranz und, ob es das heute schon ist, wage ich zu bezweifeln, da Katholiken per Gesetz immer noch von Staatsämtern (Staatsoberhaupt, Premierminister und Minister) ausgeschlossen sind. (Tony Blair hat, wie bekannt, eine katholische Frau, seine Kinder sind auch katholisch [und das nicht nur auf dem Papier] und wollte zur katholischen Kirche konvertieren, was ihn aber den Posten des Premierministers gekostet hätte; der Queen und auch dem Thronfolger ist es verboten zu einer anderen Konfession zu konvertieren, ich würde das Ganze als religionsbedingtes Berufsverbot bezeichnen).

Du meinst den Act of Settlement aus dem Jahre 1712, der, nachdem der Vereinigte Königreich über keine Verfassung in dem Sinne verfügt, gültige Gesetzeskraft besitzt. Imho klagt da eine sowieso latent royalfeindliche Zeitung vor dem Europäischen Gerichtshof dagegen. Und ich denke, über kurz oder lang fällt dies auch, jedenfalls für öffentliche Ämter wie das des Premiers. Im Fall des Königtums ist das eine andere Frage. Aber Prince Charles hat ja schon angekündigt, daß er den Titel als 'Verteidiger aller Glaubensrichtungen' versteht.

Grüße, T.

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