Hey Mathias,
Die werden sicher auch nicht glücklicher, wenn sie gar nicht arbeiten,
Da wäre ich nicht so sicher. Ich habe letztens eine Reportage gesehen, in der eine Frau
vorgestellt wurde, die bereits in der dritten Generation arbeitslos ist, also noch
nie eine (ernstzunehmende) Arbeit angenommen hat. Sie erzählte, dass sie gerade
schwanger geworden wäre, weil sie dann nicht zu arbeiten bräuchte.
Endlich arbeitslos - sowas gibt's, aber mit der Einsicht solltest Du Dich nicht zufrieden
geben.
Das tue ich durchaus nicht. Leider wurden zu wenig Hintergrundinformationen gegeben, als
dass man Rückschlüsse ziehen könnte.
Wie kommt es, dass es inzwischen über Generationen Familien gibt, die nicht richtig zur
Gesellschaft dazu gehören?
Die Frage ist: ist das so? Gehört man nicht zur Gesellschaft, wenn man arbeitslos ist oder
nicht bereit ist, zu arbeiten? Die Zeiten, in denen man sich geschämt hat und als
Aussenseiter dastand, wenn man den Gang zum Sozialamt machte, sind IMHO schon lange vorbei.
Wieso gibt es Leute, die überhaupt nicht wissen, dass es Spaß machen kann, etwas Neues
zu lernen, etwas Spannendes auf die beine zu stellen?
Meine Theorie: Passivität hervorgerufen durch passives Leben. Passivität zeichnet sich durch
das komplette Leben. Passiver Konsum (Teleshopping, Internet-Shopping), passive
Unterhaltung (Glotze an, Hirn aus), ja selbst passive Fortbewegung (Auto statt Fahrrad oder
Füsse) zeichnet das heutige Leben.
Mir fallen in dieser Gesellschaft inzwischen einfach zu viele Menschen durch das Raster
der Verwertbarkeit. Um es mal konkret zu machen: Als ich vor 15 Jahren in der
Bergbauschule gearbeitet habe, saß da in jeder Außenstelle, ein Behinderter oder durch
den Beruf Schwerbeschädigter und versah Hausmeister- und Pförtnerdienste. Das brachte
was gegen den Vandalismus an der Schule, sparte Geld bei kleinen Reparaturen an den
Schulen und und diesen Menschen ein Einkommen und das Gefühl, noch dazuzugehörem.
Zusätzlich wird es vom Staat unterstützt.
Wo sitzen solche Menschen heute? Sicher zu 90% beim SOzialamt, was insgesamt
wahrscheinlich das Gleiche kostet und sie oft völlig aus der Gesellschaft ausschließt.
Wie gesagt, das wage ich immernoch zu bezweifeln.
Und noch etwas: Mal so ein Jahr aus allem aussteigen, finde ich auch OK, es gibt
auch andere Möglichkeiten, sein Leben sinnvoll zu gestalten als als Termite,
Durchaus. Ich habe nichts gegen "Aussteiger". Ich selber empfinde mich nicht häufig als
nicht "Gesellschaftskonform". Ich kann aber z. B. Schwangerschaft um der Arbeitslosigkeit
willen nicht nachvollziehen, beim besten Willen nicht.
auch wenn uns beiden Aktivisten
Apropros -- ich habe heute angefangen, meine erste Karte zu basteln. Ich wusste gar nicht,
wieviele Löcher so eine Platine haben kann ;-)) Ich habe fast eine halbe Stunde die
notwendigen Löcher für die Lötstellen gebohrt.
diese Vorstellung heute schwer fallen dürfte.
Krkr ;-) Aussteigertum ist mir sympatisch.
Aber der prinzipielle Ausschluss über Generationen, das empfinde ich als Alarmsignal.
Da bist du nicht der einzige.
So, gute Nacht,
CK
Das Sein entsteht aus dem Nicht-Sein.