Moin!
ich kann Deinen Ausführungen, vor allem das klasische beispiel mit dem Autoradio, folgen, aber ist das ein Problem, das man per Gerichtssurteil in den Griff bekommen sollte?
Es gibt natürlich Grenzen. Niemand wird bei der Autoindustrie sowas angehen, weil es da mindestens zehn verschiedene Hersteller gibt, die allesamt tolle Autos anbieten - teilweise tatsächlich mit fest installiertem, nicht abbestellbaren Autoradio (hat den Vorteil, dass es auch nicht geklaut werden kann, aber man kann es eben auch nicht eigenständig "upgraden").
Man kann doch niemanden verbieten, Leistungspakete zu schnüren.
Nein, nicht irgendwem.
Aber einem Monopolisten schon.
Angenommen, die Telekom würde, weil sie es sich leisten kann, ab sofort sämtliche Telefonanschlüsse, die sie verkauft hat, mit der Option "Am Wochenende kostenlos telefonieren" bestücken. Und dafür dann zwangsweise zehn Euro mehr kassieren.
Jeder Telekomkunde, der nicht die Chance hat, einen anderen Anbieter zu nehmen, muß zahlen, weil er ansonsten kein Telefon mehr hat.
Und genauso verhält sich das mit der Marktmacht von Microsoft: Man kommt einfach nicht drum herum, irgendwie mit Microsoft kompatibel sein zu müssen. Insbesondere nicht als Firmenanwender, weil alle möglichen Kontakte ebenfalls Microsoft einsetzen und zu blöde sind, Datenaustauschformate wie RTF, PDF oder CSV zu benutzen - stattdessen lieber DOC und XLS durch die Gegend schicken.
Und da kann StarOffice oder OpenOffice.org noch soviel Programmierarbeit reinstecken - solange Microsoft die Gewalt über das Dateiformat behält, sind alle in der Hand von Bill Gates. Wenn Word2005 ein neues Dateiformat definiert, weil das alte nicht mehr gefällt (oder von zuvielen Konkurrenten problemlos gelesen werden kann), dann wirft man ein neues Format auf den Markt - was außerdem noch den Vorteil hat, dass dann wieder mal alle Anwender updaten müssen, sobald sich die neue Version einigermaßen durchgesetzt hat, so dass man ständig Konvertierungsprobleme kriegt.
Microsoft wird ja auch nicht wirklich vorgeworfen, Pakete geschnürt zu haben, sondern ihnen wird vorgeworfen, Pakete geschnürt zu haben, obwohl sie ihr Produkt so gut verkaufen. Wären sie nicht marktführend, würde es auch keinen stören was sie da elles dazu geben.
Richtig, genau die Marktführerschaft bzw. Monopolstellung ist der Auslöser gewesen. Monopole stehen unter besonderer Beobachtung - siehe Bundeskartellamt.
Mailprogrammanbieter haben bei mir auch schlechte Karten, weil ich aus Bequemlichkeit das Mailprogramm nutze, das kostenlos bei meinem Browser dabei war.
Das aber von einem Anbieter stammt, dem man erstens keine Monopolstellung vorwerfen kann, und der zweitens nicht aus wirtschaftlichem Antrieb handelt - insofern auch nicht unter die Kartellgesetze fällt, weil er den Kunden nicht das Geld aus der Tasche ziehen kann.
»»Also hoffen wir jetzt alle, das mozilla nie über 50% Marktanteil kommt, weil sonst die E-Mail-Programhersteller klagen könnten?
Wohl kaum. Linux und Apache sind auf dem Servermarkt beispielsweise beherrschend. Apache hat um 67% Marktanteil, Microsoft nur 21%. Aber Apache versucht nur, einen guten Webserver zu machen. Sie versuchen nicht, andere Anbieter vom Markt zu verdrängen, weil sie wirtschaftlich handeln müssen. Aber keiner klagt gegen sie.
Mir ist der "Effekt" klar, aber was wirft man nun MS wirklich vor? Das sie erfolgreich sind? Das sie Pakete schnüren? Das sie (nur auf den ersten Blick) Software "verschenken"?
Zitat von http://www.itweb.co.za/sections/business/2004/0403160940.asp?A=COM&O=F:
"First, Microsoft tried to hurt rival makers of audiovisual software by bundling its Windows Media Player with Windows.The draft requires Microsoft ship two versions of Windows to computer makers, which account for most sales of the operating system, for installation in computers sold in Europe.One version would have Microsoft Windows Media Player tied in as it is now, the other would have it stripped out.The aim is to free computer makers to sell Windows bundled with rival audiovisual software such as RealNetworks RealPlayer or Apple Quicktime, the sources say.Microsoft says Windows Media Player is built in and removing it would damage the operating system. RealNetworks has used demonstrations at an EU hearing to argue it can be removed.Second, the draft says Microsoft has given rival makers of low-level servers too little information to compete.As a result, Microsoft's low-level servers, performing tasks such as printing and file handling, work better with Windows.The draft decision says the US firm must share more of its protocols with rivals, charging a reasonable royalty."
Klar, die können Dank Portokasse vieles einfach platt machen. Aber ich sag ja auch nicht, das die freie Marktwirtschaft immer die beste Idee ist. Nur: können wir eine Firma nun bestrafen, weil sie uns zeigt, das das System Schwächen hat?
Eine Firma kann sich nicht über das System stellen und draufzeigen "Guck mal, hat Schwächen, hehe". Eine Firma ist immer Bestandteil des Systems. Anti-Monopol-Gesetze sind ebenfalls Bestandteil des Systems, genauso wie Konkurrenz. Man muß sich als Firma damit abfinden.
- Sven Rautenberg
Among the maxims on Lord Naoshige's wall, there was this one: "Matters of great concern should be treated lightly."
Master Ittei commented, "Matters of small concern should be treated seriously."
(Hagakure: The Way of the Samurai)