Tim Tepaße: XHTML 2 ist jetzt auch offiziell klinisch tot.

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Hallo,

das W3C hat angekündigt, dass die XHTML 2 Working Group nach ihrem Auslaufen am Ende dieses Jahres nicht erneuert wird und bietet eine kleine FAQ dazu an. Die XHTML 2 WG ist die frühere HTML WG, die damals beibehalten wurde, als eine neue HTML WG für HTML 5 gegründet wurde. Die HTML WG kümmerte sich also um HTML 5 und XHTML 5, die XHTML 2 WG führte die XHTML 1.x Anstrengungen und den Neu-Entwurf XHTML 2 weiter, allerdings natürlich nicht sehr angestrengt.

Ich bin etwas skeptisch, anstatt nun den Tod der Wicked Witch of The West zu feiern. Natürlich war XHTML 2 ein größeres Biest wie ich mal im Weblog schrieb. Natürlich krankte es ziemlich unter der nicht vorhanden Rückwärtskompabilität und dem Nutzen komplizierter externer Module. Aber als ein reines totes Elfenbeinprodukt mag ich es auch nicht betrachten. Einige der in XHTML 2 aufgezeigten möglichen Innovationen mag ich. Und guckt man sich andere an, dann sind das nicht unbedingt irgendwelche Spielereien, sondern hinter jedem Feature steht ein Problemfall, ein Bedürfnis. Das wirkliche Hauptproblem lag nicht in deren Neuerungen, sondern in dem kompletten Verzicht auf einen sanften Weg von HTML 4/XHTML 1 zu XHTML 2. Manche der in XHTML 2 angedachten Dinge wurden als Einzelmodule rausgelöst und auch in XHTML 1 nutzbar gemacht, wie das Role Attribute oder die Meta-Informations-Struktur, die sich dann zu RDFa entwickelte. Mein Hauptproblem ist, dass diese sinnvollen Dinge dann von (X)HTML 5 ignoriert werden. Ähnlich wie die XHTML 2 WG unter einem „Jetzt mal richtig“-Syndrom litt, leidet die HTML WG bzw. die einzig dort Entscheidungen treffende Person unter einem „not invented here“-Syndrom, das besonders gegen XHTML 2 gerichtet ist. Die Einführung von Microdata vor ein paar Wochen, obwohl RDFa existiert, auf einem kleinen Massstab verbreitet ist und von zwei großen Suchmaschinenherstellern unterstützt wird, ist da nur ein Beispiel für. Es ist schade, dass damals XHTML 2 und (X)HTML 5 nicht aufeinander zu gehen konnten.

Tim