Ja, man versucht, mit Gewalt Sprache zu verändern. Die Sprache ändert sich auch von selbst.
Das mag auf manche staatliche Institutionen zutreffen, für sie gelten Gesetze, die die Verwendung geschlechtergerechter Sprache vorschreiben.
damit beziehst du dich jetzt nur auf den ersten Satz, oder?
Ja, und im folgenden Bezog ich mich auf den zweiten Teil.
In der freien Wirtschaft, im Journalismus, in der Bildung und Forschung gibt es keinen solchen Zwang. Trotzdem gibt es viele freiwillige Bekennungen dazu.
Ich glaube nicht, dass diese Bekenntnisse freiwillig sind - okay, ein paar vielleicht schon. Aber ich glaube, es ist in vielen Fällen einfach die Angst, in der Öffentlichkeit an Ansehen zu verlieren, wenn man sich diesem Trend nicht anschließt.
Fällt es dir so schwer zu glauben, dass Menschen inklusive Sprache befürworten, auch wenn es ein so breites wissenschaftliches Fundament gibt, dass die positiven Effekte stützt? Im übrigen berichten doch viele Zeitungen und Medien nach wie vor im generischen Maskulinum, ohne dass sie geselellschaftliche Ächtung befürchten müssen. Das ist aus meiner Sicht ein sehr dünnes Argument.
Fakt ist, dass die Akzeptanz geschlechtergerechter Sprache in verschiedenen Gesellschafstbereichen unterschiedlich stark ausfällt. In der Forschung ist die Akzeptanz überdurchschnitlich hoch, in staatlichen Einrichtungen fällt sie unterdurchschnittlich niedrig aus. Wenn ich in einem Umfeld arbeite, in dem sowieso schon höhere Akzeptanz dafür herrscht, dann hat das vermutlich auch einen Effekt auf meinen eigenen Sprachgebrauch und meine Meinungsbildung zum Thema.
Das ist doch verselbständigter Sprachwandel ohne Gewalteinwirkung, oder nicht? Oder verstehe ich dich falsch?
Ohne Gewalteinwirkung: Ja. Selbständig: Nein. Ich sehe es eher als Lemming-Verhalten.
Lemmingverhalten hieße, die Menschen würden sich nicht eigentständig mit dem Thema beschäftigen, sondern blind anderen ins Unglück folgen. Das halte ich für eine ignorante These und ich sehe das Unglück auch nicht, dass sich dahinter verbirgt.