Hallo nochmal!
Was genau ist dann ein Webdesigner ? Ein Designer ist es ja nicht und auch kein Programmierer. Ein Künstler auf keinen Fall, eher ein Handwerker. Aber wie kommt der gute Webdesigner an sein Wissen ?
Nur durch lesen und ausprobieren ?
Ein Webdesigner ist genau das, was ich beschrieben habe: Ein Designer fürs Web. Denn Internetseiten haben ihre vollkommen eigenen Gesetze und Anforderungen, die ein ganz normaler Designer gar nicht kennen kann (und leider entsprechend eklige Seiten produziert - eklig von der Benutzbarkeit her). Das fängt schon damit an, dass der Designer gerne vergisst, dass der Blindtext, den er da gerade eingefügt hat, wirklich nur Beispielcharakter hat, aber in der Realität viel kürzer (das ist ja noch ok) oder aber viel länger sein kann, aber leider nicht bedenkt, was dann mit dem Design passieren soll. Es muss irgendwie in die Länge gehen und gescrollt werden - grauslige Vorstellung für einen echten Designer, dass Teile seiner schönen Grafik aus dem Bild flutschen. Webdesigner haben das kapiert und handeln entsprechend.
Und woher man das Wissen kriegt: Klar, eine Menge durch selber machen. Wertvoll auch das Mitlesen in entsprechenden Fachforen wie diesem. Ob Webdesigner eine grafische Ausbildung kriegen können, die die besonderen Aspekte des Webs berücksichtigt, weiß ich nicht - vermutlich ist es so. Allerdings betrachte es einmal ganz banal: Eine Ausbildung in einem Beruf besteht doch lediglich darin, dass die erfahrenen Meister dem Neuling erzählen, was er wie zu machen hat. Will er Effekt A, muss er Trick 1 anwenden, will er Effekt B, gibts Trick 5, und so weiter. Was man wohl nicht lehren kann, ist ein Gefühl für gute grafische Gestaltung - die muss der Neuling einfach mitbringen.
Und auch Programmieren ist nicht so einfach zu lernen. HTML und CSS sind natürlich noch sehr simpel - das programmiert man ja auch nicht. Da muss man einmal das Konzept verstanden haben und sollte sich dann einen gute Schreibstil (Einrückung etc) angewöhnen, und schon hat man relativ schnell Erfolgserlebnisse. Programmieren selbst ist dann schon wieder was ganz anderes. Da muss man ein großes Problem ("Ich will ein Forum!") zerlegen in viele kleinere Probleme ("Ich brauche eine Übersichtsseite, eine Seite zum Lesen eines Beitrages, eine Seite zum Antworte - und wie speichere ich das Ganze überhaupt?"), die wiederum zerlegt werden in viele kleinere Probleme ("Die Übersichtsseite liest alle begonnenen Diskussions aus der Datenbank aus und zeigt Startdatum, Datum der letzten Antwort und Zahl der Antworten an."), die dann in vielen kleinen Einzelschritten programmiert werden. Wichtig ist, die Probleme in der richtigen Reihenfolge zu lösen: Die Art der Speicherung der Beiträge ist in einem Forum (oder auch in einem Board ;) ) das Wichtigste. Man muss sich also mit den verschiedenen Möglichkeiten auskennen, die man vielleicht anwenden will: Speichern in einer schlichten Textdatei, Datenbank oder als XML (was im Prinzip auch nur eine Textdatei ist, aber eben mit speziellen Kennzeichnungen darin - und es gibt Programme, die damit praktisch als Datenbank umgehen können).
Das Prinzip der Problemzerlegung verstehen einige Leute nicht. Und auch viele, die hier im Forum Probleme schildern, haben einige Dinge schlicht noch nicht verstanden oder erkannt - typisches Beispiel ist die Verknüpfung von PHP, HTML und Javascript. Es ist offenbar nicht bekannt, _wo_ PHP ausgeführt wird - es wird gerne mit Javascript in einen Topf geworfen.
Sowas sind alles Dinge, die kann man im Prinzip auch aus Büchern und durch Ausprobieren lernen. Tatsächlich ist das in einer Ausbildung nicht anders - da hat man höchstens noch einen Lehrer, der einem mündlich gewisse Dinge mitteilt und vermitteln möchte. Und zugegeben ist eine Ausbildung auch etwas breiter angelegt und vermittelt Dinge, die man so im Selbststudium nicht streift, wie z.B. Betriebswirtschaft, Buchführung, Arbeitsrecht etc. Deshalb ist eine Ausbildung nicht unbedingt schlecht. Nur leider bleibt dadurch weniger Zeit für den fachlichen Teil, und die Absolventen sind dennoch nicht unbedingt zu viel zu gebrauchen.
- Sven Rautenberg