KD-one: Wie sicher sind eigentlich Stecknetzteile?

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Hi Maxx,

Überstromschutzschalter? Du meinst vermutlich einen Fehlerstromschutzschalter. Selbiger löst aus wenn eine leitende Verbindung zwischen der Phase (Das ist der Draht mit dem Strom) und der Erde besteht. Ungefähr 20 mA (Milliampere) Das dient dazu dich zu schützen solltest du an die Phase geraten.

Da muss ich dich korrigieren. Der Fehlerstromschutzschalter hat nur bedingt etwas mit der Phase zu tun, er muss auch auslösen, sobald eine entsprechend niederohmige Verbindung zwischen Nulleiter und Erdung besteht.
Das liegt an der Funktionsweise eines FI. Grob umrissen misst der FI die Summe der Ströme, die in die Anlage fliessen und vergleicht mit dem Wert, der über den Nulleiter zurückfliesst. Tritt nun eine Differenz zwischen den beiden Werten auf, wird der Summenstromwandler erregt und erzeugt die Spannung, die von der Auslöseeinheit benötigt wird, um den FI auszulösen.
Praktisch löst ein FI mit einem Auslösekennwert von 30mA schon bei 20-25 mA aus, das liegt daran, daß die Hersteller den angegebenen Wert ohne Toleranzen garantieren müssen und daher eine Sicherheit miteinrechnen.
Praktisch kannst du das auch testen, indem du zwischen Nulleiter und Erdung eine Verbindung schaffst. Der FI muss sofort auslösen, da sich der rückfliessende Strom auf Nulleiter und Erdung aufteilt und somit dem Summenstromwandler einen Anlagenfehler vortäuscht. Dasselbe Experiment mit Phase/Erde würde ich nicht empfehlen, da es hierbei zu einem Kurzschluss kommt, der im TN-System Ströme von einigen 100A ausmachen kann und in der Regel Anlagenteile zerstört, sowie auch den Kurzschlussverurschaneden Bügel zum Schmelzen bringt. Da du den la in der Hand hältst, kannst du dir ausrechnen, welche Folgen dies hätte. ;-)

Daneben gibt es normale Sicherungen. Sie lösen aus wenn der fließende Strom einen bestimmten Wert überschreitet. Für normale Zimmer sind das 16 Ampere.

Nein. Ich weiss ja nicht, wie das in Deutschland ist, nehme aber an, nicht viel anders, als in Österreich. Mindestquerschnitt bei einer anlageninstallation ist aus mechanischen Gründen 1,5mm². Dies bedingt  aufgrund der Verlegeart und der Art der Überstromsicherung einen Wert zwischen 12 und 25 A.
Verlegeart A: Einzeldrähte in Rohr in Isolierstoff
Verlegeart A2: Kabel in Rohr oder lose in Isolierstoff
Verlegeart B: Einzeldrähte in Rohr oder Kanal Auf- oder Unterputz
Verlegeart B2: Kabel  in Rohr oder Kanal Auf- oder Unterputz
Verlegeart C: Kabel lose Auf- oder Unterputz
Kabel in Erde

Deshalb:

Verlegeart A,A2,B, 2/3-Leiter, Sicherungskennlinie gL,gG,L,U = 12A
Verlegeart A,A2,B, 2/3-Leiter, Sicherungskennlinie gG = 13A
Verlegeart A,A2, 2/3-Leiter, Sicherungskennlinie B/C/D = 13A
Verlegeart B,B2,C, 2/3 Leiter, Sicherungskennlinie B/C/D = 16A
Verlegeart B2,C, 2-Leiter, Sicherungskennlinie gL,gG,L,U  = 16A
Verlegeart B2, 3-Leiter, Sicherungskennlinie gG  = 13A
Verlegeart B2, 3-Leiter, Sicherungskennlinie gL,L,U  = 12A
Verlegeart C, 3-Leiter, Sicherungskennlinie gL, L, U = 12A
Verlegeart C, 3-Leiter, Sicherungskennlinie gG = 13A
Verlegung in Erde, Sicherungskennlinie B/C/D = 25A
Verlegung in Erde, Sicherungskennlinie gL, gG, L, U = 20A

In Altbauten mit dünnen Leitungen auch mal weniger. Dies dient dazu bei einem Kurzschluss zwischen Phase und Nullleiter (das ist der Draht in dem der Strom wieder zurück fließt) den Stromfluss zu unterbrechen.

Nein, imho war 1,5mm² schon immer ein Mindestquerschnitt, allerdings wurden in Altbauten oft auch noch Aluminiumdrähte eingesetzt, welche eine niedrigere Strombelastbarkeit aufweisen.

Aber: Ein elektrisches Gerät kann auch ohne einen Kurzschluss in Brand geraten. 220V * 16A sind 3.500 Watt und die können ordentlich heiß machen.

Für eine Brandauslösung sind schon einige hundert mA ausreichend. Deshalb werden auch zum Branschutz selektive Fehlerstromschutzschalter mit einem Auslösekennwert von 300mA eingesetzt. Dieser Fehlerstromschutzschalter ist nur für den Brandschutz einzusetzen, nicht aber für den Fehlerschutz. Dieser muss einen Auslösekennwert von 30mA aufweisen.

Nach diesem Ausflug in das ohmsche Gesetz zurück zum Trafo. Neuere Geräte, erkennbar daran das sie relativ klein und leicht sind und in der Regel keine Lüftungsöffnungen aufweisen sind unproblematisch. Bei älteren Trafos, dick und schwer mit Lüftungsöffnen sollte für eine ausreichende Luftzufuhr gesorgt werden. Vor allem dann wenn das Gerät keine Ausschalter besitz und der Trafo so immer unter Strom steht.

Sag niemals nie. Auch Steckernetzteile können abrauchen und bei ungünstiger Anbringung einen Brand auslösen. Heutige Steckernetzteile sind nach dne Prinzipien der Kostenersparnis gebaut und erfüllen die Sicherheitsnormen mal gerade so.

Gruß

Kurt

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"Verstand ohne Gefuehl ist unmenschlich, Gefuehl ohne Verstand ist Dummheit."  (Egon Bahr; dt. Journalist u. Politiker; geb. 1922)
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