Cybaer: Computergeschichte

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Hi,

Ich arbeite seit 20 Jahren beruflch im Umfeld von Homecomputern und PCs - als Hobby noch länger. Da macht mir kaum einer was vor. ;-)
Sag niemals nie. :-)

Sag ich auch nicht. Ich sagte "kaum"! :)

Aber vor zwanzig Jahren gingen die Uhren in der IT noch gemächlich, da passierte in zwei (oder auch drei) Jahren noch nicht so wahnsinnig viel.

LOL

Zw. einem mausgesteuerten, multitaskingfähigen ST mit GUI im 256 KByte ROM, 4 MByte RAM, 16/32-Bit-CPU mit 8 MHz, 3,5''-Floppy, Festplatte an einem hochauflösenden, augenfreundlichen, papierfarbenem (schwarz auf weiß) 70-Hz-Monitor und einem tastaturgesteuerten C64 mit Built-in-Basic, 64 KByte RAM, 8-Bit-CPU mit seinen gut 1 MHz, Datasette, 5,25''-Floppy an einem flackernden 50-Hz-Bildschirmin in niedriger Auflösung liegen technisch Äonen. =:-))

Also um *das* zu erkennen, bedarf es IMHO so gut wie keinerlei Fachwissens. =:-)

Weniger deutlich sichtbar ist der Umstand, daß der ST der erste Schritt zur Nutzung von "virtuellen Computern" war. Mit ihm wurden erstmals in größerem Umfang existierende Rechner emuliert. Zum einen natürlich die alten Homecomputer, aber offiziell ausgeliefert wurde gleich auch eine Z80-Emulation mit CP/M (für ein paar Anwendungsprogramme,u.a. Wordstar und eine dBase-kompatible Datenbank(-sprache)). Und die (gebrauchsfähigen!) Emulationen des Mac und von Windows 3.x sind ja schon moderne Legende ... 8-))

Rund fünf Jahre war der Brotkasten-Computer Marktführer im Heimcomputer-Bereich, und auch danach war er noch ein Weilchen eine ernstzunehmende Größe.

Du vergleichst Dinge, die man nicht vergleichen kann! Der ST hat im Niedrigpreisbereich ganz neue Anwendungsfelder geschaffen und erfüllt bei Menschen, die vorher gar nicht an Computer dachten. Statt Spiele/Bastel-Gerät für Freaks ein Arbeitsgerät für alle.

Auch der VW-Käfer wurde noch *lange* nach Erstauslieferung des VW Golf & Co. produziert und verkauft. Und seine Gesamtverkaufszahl ist äußerst beeindruckend. Aber trotzdem heißt es zurecht "Generation Golf". :-) Und der Unterschied C64/ST ist IMHO um *einiges* gravierender als bei Käfer/Golf. :-))

Natürlich eine andere Liga, das will ich nicht bestreiten. Aber dennoch Konkurrenz (auch heute sieht man ja Windows und Linux als Konkurrenz, obwohl sie sich technisch gravierend unterscheiden).

Ja, was die innere Technik angeht. Aber was die prinzipielle Leistungsfähigkeit angeht sind sie auf einem ähnlichen Niveau - und kämpfen gleichzeitig mit den gleichen Applikationen um die gleichen Kunden.

Du vergleichst ja eher Windows XP mit einer (schlechten) Unix-Shell (so schlechte Unix-Shells gibt es gar nicht! =8->) - und die auch noch auf gravierend schlechterer Hardware. =:-)))

Damals waren die Anwender noch viel mehr auf "ihre" Kisten fixiert als heute, glaube ich.

Nur die Freaks. S.o.: Mit dem ST wurde Computerei hierzulande das erste Mal zu einem Massenphänomen, entkam der "Freaknische" - ohne sie dabei ganz zu verlassen (es gab ja auch viele Freaks mit ST oder Amiga).

Deshalb war es noch wichtiger als heute, die Leute gleich von Anfang an für ein neues System zu gewinnen. Später jemanden zum Umsteigen zu bewegen war sehr schwer.

Ich denke, Du irrst prinzipiell.

Ich habe über viele Jahre Bücher und Software für alle System verkauft (von C64 bis Unix) und glaube, mir ein Urteil über die Beweggründe der damaligen Computernutzer bilden zu können. 8-)

Komisch, wieso sehe ich da auf einmal Parallelen zum Mac, der von seiner Fangemeinde zwar hochgelobt wird, sich aber trotzdem nicht auf breiter Front durchsetzen kann?  ;-)

Hier hatte sich der ST gut durchgesetzt. Er wurde von Atari Europe, insbesondere aber von Atari Deutschland als Arbeitscomputer konfiguriert und beworben - quasi als besserer Mac zu kleinerem Preis.

In den USA, aber auch in GB, war Atari aber noch stärker Synonym für "Videospiele". Entsprechend wurde dort der ST dort auch anders wahrgenommen - und anders beworben und verkauft. Das ging schief, mußte schief gehen, zumal in den USA der Mac preiswerter war als hier, etablierter sowieso und, dank massiver Schul- & Unirabatte, auch sehr weit verbreitet im Bereich Forschung & Lehre war. Und daß der Amiga die bessere Daddelkiste war, darüber müssen wir wohl nicht groß diskutieren. =;-o

Ich weiß nicht, was Du studiert hast. Aber wenn dir der ST nicht in Massen bei deinen Kommilitonen begegnet ist, waren es wohl weder Informatik, noch etwas geisteswissenschaftliches, noch was im Bereich Maschinenbau/Hardware-Design. :)

Jein. Natürlich waren da schon einige C64-Addicts dabei. Einige Nur-Spieler und Spielekopierer, aber auch eine Handvoll ambitionierte Hobby-Programmierer, zu denen ich mich auch zähle.

Offensichtlich fehlte jemand, der sich gut mit dem XL auskannte und dir Sachen zeigen konnte, die mit dem C64 gar nicht oder nur deutlich schlechter machbar waren. ;)

Nein, eigentlich war es sogar mehr als nur ein BIOS, es hatte ja sogar schon dateiorientierte I/O einschließlich Konzepten wie stdin und stdout.

Sowohl im Design, wie auch in der praktischen Nutzung, wie auch in der Programmierung war das XL-Pendant (ich scheue mich, hier überhaupt "Pendant" zu verwenden >;->) weit voraus.

mit zunehmender Programmiererfahrung und diversen selbst modifizierten Firmware-Versionen hatte ich zum Schluss aber auch eine selbstgemachte Firmware, die wieder nur mit dem seriellen Kabel auskam, aber fast das gleiche Tempo erreicht hat wie die kommerziellen Lösungen mit Hardware-Umbau und Parallelanschluss.

:)

Aber IMHO sympthomatisch. Neben den reinen Usern: Der C64 hat mehr Hardwarebastler angezogen, die auch programmierten; der XL hauptsächlich die Programmierer, die ggf. auch was bastelten. "Man" hatte beim XL halt stattdessen Zeit für "sinnvollere" Dinge (z.B. Grafik-Schnick-Schnack oder Spiele-Programmierung >;->). Es gab aber auch Freaks, die neue DOS' schrieben und so die (ohnehin schon deutlich schnelleren) Diskettenzugriffe nochmals massiv beschleunigten - nur mit Software, weil die gute Hardware das schon hergab. ;-)

bis sie dann als Arbeitsgerät von einem damals modernen 286er PC abgelöst wurde.
Der war *niemals* "modern"! >:->
Jede Technologie ist einmal modern, zumindest zu der Zeit, wenn sie neu ist (das ist für mich die Definition von modern - nicht "modisch"!).

Dacor! So sehe ich das auch - und also war der 80286 *niemals* "modern". Zu keiner Zeit. 8-)

Der erste Intel-Prozessor, den man mit (halbwegs) gutem Gewissen "modern" nennen kann, war der 80386 (und *vielleicht* noch der 8086). IMHO ist eigentlich erst der Pentium-M die erste moderne CPU von Intel. >;->

Nette Menschen, aber beim Dialekt dachte ich nur: Oh je, oh je, oh jemine! =;->
*fg*

Hab aber auch nicht alles verstanden! ;->

Gruß, Cybaer

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