Na ja, sicher kann man das schon seit einiger zeit. Aber 'mal ehrlich: Seit wann sind studiengänge der informatik richtig praxisorientiert und somit eine erstrebenswerte, echte qualifizierung für industrie-jobs! Da liegt heute nach wie vor der schwerpunkt auf sehr theoretischen, mathematischen aspekten.
Das Wichtigste, was ich auf der Uni gelernt habe, ist Lernen.
Alle Anwendungsgebiete sind lediglich nur konkrete Ausprägungen der dort vermittelten abstrakten Konzepte. Wenn man die drauf hat, findet man sich schnell in alles hinein.
Praktisches know-how aus dem hardware-, netzwerk- oder webdesign-bereich fehlt doch nach wie vor
Dafür gibt es auch eigene Studiengänge, beispielsweise Elektrotechnik mit Spezialisierung Datentechnik oder Ähnliches. Es muß nicht exakt Informatik sein.
Wenn von vornherein ein Job in der Wirtschaft angestrebt wird, halte ich auch Wirtschaftsinformatik oder sogar Wirtschaftsingenieur mit Schwerpunkt Informatik für interessante Optionen.
und wenn informatikstudenten fit und 'job-tauglich' sind, dann doch hauptsächlich deshalb, weil sie viel zeit haben, sich sozusagen 'privat' neben ihrem studium näher mit praktischen dingen zu beschäftigen.
Das mag sein. Ich hatte nie auch nur annähernd so viel private Freizeit wie während des Studiums, habe aber in der Tat die Gelegenheit genutzt, nach dem Diplom auf einer Assi-Stelle erst mal "arbeiten" zu lernen, bevor ich in die freue Wirtschaft gegangen bin. Das war ein sehr softer Übergang.
Und überhaupt: seit wann kann man durch ein allgemein gefasstes studium wie 'informatik' gezielt bestimmte schwerpunkte der industrie abdecken? (Webdesign, Netzwerkbetreuung, Anwendungsentwicklung).
Anwendungsentwicklung lernt man in Hauptstudiumspraktika, notfalls bei der Studien- oder Diplomarbeit. (Ich habe bei meinem jetzigen Arbeitgeber eine Diplomarbeit eines unserer Werkstudenten betreut und benotet; meine Diplomarbeit war eine Auftragsarbeit für einen anderen Fachbereich, der einen Rechner emuliert haben wollte, um eine vernünftige Entwicklungsumgebung zu erhalten.)
Für Webdesign wüßte ich in der Tat keinen passenden Studiengang, das ist einfach zu interdisziplinär. (Deshalb würde ich WebDesign immer doch ein Team besetzen und die Stellenbeschreibungen entsprechend differenzieren.)
Netzwerke sind sicherlich als Vertiefungsfach im Informatikstudium machbar (ich habe von Hardware damals nur das Nötigste mitgenommen, weil mich Hersteller-Protokolle im Vergleich zu Algorithmen und Datenstrukturen anöden ;-).
Nur, wo liegen die alternativen, für den, der über neueinstellungen entscheiden soll? Welche alternativen abschlüsse gibt es denn, außer einem im grunde völlig nichtssagenden 'hochschulabschluß in informatik'?
Das kommt auf die Stellenbeschreibung an.
Für die Stelle eines Systemanalytikers hilft dem Personalchef das Diplomzeugnis eines Imformatikers, inklusive dessen Studienschwerpunkten, Prüfungsfächern und Diplomarbeit-Thema, schon weiter. Wenn Du Praktika, Studien- und Diplomarbeit zusammenzählst, kommst Du schon auf das Äquivalent von 1-2 Jahren Berufserfahrung.
... also stellt der personal-entscheider halt den bewerber mit 'hochschulabschluß informatik' ein, anstatt den u.U. geeigneteren bewerber ohne offiziellen abschluß. Dem ersteren wird einfach unterstellt, daß er wenigstens etwas ahnung im EDV bereich hat, aber wovon _genau_, sagt sein abschluß dann aber auch nicht aus.
Doch, das tut er. Vor allem sagt der Abschluß aus, daß der Diplomand in der Lage ist, selbstätig und abstrakt zu denken und sich nicht jeden Handgriff erklären lassen zu müssen.
(Über die konkrete Eignung als Graphik-Designer sagt das nichts aus, aber von zwei Unbeleckten wird der Studierte sich das Wissen wahrscheinlich schneller, vor allem aber selbständiger und mit geringeren Weiterbildungskosten für seinen Arbeitgeber aneignen können.)
Den letzteren - ohne abschluß - kann man nun garnicht einschätzen und ein vergleich mit den anderen bewerbern fällt schwer. Also läßt man die finger von ihm und macht es sich einfach wie so oft: 'Eckdaten' aus offiziellen abschluss-zeugnissen miteinander vergleichen, geht ja auch schön schnell und man kann's in ein schönes, sauberes schema bringen! Wunderbar!
Nicht wunderbar - aber kostenbewußt. Das ist nun mal so im Kapitalismus.
Aber weil in aller regel halt so schematisch und pauschal bewerber beurteilt werden, müßte im bildungsbereich dringend nachgebessert werden, d.h. durch neue zielgerichtetere studiengänge und vor allem durch IT-lehrberufe mit offiziell anerkanntem IHK abschluß. Denn Webdesign ist handwerk und nicht intellektuell abgehobene grundlagenforschung. Wozu also unbedingt einen hochschulabschluß?
Da gebe ich Dir absolut recht. Gäbe es bessere Beurteilungskriterien, dann wäre der Hochschulabschluß nicht so absolut entscheidend, wie er es heute nun mal ist.
Aber der Personalchef der Firma X wird nicht derjenige sein, der die Einführung solcher Kriterien durchsetzt - das ist nicht sein Job.