Hallo,
»» »» Ich ersuche dich diese Rede als ganzes nochmal zu lesen und das darin gesagte zu prüfen und dann können wir uns darüber unterhalten wie du uns was du in dieser Rede verstanden hast.
wir muessten Zitate diskutieren, deren "Scope" identifizieren, also welche Saetze man aus der Rede herausziehen kann, ohne sinnentstellend zu handeln und koennten dann zu Schluessen kommen.
Trotz mehrfachen Lesens dieser Rede (war unangenehm genug) habe ich nichts gefunden, was fuer mich antisemitsch ist. - Natuerlich koennte man auf die Idee kommen, dass Hr.Hohmann da "irgendwelche Klischees" bedienen mochte und ganz bestimmte boese Ziele im Auge hatte. Aber das glaube ich einfach nicht. Ausserdem stossen mir die Argumente gegen Hohmann wegen ihres Totschlagcharakters ganz uebel auf.
Also, was genau war an der Rede nicht OK? (OK = von der Meinungsfreiheit gedeckt und im "ueblichen Masse" politisch vertretbar bzw. tolerabel)
Zu aller erst: ich weiss nicht was dir an diesem Thema so gut gefällt, denn ich kann mich nicht den Eindruck verwehren, dass es so ist, schließlich du hast hier nicht den ersten Thread dazu gestartet.
Was eine Analyse der Rede (http://www.stern.de/?id=515592&nv=hp_sr) angeht, hat dir Antje schon einmal sehr ausführlich dazu geantwortet: http://forum.de.selfhtml.org/archiv/2003/10/62087/#m351014
Ich bitte dich auch gleich um Entschuldigung, wenn ich hier weder Zeit noch Lust dazu habe einen Krus im Rhetorik für Redner und Reden abzuhalten, aber in der Rede des Herren Hohmann sind alle relevanten rhetorischen Mittel vorhanden, die dazu dienen die Zuhörer in eine ganz bestimmte Richtung zu bringen.
Er beginnt mit Stimmungsmache in dem er "ungehuerliche" Fälle von Sozialschamrotzer etc. vorführt. Dabei ist er sich selbst nicht zu billig sich auf die Bildzeitung ("Da deckt eine große Boulevard-Zeitung den Fall des Miami-Rolf auf.") zu berufen. Natürlich macht er das, denn er weiss ja, dass sehr viele Leute die Bildzeitung lesen und sich an sie was Meinungen angeht anhängen.
Das geht noch eine ganze Weile so mit den allgemeinplätzen, die nur einen Zweck haben, nämlich die Zuhörer einzustimmen.
Dann beginnt er sich für sein eigentliches Thema zu erwärmen, wobei er Argumente/"Fragen" ins Feld führt, auf denen er die Antwort mehr als nur ausreichende schon im Vorfeld weiss, was ihm natürlich nicht daran hindert seine Fragen sehr schön mundgerecht, aber ohne Zusammenhang zu stellen:
"Ist die Bundesregierung angesichts der Wirtschaftsentwicklung und des Rückgangs der Steuereinnahmen bereit, ihre Entschädigungszahlungen nach dem Bundesentschädigungsgesetz (also an vor allem jüdische Opfer des Nationalsozialismus) der gesunkenen Leistungsfähigkeit des deutschen Staates anzupassen?"
Natürlich kennt er persönlich tausende von Filmen, die "das Klischee vom dümmlichen, brutalen und verbrecherischen deutschen Soldaten wachzuhalten". Dass er hier so schön typisch pauschlisiert hat einen guten Grund[1].
So geht es weiter mit Einstimmung auf das Kommende.
Dann kommt er zum ersten Höhepunkt in seiner Rede: "Kollektivschuld".
Dass dieses Wort eine Erfindung rechten Ideologisten ist und in der Tat über ein "Kollektivschuld" nicht gesprochen wurde, stört ihn nicht, ganz im gegenteil: er dreht es gleich um, er behauptet selber
andere würden davon reden, dass es kein "Kollektivschuld" gäbe, womit er diese Wort gleich diesen anderen als deren Erfindung unterjubelt. Rhetorisch an sich sehr geschickt, auch was die weitern Passagen angeht: paar harmlos wirkende Worte über Tatsachen leicht mit zum Thema passenden Worten und Beriffen gespiekt. Nicht falsches, aber es bereitet den Boden weiter vor.
Dann fägt er an das Buch vom Ford zu zitieren und Bumm die erste Bombe:
"So stammt Karl Marx über beide Eltern von Rabbinern ab. Sein Porträt hing im Wohnzimmer einer jüdischen Frauenforscherin ..." daraus schliest er gleich, natürlich seine drei sätze unauffällig zwischen Zitaten eingebaut, dass "Damit wird auch ausgedrückt, daß an der Wiege des Kommunismus und Sozialismus jüdische Denker standen."
So einen Schwachsinn. Das eine hat hier mit dem anderen nun wirklich nichts zu tun, aber das weiss er selber genau, sonst würde er seine Behauptungen nicht so zu verstecken zu versuchen.
Dann meint er gleich dazu: "Immer wieder klingen in den Schriften dieser frühen kommunistischen Zeit quasi religiöse Züge an".
Sorry, aber who the Fu*** redete wenigen Absätzer vorher vom Bösen und Guten?? (übrigens: Busch läßt Grüßen).
Dann folg eine Aufzählung wer alles so jüdisch war, und wenn man seine Rede bisher verfolgte, heisst es im Klratext: "Religöse Kummunisten waren die folgende Juden:" und dann kommt seine Listen.
Übrigens, ich würde wirklich gerne wissen woher er die Information haben will, dass "Von 48 Volkskommissaren in Ungarn waren 30 jüdisch gewesen."
Also das sind die bösen Juden, die die russische Zarenfamilie ausgerottet haben und sie sind noch viel mehr: "Weiter stellt sich die Frage, ob Juden in der kommunistischen Bewegung eher Mitläufer oder Leitungsfunktion hatten. Letzteres trifft zu. Leo Trotzki in der UdSSR, Bela Kun in Ungarn."
Und schon wieder ein absoluter Schwachsinn, ich möchte wissen, was er von Bela Kun, außer seinen Namen überhaupt weiss.
So wie er diese Argumtne ins Feld bingt, sind das schon reichtlich antisemitischtische Äußerungen.
Und so weiter, er zieht gleich einen Bogen vom Marx bis 1924 und nenn auch gleich die Zahlen der vom bösen jüddischen Kommunisten ermordeten Menschen. Dass diese Zahlen, aber nur in rechtsradikalen Schriften existieren und ausschlißlich dazu dienen eine Begründug für "die bösen Juden" zu finden, scheint ihm nicht wirklich zu stören. Seine ausführungen nach sind die Junden also die Täter. Er diese "These" natürlich als Frage, aber es ist eine rhetorische Frage, die er schon vorher ausführlich beantwortet hat.
Der eigentliche Clou kommt erst aber, nicht nur, dass er die Juden erst als religöse Kommunisten hinstellt, nein, jetzt sind sie noch schlimmer geworden, sie wurden gottlos.
" Die Juden, die sich dem Bolschewismus und der Revolution verschrieben hatten, hatten zuvor ihre religiösen Bindungen gekappt."
Nach dem er all das gesagt hat, macht er einen fenien rhetorischen Zug, er relativiert, aber so, dass er damit nur das gesagt unterstricht. Er meint, es waren ja nicht nur die Juden gottlos, sondern auch die Natinalsozialisten. Und deshalb sind keine der Beiden ein Tätervok. Ist das nicht nett von ihm?
Und nach dem wir jetzt (ca 15 Minuten Redezeit nur über Religion, Kommunisten und Juden) wissen, wie so die Juden waren, hiess es: "Mit vollem Recht aber kann man sagen: Die Gottlosen mit ihren gottlosen Ideologien, sie waren das Tätervolk des letzten, blutigen Jahrhunderts."
Und natürlich muss man sich auf seine christliche Herkunft besinnen (G.W. Busch macht es schon ja vor!) denn "Nur sie werden ähnliche Katastrophen verhindern, wie sie uns Gottlose bereitet haben. "
Nach dem laut seiner Aussagen die Juden ja gottlos geworden sind, spricht der Satzt ja für sich. Und dann betont er ja noch: "Mit Gott in eine gute Zukunft für Europa! Mit Gott in eine gute Zukunft besonders für unser deutsches Vaterland!"
Das ist schon ein kaum versteckter Aufruf zum Judenhatz.
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Jetzt zu deinem Satz
"Natuerlich koennte man auf die Idee kommen, dass Hr.Hohmann da "irgendwelche Klischees" bedienen mochte und ganz bestimmte boese Ziele im Auge hatte."
Er mochte sich nicht bedienen, er _hat_ sich Nazi klisches bedient. Das zeigt sich schon darin, dass er Johannes Rogalla von Bieberstein als Quelle angibt.
Es steht dir natürlich frei das nicht zu glauben, aber hier ändert deine Glaube an den Tatsachen nicht.
Grüße
Thomas
[1] Es wäre natürlich für seine Rede fatal gewesen, hätte er konkret werden müssen, nicht nur hier, aber generell in seiner Rede, denn er hilt diese Rede nicht für den Bundestag sondern für die "Leute darussen", wohl wissend, was aus seiner Rede zitiert werden wird.