Monne!
Analog zur Automobilindustrie könnte man vielleicht sagen, es gibt einen Markt 'PKW'. 'Windows' entspräche dann z.B. dem 'VW Golf'.
Als 'Browser' nehmen wir jetzt 'Airbags'. Ich hoffe der Vergleich hinkt nicht zu sehr: Airbags sind zum Betrieb des PKW nicht zwingend nötig, ohne Airbags läßt sich jedoch ein Neuwagen heute nur schwer verkaufen.
Um die Verkaufschancen seines 'Golf' zu erhalten, entschließt sich 'VW' jetzt also, 'Airbags' serienmäßig in den 'Golf' einzubauen.
Diejenigen Firmen, die für den 'Golf' bisher 'Airbags' zum Nachrüsten angeboten haben, sehen ihre Fälle davonschwimmen und entschließen sich daher, eine gerichtliche Klage einzureichen, mit dem Ziel, 'VW' zu verbieten, 'Airbags' serienmäßig in den 'Golf' einzubauen.
Wusste gar nicht, dass man Airbags schonmal nachtraeglich einbauen konnte. Aber nimm stattdessen Autoradios, das passt besser. Und tatsaechlich, Autoradios werden in den letzten Jahren immer oefter ab Werk eingebaut, und nicht nur das! Sie werden so tief in das Auto integriert, dass die Verwendung eines Alternativproduktes teilweise gar nicht mehr moeglich ist! Das Radio ist nur noch ein weiteres Bedienteil neben Wassertemperaturanzeige und Tachometer. Teilweise wird ja sogar dasselbe Display verwendet zusammen mit Dingen wie Aussentemperatur und Uhrzeit. Und das ist ja auch ganz toll, denn das Radio ist optisch perfekt in die Oberflaeche integriert. Solange, ja solange man nicht auf die Idee kommt, was dieses Radio kann, reicht mir nicht. Dann ist Polen naemlich offen.
Und warum klagt da keiner? Nun vielleicht, weil Opel die Radios immer noch nicht selbst herstellt, sondern sie von denselben Zulieferfirmen kauft, die andernfalls die Teile (bzw. andere Teile) direkt in den Handel bringen wuerden.
Jetzt frage ich dich:
- Wie hoch schätzt du die Chance auf einen Erfolg der Klage ein?
- Was stimmt an dem Vergleich nicht?
Es ist ein Autovergleich, daher hinkt der schon fast prinzipiell. ;-) Seltsamerweise sind Autovergleiche immer sehr beliebt, wenn es um Themen wie M$ gegen den Rest der Welt geht. Dabei sind imho zwei Fehler besonders typisch fuer solche Vergleiche.
1. Es werden Aepfel mit Birnen verglichen bzw. Software mit Autos. Die Computerwelt ist eine sehr modular angelegte Sache, im Gegensatz zu Autos. Oder kann ich mir ein Auto zusammenkaufen mit der Karosserie von Volvo, Motor und Getriebe von VW und den Bedienelementen von Nissan? Waere mir doch sehr neu [1]; in der Softwarewelt ist das aber der Normalfall. Bei Autos kann man andere Raeder draufschrauben, einen Heckspoiler dranbauen und ein Klopapierrolle auf die Hutablage stellen, das war's im wesentlichen, was ohne tiefgreifende Eingriffe in das Gesamtsystem geht. (Und Microsoft ist nun auf dem besten Weg, Computer aehnlich unflexibel zu machen wie Autos.)
2. Es wird davon ausgegangen, das in der Autowelt alles supertoll und richtig ist, so wie es ist, also muessen wir es bei Software genauso machen. Ich denke, ich habe gezeigt, dass man diese Annahme nicht rechtfertigen kann.
Statt, eventuell gemeinsam, Ihre Energien in die Entwicklung eigener konkurrenzfähiger Produkte zu stecken, versuchen sie mit m.E. zweifelhaften Argumenten Microsoft die Rechte an deren Produkten streitig zu machen.
Den 'Open-Source'-Ansatz finde ich hier persönlich eher kontraproduktiv.
Den Zusammenhang verstehe ich jetzt ueberhaupt nicht. Was hat Open Source mir dem Streitigmachen von Rechten zu tun?
So long
[1] Manchmal sind sogar die verfuegbaren Farben an das Modell gebunden! -- Hat zweifellos nur technische Gruende.