O'Brien: Schriftsprachlichkeit

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Hi,

[vereinfachte Ausgangsschrift; Druckschrift]

Genau das ist der widersprüchliche Punkt im gesamten Schrifterwerb der Primarstufe. Erst wird erlesend eine Laut-Zeichen-Zuordnung in der 1. Klasse mittels Druckschrift trainiert, dann in der 2. Klasse wird meist eine Schreibschrift erlernt,

na wunderbar, wer hat sich denn dieses ausgedacht?

die zumindest bei den Großbuchstaben der Druckschrift sehr ähnlich ist und später kehren meiner Erfahrung nach, sehr viele Schüler aus den verschiedensten Gründen (Prestige=Gruppendruck, Lesbarkeit, etc.)  wieder zu einer Druckschrift zurück.

MMn lässt es sich in Druckschrift schneller und sauberer schreiben, insbesondere wenn man innerhalb 90 Minuten Mathematik-Vorlesung 8-10 DIN-A4-Seiten mitschreiben möchte ;)

Dass jedoch die Handschrift in absehbarer Zeit ganz verschwinden wird, kann ich mir nicht vorstellen, auch wenn einige Technikfantasten das gerne so hätten.

Ich versuchte hier auch nur zu untersuchen, ob es diese sehr langfristige Tendenz , mit welchen Übergängen auch immer, überhaupt nur in meiner Wahrnehmung gibt.

Deine Wahrnehmung täuscht dich wohl nicht, ich sehe das ähnlich.

Wenn ich an die heutzutage sehr verbreitete Schriftlichkeit per sms denke oder die Eingabe über Tastatur in chats, Spielekonsolen und so weiter, dann lässt sich eine solche imho sehr wohl konstatieren.

Korrekt, ob aber das Bildungssystem die Freizeitgewohnheiten der Kinder in den Lehrplan übernehmen wird? Wenn man dann noch berücksichtigt, dass Kinder, die zu früh zu viel am Computer sitzen, körperliche Schäden davontragen, dann kann ich mir nur einen sehr ausgedehnten Handschrift-Unterricht wünschen.

Das Erlernen der Druckschrift ist vermutlich für Jungs auch einfacher, weil diese im Alter des Schreiben-Lernens noch keine gute Feinmotorik haben (weswegen wohl auch die meisten Männer eine ziemliche Sauklaue haben).

Dieser letzte Punkt ist sehr interessant und müsste näher untersucht werden. Ich las vor einiger Zeit auch einen Aufsatz, dessen Adresse ich leider grade nicht da habe, in dem der Author sehr vehement und nach meiner Ansicht auch schlüssig , für genau diesen Ansatz plädierte.

Falls du den mal wiederfindest, würde ich mich über kurze Nachricht (mit Quelle) freuen.

Keine Schreibschrift mehr als Ausgangsschrift, sondern eben eine Druckschrift. Dies würde wiederum bedeuten, dass die Schrift besser von OCR's erkannt werden könnte und somit zwar eine größere Nähe zu Maschinen entstehen würde. Diese größere Nähe bietet Anlass zu Befürchtungen, das kann ich nachvollziehen. Dennoch darf man auch nicht die Chancen verkennen, die in dieser Nähe lägen.

Die Vorteile bez. OCR halte ich für eher untergeordnet, viel wichtiger finde ich, dass die Kinder mit geringem Aufwand das Schreiben lernen, und zwar so, dass es (in erster Linie von Menschen) lesbar ist.

Wenn ich mir den technischen Fortschritt so betrachte, könnte es sein, dass es irgendwann nur noch die klassische Handschrift und daneben eine bisher noch nicht vorstellbare Form der Eingabe von Texten über eine technische Schnittstelle geben wird ("Computer, Musik um 10% leiser!" oder so ähnlich).

Darauf hoffe ich.

Wenn wir aber so weit sind, dann benötigen wir auch keine OCR-lesbare Handschrift mehr. Übrigens ist "Computer, Musik um 10% leiser!" nicht sehr benutzerfreundlich, hier sollte eher ein lernfähiges, auf Fuzzy-Technik basierendes System dahinter stecken. In der Bahn wünschte ich mir oft, dass ich die MP3-Player der mich umgebenden Kids mit einem einfachen "Computer, Musik um 100% leiser!" bedienen könnte. Wenn der an die Umgebung abgegebene Schall dieser kleinen In-Ohr-Kopfhörer so laut ist, dass ich die Musik mitsingen könnte, dann muss doch das dadurch beschallte Gehirn auf eine sagittale Scheibe zusammengepresst werden, oder?

Schönen Sonntag noch!
O'Brien

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