Hi O'Brien,
in Deinem Posting überzeugst Du Dich quasi selbst davon, dass ein Unterricht ohne Berücksichtigung der Schüler gar nicht beurteilbar ist.
Interessante These. Bei der Bewertung von Unterricht ist aber ein zentrales Kriterium der Kontakt zu den Schülern.
Scheint etwa dran zu sein, oder?
Wenn ich einen Vortrag über $beliebiges_thema vor einem Publikum halten muss, das ich nicht kenne, so kann ich diesen Vortrag so gestalten, dass er (mindestens) für das Gros der Besucher ansprechend und nützlich ist.
Das ist schwierig. Es macht doch einen heftigen Unterschied aus, wenn ich etwa einen Vortrag über HTML halte, von welchen Vorkenntnissen ich ausgehen kann. Ein guter Referent muss auch noch während des Vortrags bemerken, wenn er völlig an seinem Publikum vorbeiredet.
Zudem ist der Vortrag ein weitgehend untypisches Beispiel für Schuluntericht.
OK, so langsam kann ich jetzt deine Argumentation zumindest teilweise nachvollziehen (Schreibdenken nennt man das jetzt wohl ;),
"Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden
Heinrich von Kleist (1805)
Wenn du etwas wissen willst und es durch Meditation nicht finden kannst, so rate ich dir, mein lieber, sinnreicher Freund, mit dem nächsten Bekannten, der dir aufstößt, darüber zu sprechen. Es braucht nicht eben ein scharfdenkender Kopf zu sein, auch meine ich es nicht so, als ob du ihn darum befragen solltest: nein! Vielmehr sollst du es ihm selber allererst erzählen. ..."
http://gutenberg.spiegel.de/kleist/erzaehlg/gedanken.htm
Trotzdem kann mMn jemand einen _prinzipiell_ gut gestalteten Unterricht machen, ohne optimal auf den Einzelnen eingehen zu können.
Stell Dir vor, Du müsstest einen Referendar beurteilen, der eine Stunde in Deiner Klasse hält. Nun hätte der sich einen spannenden Text von Stephan King ausgesucht und eine tolle, lebendige Aktion dazu überlegt. Leider war der Text aber zu schwer und die Schüler haben quasi nichts verstanden. Wie würdest Du die Stunde bewerten?
Somit wären die von mir genannten zwei Teile "Unterrichtsvorbereitung und -durchführung" und "Eingehen auf die Einzelprobleme" jeweils eine Teilmenge von "Unterricht", die jeweils unterschiedlich gut ausgeprägt sein können.
Zur Vorbereitung gehört zunächst eine Auseinandersetzung mit der Lerngruppe und den unterrichtlichen Voraussetzungen (Wissensstand, vorherige und weitere Stunden, geplante Klassenarbeiten usw.). Schon dort sollten besondere Schwierigkeiten einzelner Schüler auftauchen.
Wenn ich so an meine Schulzeit zurückdenke, dann habe ich wohl fast ausschließlich Lehrer gehabt, die keinen guten Unterricht gehalten haben
Möglich. Aber ist Dir klar, dass Du damit auch Deinen eigenen Wissens- und Ausbildungsstand bewertest?
Wie kann bitte eine Vorlesung interessant sein (außer für den Prof), die völlig an den Studis vorbei gehalten wird?
Eben!
Wenn keiner versteht, was ich vortrage, halte ich keinen guten Unterricht bzw. habe mich schlecht vorbereitet.
Dann sind wir am Ende doch einer Meinung.
Zu Deiner Bemerkung über Frühpensionierung: Man kann sich aus jedem Beruf heraus frühpensionieren/verrenten lassen, wenn man bereit ist, die entsprechenden Einschränkungen bei der Rente/Pension hinzunehmen. Dazu gehört meist schon eine gehöriges Maß an beruflicher Belastung, denn die Abschläge sind ja nicht ohne.
Viele Grüße
Mathias Bigge