O'Brien: Schriftsprachlichkeit

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So, nun geht's weiter (aber nicht mehr lange):

Noch eine Anmerkung zum teilweise hausgemachten Stress: In diesem Interview sind mir zwei Stellen als besonders wichtig aufgefallen:
"Meyer: Ein schüleraktiver Unterricht strengt auch physisch und psychisch weniger an."
und
"SZ: Wollen Lehrer durch viel Reden nicht auch das Denken der Schüler lenken und kontrollieren?
Meyer: Ja, sie wollen das Heft in der Hand behalten."

Beide Aussagen gehören für mich zusammen, ich glaube, dass viele Lehrer auch deswegen Angst vor "schüleraktivem" Unterricht haben, weil sie glauben, dann die Kontrolle zu verlieren. Ich habe vor einigen Jahren einen Roboterwettbewerb für Schüler mit organisiert und im Vorfeld eine Informationsveranstaltung für interessierte Lehrer abgehalten. Prinzip des Wettbewerbs war es, dass die Schüler eine Kiste mit Bauteilen und ein paar Hinweise, Datenblätter etc. und die Aufgabenstellung in die Hand bekamen und dann selber etwas entwickeln sollten, was die Aufgabe löst. Für 90% der 20 anwesenden Lehrer war es undenkbar, keine Musterlösung in der Hand zu haben.

Wenn ich immer alles (besser) wissen muss, um - in meinen eigenen Augen! - vor der Klasse gut zu bestehen, dann mache ich mir selbst Stress. Ein guter Lehrer ist für mich jemand, der auch eingestehen kann, dass er nicht alles weiß, der auch von Schülern etwas lernen kann (was auch für die Schüler eine ganz neue und positive Erfahrung sein kann), ohne dabei sein Gesicht zu verlieren.

Mit dieser Anmerkung will ich jedoch in keiner Weise den Lehrkräften die alleinige Schuld an der Misere zuschieben, ich sehe diesen hausgemachten Stress nur als einen kleinen, aber dennoch nicht ganz unwichtigen Teil des Problems.

Schönen Sonntag noch!
O'Brien

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Frank und Buster: "Heya, wir sind hier um zu helfen!"