Michael Schröpl: Die Inflation der .de-Domains

Beitrag lesen

Hallo Sven,

Die Zwischenlösung zuerst: Es ist eine TLD erforderlich, bei der man
explizit kein Markenrecht geltend machen kann.

wäre nicht ".name" sinnvollerweise diese TLD?

Und als vierte Subdomain kommt dann der Markenname:
"vobis.pc.de.tm" und "libri.buch.de.tm"
Mit dieser Kategorisierung ist für alle Markennamen auf der Welt
Platz im DNS-System. Zugangsvoraussetzung ist die entsprechende
Markenanmeldung.
Diese Idee ist nicht von mir, aber ich favorisiere sie sehr.

Ich finde sie auch großartig.

Und *.tm würden dann IMHO tatsächlich diejenige Art der "Seriosität"
ausstrahlen, die *.com vielleicht hätte haben sollen.

Naja, irgendwie muss eine Marke ja heißen. Allerdings macht es mehr
Sinn, sich künstlichere Worte wie "amazon" oder "opodo" auszudenken,
als allgemein benutzte Worte plötzlich als Marke anzumelden.

Das kommt darauf an. Unter einem Kunstnamen muß sich eine Bedeutung im
Sprachgebrauch erst mal etablieren - wenn die Marke jedoch bereits eine
etablierte Bedeutung hat, dann ist die Variation der Bedeutung in einem
bestimmten markenrechtlichen Kontext leichter erlernbar, finde ich.
(Ein schnelles Auto "Sprint" zu nennen ist leichter merkbar als ein
obskurer Kunstname, und selbst "Golf" für den entsprechenden Volkswagen
ist über die zugehörigen Eselsbrücken - Sportart bzw. Meeresform -
leicht assoziierbar.)
Der vielleicht goldene Mittelweg ist die Variation bestehender Begriffe

  • so wie etwa der "Toyota Avensis" mit der Assoziation "adventure"
    spielt, sie aber nicht explizit nennt (weil sie vermutlich nicht als
    Marke schützbar wäre?).

Deshalb denke ich, daß es durchaus Grunde dafür gibt, Marken so zu be-
nennen, daß sie existierenden Begriffen entsprechen oder diese variieren.
(Einmal abgesehen davon, daß man das ggf. nutzen - bzw. eher mißbrauchen

  • kann, um Konkurrenten den Spielraum für deren Selbstdarstellung zu
    beschneiden.)

Denn diese allgemeinen Worte treten niemals so deutlich ins Bewußtsein
der Menschen, wie ein Kunstwort (sofern die Marke vernünftig bekannt
gemacht wird). Und es droht nicht unbedingt die Gefahr wie z.B. beim
Wort "Fön[TM]", dass die Marke durch Übernahme in den allgemeinen
Wortschatz entwertet wird.

Wird es denn entwertet? Nimm Dir "Tempo" als Begriff - jeder weiß, was
im Kontext von "Taschentuch" gemeint ist.
Und wenn nur eine einzige Firma entsprechende Produkte unter diesem
Namen anbieten darf (markenrechtlich geschützt), dann ist die Gefahr
einer Verwässerung doch ausgeschlossen, oder?

Viele Grüße
      Michael