Michael Schröpl: Die Inflation der .de-Domains

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Hi emu,

Irgendwo habe ich gelesen, dass es fünf Millionen .de-Domains gibt.
Ist das nicht eine ungeheure Inflation? Ist es überhaupt wünschens-
wert, wenn es so viele Domainnamen gibt, dass jeder, der vielleicht
gar nichts mit dem Internet zu tun hat, eine eigene Domain für einen
Spottpreis bekommt?

was spricht dagegen?

ten, auf Vorrat reserviert werden und es haufenweise Seiten gibt, die
entweder nur einen Satz oder auch nur ein lustiges Baustellenbildchen
bieten, oftmals über Jahre hinweg?

Eine Baustellenseite belegt praktisch keinen Platz auf der Festplatte
des Servers.

Würde vielleicht ein höherer Preis die allgemeine
Bandbreitenvergeudung und die Ausdünnung der Internet-
angebote durch eine Überschwemmung von solchen Angeboten
etwas vermindern?

Eine Baustellenseite hat praktisch keine Besucher (weil sie weder ver-
linkt ist noch über Suchmaschinentreffer gefunden wird) und verursacht
somit praktisch keinen Traffic.

Könnte man so etwas nicht mit günstigem Speicherplatz auf Subdomains
und Ordnern genauso lösen?

Was würde dadurch besser, daß die Anwender lernen müßten, was der
Unterschied zwischen Domains und Subdomains ist?

Hätte man (rein theoretisch, die Entwicklung ist wohl nie wieder rück-
gängig zu machen) stärker auf eine Struktur drängen sollen, wie man es
in Österreich anfangs probiert hat? Dort wurde und wird noch teilweise
unterschieden in .gv.at, .ac.at, .co.at, or.at, etc.

Auch das ist nicht anwenderfreundlich.

De facto funktionieren gute Domain-Namen heute so ähnlich wie gute
Suchmaschinenbegriffe.
Wenn jede Seite nur dadurch gefunden würde, daß man ihren URL kennen
müßte (es also keine Suchmaschinen gäbe), würde das Web nicht funktio-
nieren.

Hätte man die .com-Domain vielleicht frei von Verunreinigungen, also
nichtkommerzielle Seiten, halten sollen?

Um was damit zu erreichen?

Sollte man Privatpersonen nur .name registrieren lassen?

Wo ist die Grenze zwischen Privatpersonen und Personengesellschaften?
Was ist mit Vereinen, Organisationen, ...? Vollständige Regeln, bitte.

Bei mir haben .at/.ch/.li/.org-Domains und ähnliche schon einen gewis-
sen Sympathievorschuss auf .com/.net/.info/.de-Domains, zumindest sub-
jektiv - gibt es so etwas bei euch auch?

Ich bin eigentlich sogar froh darüber, schroepl.net zu haben (schroepl.de
ist vom Freund meiner Schwester "gebunkert"), weil ich mich mit dem, was
meine Seiten bieten, mehr als Netizen präsentiere denn als Deutscher.

Was wird uns noch mit der .eu-Domain blühen? Werden alle Firmen plötz-
lich standardmäßig .de/.eu/.com registrieren?

Daß Firmen, bei denen es ggf. um viel Geld geht, sicherheitshalber lieber
zu viele Domains registrieren als zu wenige, finde ich logisch - und wenn
es mehr TLDs gibt, wird es für die Anwernder schwieriger, eine sinnvolle
Erwartungshaltung aufzubauen.
Ich finde es geradezu zwingend, daß Firmen immer mehr Domains kaufen,
wenn es immer mehr TLDs gibt - aus der Sicht der Benutzer bringt die TLD
deshalb praktisch nichts, weil eine Domain generell nicht demjenigen
gehört, von dem "man" das logischerweise erwarten würde, sondern dem-
jenigen, der den besten Anwalt bezahlen kann.

Je weniger man aber aus einer Domain irgend etwas schließen kann, umso
wichtiger werden gute Suchmaschinen für die Suchenden und ein seriöser,
benutzerfreundlicher Auftritt für die Anbieter.
Sich auf das Namensschildchen einer "guten" Domain zu verlassen funk-
tioniert IMHO nicht; umgekehrt schadet es dem Self-Portal ja auch er-
kennbar nicht, daß es keine dieser "guten" Domains hat, sondern so
nebenbei von einer Firma mit gehostet wird - da macht es einfach der
Inhalt.

Viele Grüße
      Michael