Hi,
Huch? Gibt es nicht schon genug staatliche Intervention in das Netz?
es gibt Intervention durch viele Staaten, die jedoch weitgehend widersinnig sind (auch im Sinne von: sich gegenseitig widersprechend), partiell an Zensur grenzen oder auch ganz klar solche sind, meist auf Unkenntnis der Materie beruhen und nicht unbedingt selten politisch begründet sind. Mir wäre eine Art StVO und ein exekutives Organ dazu lieber.
Gibt es auch nur einen Fall, in welchem diese gerechtfertigt war?
Gibt es einen Fall, dem man Kompetenz des/der Entscheidenden entnehmen kann?
Im Fall von Browsersoftware denke ich auch an eine Art TÜV, der idealerweise bereits vor der Veröffentlichung des Programms zum Zuge kommt.
Nein, danke; ich mag es nicht, wenn jemand meint besser zu wissen, was für mich gut ist.
Es kommt immer darauf an, was für Regeln festgelegt werden. Im Grunde genommen gibt es die schon[1]: Die Grundlage der Netze sind die technischen Standards des IETF, welche verbindlich einzuhalten sind. Das würde wunderbar klappen, wenn sie auch eingehalten würden. Dass sie es nicht werden, hat in vielen Fällen nur einen einzigen Grund: Verstöße werden nicht geahndet.
[1] Natürlich muss es noch verbindliche Regelungen z.B. und insb. gegen Spamming geben. Der derzeitige Zustand ist ja ein Witz: 99% aller Staaten mögen scharfe Gesetze erlassen; der Spammer nutzt dann einfach einen Zugang im verbleibenden Prozent. Darum muss es IMHO eine Regelung _im Internet selbst_ geben.
Der Kopf ist zum Denken da[tm], daher will ich keine staatlich verordnete Software benutzen
Fährst Du (Deine Eltern, Deine Nachbarn, ...) ein staatlich verordnetes Auto? Ich vermute mal, dass dem nicht so ist. Dennoch unterliegt jedes auf der Straße befindliche[2] Auto sehr strengen Sicherheits- und Funktionskontrollen.
[2] Nicht in den USA, nicht in Indien, und in vielen anderen Ländern ebenfalls nicht. Die Zustände können dort aber auch nur bedingt als Vorbild gelten.
Ich glaube keinesfalls, dass man mit der Schaffung von Autoritäten das Problem der mangelhaften Software in den Griff bekommt, eher durch die Aufklärung eines jeden.
Dumme wachsen nach. Wird dem Hersteller(!) einer Software verboten, diese zu vertreiben, wenn diese nicht bestimmte, notwendige Kriterien erfüllt, ist schon sehr viel erreicht. Dass Du nicht für die Fehler von Microsoft verantwortlich gemacht werden kannst, versteht sich von selbst[3].
[3] Unter Juristen vielleicht nicht, aber ein solcher bin ich nicht, und ich möchte hier auch keinen Gesetzesentwurf vorlegen oder so :-)
Nein, auch die Verbindung mit einer Open-Source-Kultur, wie das W3C sie darstellt, wäre eine Parteilichkeit.
Diese Parteilichkeit ist richtig und wichtig, dadurch haben sich offene Standards durchgesetzt, welche auch von kommerziellen Unternehmen mitformuliert und mitgetragen werden.
Open Source und Offene Standards sind die Grundlagen der Entwicklung des Netzes und vor allem des World Wide Webs.
Ja, aber nicht grundlos werden Legislative, Judikative und Exekutive getrennt.
Das IETF war nie eine bindend legislative Institution,
Richtig, und das ist das Problem. Ich will nicht behaupten, dass die bisherigen Veröffentlichungen des IETF als bindend gelten können; aber es sollte _dringend_ etwas Bindendes geben, und die IETF-Dokumente können und sollen diesem als Grundlage dienen. Beispielsweise nehme ich an, dass sich RFC 2324 nicht wirklich in irgendeinem Gesetz wiederfinden würde ;-)
Ich halte nichts davon, die Menschen zu ihrem Glück zu zwingen.
Dito, das ist auch keineswegs was ich will. Das Ziel soll sein, sie vor ihrem Unglück zu bewahren.
Freie Netzbürger haben die Möglichkeit, sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen und sich zu informieren.
Idealismus ist vom Realismus leider oft allzu weit entfernt. Würde Deine Aussage irgendeine Praxisrelevanz haben, gäbe es in diesem Forum keine Hinweise auf's Archiv. Der _Einzelne_ informiert sich _nicht_ - und leider gibt es derer sehr viele.
Deshalb steht es ihnen frei, welche Software sie benutzen, welche Webseiten sie nutzen, welche Produkte sie kaufen et cetera.
Gerne. Manche Produkte haben aber nicht auf den Markt zu kommen.
Hier kommt eines der wahrscheinlich größten Probleme zutage: Es existiert kein Staat, der das Recht hätte, diese Aufgabe zu übernehmen;
Wenn es ihn geben würde, hätte er das Recht, das heißt, wäre es gerecht, in das freie und dennoch funktionierende Leben (manche können anscheinend nicht glauben, dass dies möglich ist) des Netzes einzugreifen?
Stelle diese Frage im Hinblick auf das Leben in einer geographischen Region. Der derzeitige Zustand der Anarchie funktioniert nur deshalb, weil das Netz eine Art "Zweitstaat" ist, in dem die Menschen lediglich Zeit verbringen; es existiert keine lebensnotwendige Abhängigkeit. Aber es gibt bereits hinreichend viel Terrorismus (Viren), betrügerischen Diebstahl (Dialer), grob fahrlässige Gefährdung (IE & Co.), Sachbeschädigung (HTTP-Chats und ähnlicher Quatsch), Belästigung (Spam) und so weiter und so fort. Vergehen aller Art sind an der Tagesordnung, aber so gut wie nie gibt es eine angemessene Strafe.
Versteh mich bitte nicht falsch. Ich will weder eine Kontrolle aller Vorgänge im Netz, noch Gefängnisstrafen für das Livestellen eines User-Online-Counters, noch den Aufmarsch von Truppen beim Versand einer Mail an mehr als fünf Personen. Ich wünsche mir einfach nur die _Möglichkeit_, den faktisch existenten Problemen effektiv entgegenzuwirken. Nein, die Menschheit zu informieren reicht nicht aus, denn augenscheinlich will sie sich nicht informieren lassen. Viele Leute werden leider nur bei Gewalt aufmerksam, sei es nun physische, staatliche oder sonst welche. Darum glaube ich, dass die Netze um einiges besser dran sein werden, wenn eine solche Gewalt _verantwortungsvoll_ geschaffen wird.
Cheatah
--
X-Will-Answer-Email: No