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Ich habe ihn tatsächlich gefunden, ich bin ihm tatsächlich begegnet, es ist schier unglaublich, diese ungeahnte, albtraumhafte Koinzidenz ist mir tatsächlich wiederfahren: Es ist das Idealbild des unerwünschten Lesers.
Er durchstreift das Netz als reiner, im Hinblick auf den Netzalltag verblendeter Konsument, hält sich normalerweise auf den bekannten populären Sites auf, welche sich alljährlich durch »Internet-Awards« beweihräuchern. Er bewegt sich auf den abgetretenden Pfaden des Webs und sucht für gewöhnlich leicht verDAUliche Unterhaltungskost. Kurz gesagt: für jeden Netzpublizist ist dieser Besucher die Wurzel allen Unheils, die fleischgewordene Idotie, der Gegenspieler der Zielgruppe, das Drohbild des Missverständnisses, die Krönung der Oberflächlichkeit. Außer einigen unbedeutenden und eher verunglückten Beiträgen in diversen Diskussionssystemen tritt er meist nicht sonderlich durch Engagement oder Können in Erscheinung.
Nun begibt es sich tatsächlich, dass ein Exemplar dieser Spezies sich im Selfhtml-Forum einfindet, was an sich schon eine Paradoxie darstellt, und die Dinge nehmen folglich ihren tragischen Lauf. Er kriecht aus dem Loch seiner unbedeutenden Netzexistenz heraus, um sich einem großspurigen Schwätzer anzuschließen, ihm mit einem erstarkten »Jawoll!« beizupflichten und sich von den Wellen des fulminösen Auftritts treiben zu lassen. Dieses Subjekt erkennt seine Chance, drängt sich auf die Bühne, tönt maulend herum. Ohne selbst jemals die Initiative ergriffen zu haben, ohne jemals etwas Substanzvolles zum Netz beigetragen zu haben, tritt er nun in der ihn erfüllenden Rolle des Denunzianten auf, »kritisiert« die Erzeugnisse der anderen Forenteilnehmer - die wahrhaft die Self-Philosophie ausnahmslos zu leben wissen - indem er schlichtweg die Adressen nennt, um dies als Argument anzuführen, um dies Kritik zu nennen, um dies als eigene, individuelle Meinung zu verkaufen. Nie vorher merklich in Erscheinung getreten, erkennt er endlich eine Möglichkeit, sich Aufmerksamkeit zu vererschaffen. Er selbst könnte zweifelsohne mit seinen nicht existenten Werken nicht eine einzige der genannten Seiten übertreffen oder ihr ebenbürtig sein, auf welcher Ebene auch immer. Zweifellos sind diese Seiten allesamt nicht für ihn gemacht, sondern teilweise gegen ihn und seine Mitstreiter und Vertreter der Einfalt, aber dank seines selbstgerechten vereinfachenden Blickes, welcher jegliche Auseinandersetzung mit den Seiten verhindert, wird ihm diese Erkenntnis bedauernswerterweise nicht zu teil. Erwartungsgemäß versteckt er sich weiterhin in der heimeligen Anonymität ([pref:t=32857&m=179023]), damit er nach seinem Überraschungsauftritt schlussends wieder in selbige abtauchen kann.
Es bleibt nur eins zu sagen: »Du hast nicht verstanden.« (dsf 2.4)
M.
(Mein Name ist hier bekannt, genauso wie emus und die aller anderen, welche hier unter Pseudonymen schreiben. Vielleicht sollte man sich erst informieren anstatt Unwahrheiten herumzukrakeelen.)