Hi Siechfred,
da habe ich ja eine mächtige Debatte losgetreten. Eigentlich wollte ich nur darauf hinweisen, dass es bei Steuern und staatlichen Leistungen immer schwerer wird, sinnvoll von einem "wir" zu sprechen.
Man kann das durchaus konkretisieren, etwa danach fragen, wie die Bilanz für die verschiedenen Gruppen aussieht, das Verhältnis von Abgaben und Gegenleistungen. Nur noch ein Drittel der Bevölkerung zahlt in die Sozialsysteme ein und sie werden für das, was sie da aufbringen, nicht einmal nach 30 oder 40 Jahren das eingezahlte Kapital zurückbekommen. Für die meisten Arbeitnehmer stehen Abgaben und Gegenleistungen in einem dramatisch schlechten Verhältnis. Bei den Steuern sieht das auch nicht viel anders aus.
Ein Beispiel? Da wird jemand nach 30 Jahren arbeitslos:
- Wieviel hat er in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt?
- Wieviel erhält er jetzt zurück?
- Wieso steht er nach kurzer Zeit als Bittsteller vor genau den Behörden, die jahrelang von seinen Beiträgen gelebt haben?
- Welche Rechte hat er da noch und welche weitgehenden Eingriffe in sein Privatleben muss er hinnehmen?
Es war ja auch in der Nachkriegszeit für kleine Leute nicht möglich, zu rauchen oder ein Auto zu fahren. Warum solllte das jetzt anders sein?
Weil keine Nachkriegszeit ist? Naja, vielleicht eine "Nach-dem-Irakkriegs"-Zeit.
Ironie-Detektor ausgefallen *g*
"Wir" ist in der Tat sehr allgemein gehalten, es kommt natürlich darauf an, wie du die "Wirs" gruppierst und in welche Gruppe du dich einordnest. Aber es gibt schon Dinge, die von dem überwiegenden Anteil der Bevölkerung genutzt werden, z.B.:
- öffentliche Einrichtungen
- öffentliche Straßen und Plätze
- den ÖPNV sowie die Bahn
Auch da will mir das "Wir" nicht so recht einleuchten.
Ich würde zum Beispiel wissen wollen, ob Du den doppelstöckigen Bagger für die Pendler meinst oder die erste Klasse im ICE? Auch bei den öffentlichen Einrichtungen wächst die soziale Differenzierung: Bist Du Chefarztpatient oder von der BKK? Liegst Du mit drei Leuten in einem Hühnerstall oder in einem hellen, komfortablen Einzelzimmer? Zahlt Dir Deine Versicherung die Zahnbehandlung und die neue Brille oder musst Du da selber in die Tasche?
Viele Grüße
Mathias Bigge