Hallo Mathias.
Nur noch ein Drittel der Bevölkerung zahlt in die Sozialsysteme ein und sie werden für das, was sie da aufbringen, nicht einmal nach 30 oder 40 Jahren das eingezahlte Kapital zurückbekommen.
Das ist systemimmanent: das Sozialsystem basiert nunmal auf dem Solidarprinzip. Dass es so nicht ewig funktioniert, stand m.W.n. bereits in den 70ern fest. Doch damals war es genauso ein Tabuthema wie heute. Es ist nunmal Tradition, dass die Jungen die Alten versorgen und ihrerseits im Alter von den dann Jungen versorgt werden. Den Versorgungsgrad des Jungen bestimmt die wirtschaftliche Lage, wenn er alt ist. Doch die demografische Entwicklung hat dem System einen Strich durch die Rechnung gemacht. Am Ende musste der Staat lenkend eingreifen und hat dies nach meiner Auffassung nicht ganz richtig angepackt: statt in "fetten" Jahren vorzusorgen bzw. endlich den von Wissenschaftlern und Statistikern schon lange geforderten demografischen Faktor einzuführen, haben sie Steuergelder in das System gepumpt, die ja in den Jahren noch sprudelten. Sehenden Auges in die Katastrophe sozusagen. Und dass Reformen in wirtschaftlich flauen Zeiten doppelt so wehtun wie in der Hochkonjunktur, bekommen wir jetzt zu spüren. Eine Erhöhung der SV-Sätze tut dann richtig weh, wenn sie nicht durch eine Steigerung von Lohn und Gehalt kompensiert werden kann.
Weil keine Nachkriegszeit ist? Naja, vielleicht eine "Nach-dem-Irakkriegs"-Zeit.
Ironie-Detektor ausgefallen *g*
Solltest ihn mal reinigen lassen ;-)
Ich würde zum Beispiel wissen wollen, ob Du den doppelstöckigen Bagger für die Pendler meinst oder die erste Klasse im ICE?
Sowohl als auch. Weder der eine noch der andere können ohne staatliche Subventionen überleben, die natürlich aus Steuergeldern als die Haupteinnahmequelle des Staates finanziert werden.
Auch bei den öffentlichen Einrichtungen wächst die soziale Differenzierung: Bist Du Chefarztpatient oder von der BKK? Liegst Du mit drei Leuten in einem Hühnerstall oder in einem hellen, komfortablen Einzelzimmer? Zahlt Dir Deine Versicherung die Zahnbehandlung und die neue Brille oder musst Du da selber in die Tasche?
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Ich bin Chefarztpatient, liege im Einzelzimmer und bekomme für Zahnersatz und Brille mehr als ein Kassenpatient.
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Aber ich zahle dafür einen nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten kalkulierten Preis, egal wie alt bzw. in welcher sozialen Lage ich bin, also auch als Arbeitsloser oder als Rentner. Ich erhalte keinen steuerfreien Arbeitgeberzuschuss und müsste als Arbeitnehmer 3500 EUR Brutto verdienen, um nach den geltenden Beitragssätzen den gleichen Beitrag an eine gesetzliche KV zahlen zu müssen. Ich hätte bei diesem Gehalt nach meinen persönlichen Verhältnissen ein Nettoeinkommen von rund 2.200 EUR. Damit wäre ich grundversorgt (KV, PV, RV, AV), mein Kind wäre beitragsfrei mitversichert und ich hätte bereits meinen Steuerobolus entrichtet. Jetzt bin ich aber selbständig. Nehmen wir mal an (was illusorisch ist), ich könnte jeden Monat 3.500 EUR aus der Firma für mich privat abzweigen. Jetzt vorzurechnen, was dem Selbständigen davon übrig bleibt, überlasse ich deiner Fantasie, ich wäre jedoch glücklich, nach Abug der Kosten für eine ähnliche Grundversorgung und Steuern auch nur annähernd 2.200 EUR übrig zu haben.
Ich weiß, dass dieser Vergleich hinkt, was ich damit ausdrücken will ist, dass der Deutsche immer noch auf sehr hohem Niveau jammert.
Freundschaft!
Siechfred
Nichts ist schwerer einzureißen als die Mauer in den Köpfen.