Moin,
So soll der 3.Oktober zukünftig am ersten Oktoberwochenende zelebriert werden.
Warum auch nicht. Wer behauptet, er kann sich an dem patriotischen Feiertag nur erfreuen, wenn er möglichst in der Woche liegt und arbeitsfrei ist, der soll bitte schön nicht von vaterlosen Gesellen reden, sondern sich an die eigene lange Nase fassen und die naheliegende Wahrheit rauslassen: er will einen Tag frei haben. Warum auch nicht? Es ist ja nichts unredliches, weniger Arbeitstage haben zu wollen. Aber dann auch bitte ehrlich dazu stehen. Dies aber mit dem Manten des Patriotismusses zu kaschieren, ist unaufrichtig und ziemt sich nicht für eine "guten Deutschen".
Der 3. Oktober wurde seinerzeit doch ziemlich wahllos aus mehreren denkbaren Tagen ausgewählt. Und er war sicher eine schlechte Wahl. Ich wette, das die wenigstens Deutschen wissen, was am 3. Oktober 1990 denn genau passierte. Warum auch? Es war der Tag des _formalen_ Abschlusses eines Prozesses, der voll an emphatischen Tagen war. Aber keiner dieser Tage (oder einer der alten Vorgängerrepubliken) wurde es. Nein, ein allenfalls rechtlich interessantes Datum wurde erwählt. Na toll. Genauso gut hätte man als Datum den Tag der Veröffentlichung des Einheitsvertrages im Bundesgesetzblatt nehmen können. Das Datum an sich ist also ohne gefühlvolle Erinnerung. Kein einprägsames Bild kommt einem ins Gedächtnis, wenn wir wir an das Datum denken.
Nehmen wir also hin, was so ist, wie es ist: Es gibt in Deutschland halt kein singuläres Datum, das als Feiertag festzuhalten lohnenswert wäre. Das unterscheidet uns von anderen. Und wenn Deutschen nach Patriotismus zumute ist, dann verordnen sie sich einen ereignis-öden Kalendertag. So denken kann nur ein Volk, das Müll trennt, Dosen-Maut liebt und Plastik-Joghurtbecher spült. Auch das unterscheidet uns von anderen.
Diese vaterlandslosen katholischen Christdemokraten gehen mir da noch meisten auf den Sack. Dieselben Leute, die noch vor einigen Jahren meinten, man könne die Pflegeversicherung prima finanzieren, wenn man nur einen freien Tag abschaffe (In SH ist seitdem der Buß - und Bettag kein arbeitsfreier Tag mehr) heucheln doch jetzt nur Krokodilstränen.
Weihnachten nur noch am vorletztem Wochenende im Dezember?
Find ich gut und ausreichend. Christliche Werte sind in unserer Republik eh rapide am Sinken. Der bekennende gläubige Christ sollte in D mittlerweile eine Minderheit darstellen. Das sollte sich mittelfristig auch in unserer Feiertagskultur widerspiegeln. Alles andere wäre Selbstbetrug. Religiös betrachtet, ist der Geburt des Heiland sowieso ziemlich uninteressant. Der Verdacht liegt nah, dass die frühe Kirche hier nur heidnische Feste okkupierte. Karfreitag (wenigstens für bekennende Reformierte wie mich) oder Pfingsten sind wichtige kirchlicher Feiertage. Die sollten reichen. Wer mehr religiöse Feiertage haben oder die existierenden Tage erhalten will, der sollte nicht beim Christentum stehen bleiben, sondern auch die muslimische Gruppen in Deutschland berücksichtigen: Ramadan muss ein Feiertagzeit sein - wenigstens von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang.
Feiertage in katholischen Bundesländern dürfen nur noch von ausgewiesenen Katholiken wahrgenommen werden?
Das wäre ehrlich. Die Kirche würde sich freuen. Das garantiert Mitglieder.
Ferien werden vereinheitlicht; es wird alles gleich gestaltet;
So wie in Frankreich und vielen anderen stolzen Nationen? Kannst Du mir bitte das Drohpotential einheitlicher Ferien erläutern?
Sorry; wir beschweren uns uns über Einschnitte in den Menschenrechten in den USA; doch was ist was ist denn gerade bei uns los?
Das glaub ich jetzt nicht. Du meinst, die Feiertagsdebatte hat menschrechtsverletzenden Charakter?
Warum sollen WIR, die braven Steuerzahler immer mehr bluten,
Ökonomisch gesehen ist diese Debatte ehe sinnlos. Ich bin dafür, die Debatte über die Abschaffung des 3. Oktober mit _den_ Argumenten zu führen, die mit dem 3. Oktober zusammenhängen. WER von uns hier feierte denn am 3. Otober Deutschland? In welcher Kommune, in welcher Stadt wurde am 3. Oktober eine Party veranstaltet? er schwenkt an dem Tag Fahnen oder besinnt sich? Seien wir doch mal ehrlich: Am 3. Oktober müssen ein paar Spitzenpolitiker sich für ein paar Stunden in einer zentralen Feierstunde den Arsch platt sitzen und gut ist. Der Rest meldet sich ab und hat frei.
Viele Grüße
Swen Wacker