Hi Sven,
Bei der Sicherung der Sozialsysteme wurde schon begonnen, Riester-Rente etc. Hat aber offenbar nicht so eingeschlagen bzw. ist jetzt irgendwie aus der öffentlichen Diskussion verschwunden.
Weil die meisten Leute so wenig Vertrauen in die Systeme haben, dass sie kein weiteres Geld hineinbuttern wollen. Die Riester-Rente und dergl. sind aber eher Maßnahmen _aufgrund_ der mangelnden Leistungsfähigkeit der Systeme, sie greifen das Übel nicht an der Wurzel.
Und was Arbeitsplätze angeht: Vielleicht müssen wir uns mit dem Gedanken vertraut machen, dass im Moment einfach alle zu erledigende Arbeit bereits erledigt wird. Daran etwas zu ändern und die Zahl der Arbeitslosen zu senken dürfte also nur auf drei Wegen funktionieren:
Das Problem lässt sich nicht so leicht auf drei Möglichkeiten reduzieren.
- Es gibt mehr zu tun durch Wirtschaftswachstum.
- Die Arbeitslosen wandern aus.
- Die Arbeit wird auf mehr Arbeitende aufgeteilt, wobei jeder nur noch anteilig verdient. Aus einer Vollzeitstelle mach zwei Halbtagsstellen sozusagen.
Punkt 1 ist wünschenswert, aber wird das Problem in absehbarer Zeit nicht lösen.
Punkt 3 ist zu ungünstig kalkuliert und berücksichtigt die Realitäten nicht. Tatsächlich sind in vielen Bereichen Teilzeitkräfte schlechter bezahlt als Vollzeitkräfte, was die Zahl der Niedriglohnarbeitsplätze erhöht hat.
Man muss diesen Punkt auch volkswirtschaftlich betrachten. Wenn wir von einer Arbeitslosigkeit von 10% ausgehen, wäre eine Arbeitsverteilung von wenigen Prozenten bereits wirksam.
Nimm 10 Beschäftigte, die einen Arbeitslosen mitfinanzieren, vielleicht würde es sich sogar rechnen, wenn sie die Arbeit entsprechend teilen würden, oder?
Abgesehen davon, dass sich die bestehenden Arbeitnehmer so eine Aufteilung ja auch nicht einfach so leisten können.
"10% Brutto weniger und es wird unmittelbar ein neuer Kollege eingestellt", wäre das nicht sinnvoll? Dafür gäb's ein paar Tage Urlaub mehr und alle wären zufrieden. Vielleicht wäre es sogar ein Dreh, der Wirtschaft einen kräftigen Anschub zu verpassen.
Außer den drei genannten Möglichkeiten, gibt es noch viele andere, etwa durch Einflussnahme auf den Arbeitsmarkt. Wer lange versichert arbeitet könnte ein Konto gutgeschrieben bekommen, dass eine Anstellung für einen Arbeitgeber äußerst attraktiv macht oder eine wirklich qualifizierte Weiterbildung möglich macht. Im Bereich der Qualifizierung könnte man weggehen von der Gießkannenversorgung und den Arbeitslosen stärkere Möglichkeiten eröffnen, selber ANbieter und Programme auszuwählen, um von den sinnlosen Durchlauferhitzern, wie sie heute finanziert werden, wegzukommen. Auch Ausbildung müsste für die Firmen attraktiver gemacht werden, sodass das Gesamtniveau der Arbeitskräfte wieder gehoben wird. Es gibt so viele Möglichkeiten.
Vor allem müsste man weg von bürokratischen Massenapparaten hin zu marktorientierten Systemen und Förderungen, die Bundesanstalt für Arbeit ist wirklich kein gut funktionierendes System.
Viele Grüße
Mathias Bigge